ETF-News
ETF-Euphorie: Alle wollen rein – aber durch dieselbe Tür
ETFs sind längst Mainstream. Doch während Anleger ihr Geld breit streuen wollen, konzentriert sich das große Geld zunehmend auf wenige Produkte und Anbieter
Der ETF ist endgültig vom Finanzprodukt für Börsen-Nerds zum Liebling der Anleger geworden. Ob Altersvorsorge, Vermögensaufbau oder einfach die schnelle Möglichkeit, breit gestreut zu investieren: ETFs sind heute fast überall. Und das Geld strömt weiter hinein. Weltweit erreichten die ETFVermögen im Juli 2026 einen neuen Rekord von 23,1 Billionen US-Dollar.
Doch hinter dem bunten ETF-Universum steckt eine bemerkenswerte Entwicklung: Die Anleger werden immer konzentrierter. Zwar gibt es Tausende ETFs, doch das große Geld landet keineswegs gleichmäßig verteilt. In Europa vereinten im Juli gerade einmal 551 ETFs mehr als eine Milliarde Euro Volumen auf sich – zusammen kamen sie auf rund 86 Prozent des gesamten ETF-Vermögens. Die zehn größten ETFs allein vereinten fast 20 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich die Konzentration bei den Anbietern. BlackRock mit seiner ETF-Marke iShares, Amundi und DWS mit Xtrackers dominieren den europäischen Markt. iShares allein kommt auf rund 40 Prozent der europäischen ETF-Vermögen. Die zehn größten Anbieter kontrollieren mehr als 90 Prozent des Marktes. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch: ETFs stehen für Diversifikation – doch der ETF-Markt selbst wird immer stärker von einigen wenigen Schwergewichten geprägt. Für Anleger hat das Vorteile. Große ETFs sind meist liquide, kostengünstig und transparent. Gleichzeitig verändert sich das Produkt selbst. Neben klassischen Index-ETFs gewinnen aktive ETFs, Anleihe-ETFs und immer speziellere Themenstrategien an Bedeutung. Der ETF wird damit vom simplen Index-Abbilder zum Baukasten für nahezu jede Investmentidee.
Die eigentliche Überraschung lautet deshalb: Der ETF-Markt wird größer, vielfältiger und gleichzeitig konzentrierter. Anleger streuen ihr Geld zwar breit – aber sie tun es zunehmend gemeinsam. Oder etwas frecher gesagt: Alle wollen diversifizieren. Und landen dabei erstaunlich oft im selben ETF.
MEIN GELD






























