Editorial

Ausgabe 5/2015: Herausforderungen sind Chancen

Die Finanzkrise im Jahr 2008 hinterließ nicht nur negative Spuren, auch wenn viele Anleger Geld verloren haben. Investmentbanken sind Pleite gegangen bzw. wurden verstaatlicht. Sogar gesamte Länder wie Spanien kamen schwer ins Schwanken durch die enorme Staatsverschuldung.

Hintergrund dieses Debakels war die langanhaltende Niedrigzinspolitik der USA, die laxe Regulierung im Bankensektor sowie fehlende Regulierung der Schattenbanken. Diese Subprime Krise führte zur Vernichtung von ca. 7 Billionen Dollar Papiervermögen.

Trotzdem war diese Krise auch eine Chance.

So sollte der Weltfinanzgipfel im November 2008, der auf Ebene der Staats- und Regierungschefs der G20 einberufen wurde, dem Wahnsinn ein Ende setzen. Man einigte sich auf rund fünfzig Einzelmaßnahmen für eine effektive Regulierung der Finanzmärkte. Diese Reformen waren zäh und kompliziert, und es war schwer, in der Finanzindustrie einen Konsens zu finden. Es entstanden zahlreiche Regulierungsbestimmungen, die letztlich zu einer „Regulierungskettenreaktion“ führten. So wie in einem Dominospiel begannen alle Assetklassen von Investmentfonds, über geschlossene Fonds, Versicherer bis hin zur Beraterwelt, den Regulierungsmarathon durchzulaufen. Im Laufe der folgenden Jahre wurden fast alle Finanzprodukte durch den Regulierungstunnel gezerrt.

Die Auswirkungen und Ergebnisse sind noch nicht endgültig zu erkennen, aber in vielen Bereichen sind sie zumindest spürbar geworden.

In der Investmentindustrie haben immer intelligente und flexible Produkte ihren Platz gefunden, wie zum Beispiel die „Multi Assets“. Multi Asset Fonds sind nicht ganz neu, aber sie wurden relauncht und erleben in der heutigen Zeit eine Renaissance. „Mein Geld“ berichtet in dieser Ausgabe ausführlich darüber, um den Lesern die vielfältige Produktpalette zu erklären. Die Folgen des LVRG (Lebensversicherungsreformgesetz) haben die Versicherer erfinderisch gemacht, und die Tarife für Biometrische Risiken wurden neu fixiert. Man findet den Weg zurück zur Basis des ursprünglichen Geschäfts der Versicherer, dem Schutz der Arbeitskraft. Die Assekuranz aktualisiert auch ihr Angebot zur Altersvorsorge und bietet trotz Niedrigzinssatz effektive Lösungen für den Sparer. „Mein Geld“ berichtet über diverse neue Produkte aus der Versicherungsindustrie sowie über professionelle Schulungen, die Beratern helfen sollen, ein adäquates Verkaufsgespräch, den gesetzlichen Vorgaben entsprechend, zu führen. Passend zu diesen Themen führt Herr Dr. Eurich (Vorstandsvorsitzender der Barmenia) in dieser Ausgabe ein spannendes Gespräch mit Frau Hägewald über die Entwicklung und die Zukunft der Versicherungsindustrie.

Was das leidige Thema des Provisionssystems betrifft, so ist man noch zu keiner befriedigenden, abschließenden Lösung gelangt – doch auch hier wird es eine Wende geben, die am Ende langfristig zu einem positiven Ergebnis führen wird. Denn hinter jeder Krise versteckt sich bekannterweise eine Chance.

Ihre Isabelle Hägewald



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Editorial

Ausgabe 4/2015: Die Niedrigzinsphase bewegte Finanzindustrie

Durch das Niedrigzinsumfeld sehen sich Investoren gezwungen, Anlagelösungen mit starken Ertragsquellen zu finden. Dividendenfonds scheinen für viele Anleger die richtige Lösung für ihre Anlageziele zu sein.

Die Strategie dieser Aktienfonds ist es, hohe Dividendenfonds zu kaufen und die Erträge an Anleger auszuschütten. Laut dem Fondsanalysehaus Lipper wurden im Jahr 2014 rund 16,8 Milliarden Euro in Fonds investiert, d.h. jeder 4 Euro floss in solch einen Fonds. Produkte mit Anlagen in Europa gehörten grundsätzlich zu den beliebtesten Kategorie, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass europäische Unternehmen in der Regel die Gewinne als Bar–Dividenden auszahlen, während die Unternehmensgewinne in den USA oft in Form von Aktienrückkäufen an Aktionäre ausgeschüttet werden. Doch die Beliebtheit der Dividendenfonds basiert sicherlich auch darauf, dass mit dem bekannten Zinssparen die nötigen Erträge, die zum Beispiel Stiftungen für ihre Zahlungsverpflichtungen brauchen, nicht mehr erwirtschaftet werden können. Auch das Marktumfeld spricht für solche Investitionen, wenn man bedenkt, dass die Aktienmärkte zurzeit mit einer Liquiditätschwemme von den Zentralbanken befeuert werden. Denn sollte es zu einem Rückschlag an den Märkten kommen, fallen diese im Vergleich zu Kursschwankungen schwächer aus und so stehen die Aktien immer noch in einem guten Licht da. Eine Gefahr besteht dennoch bei einem plötzlichen Rückschlag und zwar genau dann, wenn alle Investoren versuchen, schnellstmöglich ihre Aktienanteile aus ihrem Portfolio zu entfernen, was zu einem starken Mittelzufluss in Dividendenfonds führen könnte.

Es gibt jedoch noch andere Investitionsmöglichkeiten, die man nicht außer Acht lassen sollte, da auch sie für Anleger eine sehr interessante Variante darstellen könnte. So ist das 20jährige Bestehen der PROJECT Gruppe sicherlich der beste Beweis dafür, dass Sachwertanlagen eine Zukunftsberechtigung haben und Immobilieninvestitionen auch attraktive Renditen für Investoren verzeichnen können. Der selbst definierte Anspruch von Herrn Wolfgang Dippold (Geschäftsführender Gesellschafter PROJECT Beteiligungen GmbH und Geschäftsführer PROJECT VermittlungsGmbH) und Jürgen Seeberger (Vorstand PROJECT Real Estate AG) sind Professionalität, Transparenz und Fairness. Die PROJECT hat die im Rahmen der Immobilienentwicklung hergestellte Interessensidentität zwischen Investmenthaus, Asset Manager und Anlegern vereinen können.Mit einem Objektvolumen von über 1 Milliarde Euro in der Immobilienentwicklung, 49 Objekten in fünf Metropolen und 250 Mitarbeitern ist sie nicht nur etabliert, sondern gehört zu den Top 5 der Eigenkapitalplatzierung-Immobilien in Deutschland.

Darüber hinaus ist die BaFin-Verlautbarung von letzter Woche ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Vergabe von Darlehen sowie Darlehensrestrukturierungen durch AIF sind nunmehr zulässig. Das ist aus Sicht des Bundesverbands Alternative Investments e.V. (BAI) ein zukunftweisender Paradigmenwechsel in der deutschen Finanzaufsicht.

Auch die Versicherungsindustrie erlebt einen neuen Trend. Die ersten Versicherer, bedingt durch die Niedrigzinsphase, sind nun gezwungen, garantiefreie Produkte auf dem Markt anzubieten, was für den Kunden auch viele Vorteile mit sich bringt, da Garantien nun mal Geld kosten und die Renditen mindern. Andere Versicherer erweitern ihr Komposit-Geschäft. Dieses Marktsegment ist im Hinblick auf Solvency II leichter zu managen und zuletzt: Das Vergütungsgeschehen spielt sich vornehmlich über die Bestandsprovision ab. Kein Wunder, dass große Konzerne im Kompositgeschäft massiv ausbauen. Der Markt bewegt sich und auch wenn die Niedrigzinsphase neu und anstrengend ist, macht sie erfinderisch.

Ihre Isabelle Hägewald

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Editorial

Ausgabe 3/2015: Wo geht die Reise hin?

Mein Geld hat auf Basis des Fondsanalysehauses Lipper den europäischen Fondsmarkt analysiert. Die europäische Fondsindustrie hat im Jahr 2014 bei verwaltetem Vermögen sowie auch den Mittelzuflüssen einen absoluten Rekord feiern können.

Die Frage stellt sich jedoch, ob alle Segmente und Länder in Europa von diesen Mittelzuflüssen profitieren konnten. Mein Geld hat den Erfolg der Fondsbranche unter die Lupe genommen und schaut für den Anleger genau hinter die Kulissen. Die Mittelbewegung und Marktveränderung sowie die Angebote der Investmentindustrie wurden von der Redaktion kritisch und sachlich bewertet, um Investoren eine Antwort zu der Entwicklung des europäischen Fondsmarktes zu geben.

Institutionelle Anleger hingegen zeigen für erneuerbare Energien, laut einer Studie der Chorus-Gruppe mit der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, großes Interesse. Dabei kam heraus, dass Institutionelle Investoren in Deutschland, die insgesamt ein Vermögen von 764 Milliarden verwalten, bereits 43 Prozent in erneuerbare Energie-Anlagen investiert haben. Die Investoren versprechen sich durch dieses Anlagesegment stabile Erträge, ökologisch-ethische Verantwortung und geringe Ausfallrisiken. So beurteilen institutionelle Kunden Investitionen in erneuerbare Energien als eine gute, geeignete Ergänzung in ihrem Portfolio.

Auch in der Versicherungsindustrie kann man neue Trends erkennen, so beurteilen die Versicherer die Komposittarife als zukünftig sicheren Absatzmarkt. Durch die LVRG-Reformen schwächelt das Leben-Neugeschäft immer noch und laut der Studie des Kölner Marktforschungsinstitut YouGov wächst der Absatz der Kompositversicherung bei den größten deutschen Finanzvertrieben. Die höchsten Steigerungsraten liegen in dem Segment Kraftfahrtzeug-, Sach,- Unfall- und Haftpflichtversicherung. Nichtsdestotrotz stellen sich viele Versicherer neu auf, um das Neugeschäft der Lebensversicherung wieder anzukurbeln. Mein Geld beleuchtet diverse Versicherungstarife, die sich der Herausforderung gestellt haben und dementsprechend auch ihren Platz in diesem Markt gefunden haben.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass Märkte sich immer schneller verändern und Anleger und Berater adäquate Antworten für ihre Investitionen und Beratungsgespräche benötigen. Dazu finden Sie in dieser Ausgabe nützliche Informationen.

Ihre Isabelle Hägewald

 

Editorial

Ausgabe 6/2014: 20 Jahre Mein Geld – Wer nicht vorwärts läuft, fällt automatisch zurück!

20 Jahre als Verlag in der Finanzindustrie zu bestehen ist eine Seltenheit, doch die letzten 20 Jahre, das heißt von 1994 bis heute 2014, waren sicherlich eine Zeit der noch nie dagewesenen Umwälzungen.

Im Jahr 1990 beschloss die US-amerikanische National Science Foundation, das Internet für kommerzielle Zwecke nutzbar zu machen, wodurch es über die Universitäten hinaus öffentlich zugänglich wurde. Diese Entscheidung veränderte die Welt. Die neue, beschleunigte Kommerzialisierung betraf jedes Unternehmen, jede Branche und somit jeden Einzelnen von uns.

Auch die Finanzindustrie wusste sehr schnell dieses Medium für sich zu nutzen. Sei es in der Produktgebung oder über Vertriebswege. So sprossen Anfang der 90er Jahre die Makler aus dem Boden und somit folgten auch die Maklerpools. Vergleichsprogramme und Onlineschulungen sind heute an der Tageordnung. Alle Finanzhäuser, auch auf institutioneller Seite, betreiben Internetseiten und Versicherungstarife kann man selbstverständlich mittlerweile online berechnen.

Diese Internetwelle stürzte auch auf die Verlage ein und das Ausmaß der Möglichkeiten, aber auch der Schwierigkeiten, konnte man nicht ahnen. Was war eine Nachricht wert, wie schnell konnte sie verbreitet werden, welche Wege standen Online, Print oder für bewegtes Bild zur Verfügung? Soziale Plattformen wie Twitter oder Facebook überschwemmten den Markt und verzerrten das Bild von werthaltigen Inhalten. Die Verlage mussten durch diese mediale Überinformation nicht nur Onlinespezialisten werden, sondern auch TV-tauglich und trotz allem im Printbereich stabil bleiben. Die Informationswellen des Internets zwangen die Verlage, sich als hochrasante Produktanalysten zu bewähren. Die Entstehung neuer Anlagelösungen verschnellerte sich und wurde komplexer. Die Inhalte der Informationen verlangten mehr Transparenz und mehr Edukation. Auf der anderen Seite erwartete der Leser zuverlässige und aufklärende Informationen über alle Produktanbieter. Am liebsten hätte die Leserschaft noch eine Produktempfehlung in der Printausgabe gelesen.

Die Geschwindigkeit des Internets hat den gesamten Markt revolutioniert und somit einen dauerhaften Countdown für jeden ausgelöst.

Die entscheidende Frage bleibt, ob man sich dem stellen möchte oder ob man bei dem Rennen aussteigt. Da unsere heutige Welt in aller Hinsicht, also im Guten sowie im Schlechten, nach vorne rast, bleibt keine Alternative, denn für „stehenbleiben“ gibt es keine Zeit mehr. Mein Geld ist nie ausgestiegen. Mein Geld ist gegründet worden, um diese neue Welt aufzunehmen. Über die Jahre hat sich das Anlegermagazin so entwickelt, dass die Kunden keinen Grund hatten, das Blatt bzw. dessen mediale Wege zu verlassen. Mein Geld hat sich bewusst so aufgestellt, dass es der Marktentwicklung voraus war und demensprechend die Leserschaft, Zuschauer oder Zuhörer bedienen konnte. Mein Geld hat auf qualitative Berichterstattung geachtet und war nicht bereit, jedem seine mediale Plattform zu bieten. Mein Geld arbeitet mit den Kunden zusammen und versucht stets, den Mehrwert zu optimieren.

Mein Geld ist nicht nur ein crossmediales Medium, sondern Mein Geld hat Geschichte und eine Firmenphilosophie. Mein Geld glaubt an Prinzipien, wie zum Beispiel:„ Nur die Weiterentwicklung garantiert den Erfolg für Kunden und Unternehmen“.

Mein Geld wird immer am Nerv der Zeit bleiben und seine Kunden und Geschäftspartner auf ihrer Entwicklung erfolgreich begleiten.

In diesem Sinne dankt das Anlegermagazin Mein Geld allen seinen Kunden, Geschäftspartnern und selbstverständlich seiner treuen, beständigen Leserschaft!

I. Hägewald

Editorial

Ausgabe 5/2014: LVRG – Fluch oder Segen?

 In der Sommerpause regulierte die Bundesregierung im Eiltempo die Lebensversicherung. Die massiven Veränderungen betreffen nicht nur die Versicherungsindustrie, sondern auch die Vermittlerwelt. Einige Reformen waren durch die andauernde Absenkung des Höchstrechnungszinses zu erwarten, insbesondere wenn man bedenkt, dass in den nächsten Jahren eine hohe Anzahl von Versicherungsverträgen mit 4 bzw. 3,5 Prozent zur Auszahlung kommen. Von Vermittlerseite aus war mit den Reformen zu rechnen. Die Regulierungen für Berater und Makler fingen schon vor einigen Jahren mit dem Paragrafen 34d und dann 34f an. Die Beratungsqualität sollte soweit optimiert werden, dass der Status des Honorarberaters anerkannt werden sollte. Nun geht es in der Vermittlerwelt um die Absenkung des Höchstzillmersatzes von 40 auf 25 Promille, was selbstverständlich Auswirkungen auf die Vergütung der Vermittler haben wird. Doch genau was diesen Punkt betrifft, ist ein neues Vergütungsmodell schon längst überfällig, welches nicht nur die Kosten bei den Versicherern reduzieren soll, sondern auch den Vermittlern durch Bestandsprovisionen ein langfristiges Überleben ermöglicht. Eine Bestandsprovision bedeutet Werthaltigkeit und somit eine garantierte Altersvorsorge für den Berater. Das Problem ist eine für alle Seiten akzeptable, vertragliche Umsetzung. Damit ist nicht nur die Übergangszeit von einer einmaligen Provisionsauszahlung hin zu einem Mix von einmaliger und Bestandsprovision gemeint, sondern auch von Vergütungsmodellen aller Art, die die Vermittler anbieten können. Jedes Vergütungsmodell hat seine Berechtigung, es stellt sich nur die Frage: Wie können Vermittler eine qualifizierte Vergütung und Kundenorientierung umsetzen, ohne dabei ihre Existenz auf das Spiel zu setzen?

Einer der Kernpunkte des neuen Gesetzes ist die Absenkung des Höchstrechnungszinses, da befürchtet wird, dass die Lebensversicherung für den Kunden nicht mehr attraktiv genug ist. Dabei sind jedoch zwei entscheidende Faktoren zu beachten. Jede Art der Garantie (Zinsgarantien) in einem Versicherungsvertrag kostet Geld, welches dann in der Überschussbeteiligung fehlt. Darüber hinaus gibt es zurzeit kein anderes Produkt auf dem Markt, das eine lebenslange Rente garantiert. Bei jeder anderen Anlageform gibt es eine einmalige Auszahlung, die nur über eine begrenzte Zeit verteilt werden kann. Die Lebensversicherung hingegen bietet eine lebenslängliche Rente an, was bei der heutigen Lebenserwartung oft bedeutet, dass die Einzahlungsdauer fast so lange ist wie die ausgezahlte Rentendauer.

Ein weiterer entschiedener Punkt der Reform ist die Regelung der Verteilung der Bewertungsreserven. Man könnte davon ausgehen, dass die Rückkaufswerte bei einer Kündigung höher sind als in der Vergangenheit, doch dies sollte sorgfältig geprüft werden, da die Berechnungen von den Sockelbeiträgen abhängig sind. Die gesetzlich gewollte starke Beteiligung der Versicherungsunternehmen an den Risikoüberschüssen (von 75 auf 90 Prozent) könnte dazu führen, dass Produkte im Bereich Risiko-, Berufs- und Pflegeversicherung teurer werden. Eine Deckelung der möglichen Gewinne steht für die Versicherer im Gegensatz zur weiterhin unverminderten Leistungspflicht.

Fakt ist, die Gesellschaften und Vertriebe müssen sich beeilen, um geeignete Lösungen zu entwickeln, denn die Anzahl der Berater schwindet. Gegenüber dem Höchststand des Vermittlerregisters von Anfang 2011 haben knapp 21.000 Vermittler den Markt verlassen.

Eine Bereinigung des Marktes war zu erwarten, doch nicht auf Kosten von qualifizierten Beratern oder Verlusten von geeigneten Produkten. Mehr denn je ist die Zusammenarbeit von Versicherungsgesellschaften mit Vermittlern gefragt, insbesondere für den weiterhin bestehenden sozialpolitischen Auftrag der Altersvorsorge.

I. Hägewald

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Editorial

Ausgabe 4/2014: Der Anfang vom Ende der Intransparenz

Das Kapitalanlagegesetzbuch hat in Deutschland ein einheitliches, geschlossenes Regelwerk für alle Typen von Investmentfonds und deren Manager geschaffen. Die Auswirkungen der AIFM-Regulierung auf die Geschäftstätigkeit der Emissionshäuser wurden im Vorfeld aber von vielen Marktteilnehmern und Beobachtern falsch eingeschätzt.

Die wesentliche Ursache dieser Marktlähmung war nicht nur das zeitaufwendige BaFin-Genehmigungsverfahren, sondern auch die enorme Verzögerung bei der Zulassung der Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG). Darüber hinaus stellten die Anforderungen, die aus der neuen Regulierung hervorgingen, für die Emissionshäuser einen zusätzlichen Kostenfaktor dar, den nicht jedes Haus tragen konnte. Dementsprechend mussten einige Produktanbieter ihr Geschäftsmodell überdenken und ihre Organisation neu aufstellen. Dies führte zum Beispiel dazu, dass einige Marktteilnehmer in den Jahren 2013 und 2014 ihre Vertriebsmannschaften reduzierten oder versuchten die notwendigen Einsparungen im Bereich des Backoffice zu realisieren. Andere stellten das Neugeschäft gänzlich ein, um den Anforderungen der BaFin gerecht zu werden. Die Häuser, die sich rechtzeitig mit dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB )und dessen Konsequenzen beschäftigten, konnten von der neuen Regulierung profitieren und Ihren Marktanteil deutlich steigern. Sachwertanlagen mit Investitionsprojekten in Deutschland- Immobilien waren und sind hierbei mit Abstand die Marktführer. Rund 45,7 Prozent der Emissionshäuser beabsichtigen in dieser Anlageklasse auch in Zukunft weiter Fonds aufzulegen.

Die größten Profiteure der neuen Regulierung könnten die Emissionshäuser werden, die erkannt haben, dass man sich nicht nur auf Publikumsfonds konzentrieren, sondern auch Fonds für professionelle Anleger auflegen sollte. Denn viele Markteilnehmer übersahen bei der Vorbereitung auf die Umsetzung der AIFM-Richtlinie die Chance, dass sie zukünftig den gleichen Regulierungen wie offene Investmentfonds unterstellt sein werden, und somit auch die gleichen Aussichten wie diese besitzen werden.

Dementsprechend verlagerten diese Häuser Ihren Schwerpunkt auf den Aufbau von institutionellen Backoffices und Dienstleistungen sowie auf den passenden Vertriebsstruktur und auf ein entsprechendes Risikomanagement, um die Anforderungen dieser -für die meisten Anbieter- neuen Kundengruppe gerecht werden zu können. Aufgrund der Insolvenzen einiger Emissionshäuser in den Jahren 2013 und 2014 ist die Gesamtlage für die Anbieter von Sachwertanlagen nicht einfacher geworden. Doch erstaunlicherweise scheinen die Anleger dazugelernt zu haben. Volker Weber, Vorstandvorsitzender des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) berichtete auf der letzten Pressekonferenz, das der Fall Prokon im Bereich der Sachwertanlagen nur einen kleinen Einfluss hat, da die Investoren den Unterschied zwischen Sachwertanlagen in Fonds und Genussrechten kennen.

Das Jahr 2014 steht weiterhin unter dem Eindruck des KAGBs. KVG-Zulassungen sowie Produktgenehmigungen erfolgen nur langsam und zähflüssig. Daher hat das Anlegermagazin Mein Geld in dieser Aufgabe einen Fokus auf das Emissionshaus Projekt-Gruppe gelegt, das sich rechtzeitig mit den Vorbereitungen auf die neue Regulierung und deren Umsetzung in der Unternehmensstruktur beschäftigt hat, um die Chancen der Regulierungen nutzen zu können. Dank dieses Weitblickes konnte die Projekt-Gruppe ihre Geschäftstätigkeit ohne Unterbrechung fortsetzen und mit dem neuen Ansatz auch institutionelle Kunden gewinnen.

In der Rubrik Sachwertanlage finden die Leser alle die von BaFin registrierten und zugelassenen Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Die neuen Regulierungen sind der Anfang vom Ende der Intransparenz von Anlageprodukten, denn die gesetzlichen Anforderungen haben nicht nur einen großen Einfluss auf die internen Prozesse und Strukturen, sondern auch auf die Produkte. Auf der einen Seite bedeutet das Mehrkosten für alle Emissionshäuser und somit auch zusätzliche Kosten für den Anleger. Auf der anderen Seite sind die eingeführten Maßnahmen ein wichtiger Schritt für Transparenz, Anlegerschutz, Rechtssicherheit und Gleichberechtigung von Kapitalanlageprodukten. Doch es bleibt nur der Anfang, denn viele Wertpapiergattungen, wie zum Beispiel Genussrechte wurden bei den Regulierungen noch nicht berücksichtigt und trotz aller Bemühungen des Gesetzgebers, wird es immer Lücken geben. Dabei übersieht man die Gefahr, dass solche Regulierungen dazu führen können, dass Investoren versuchen, sich der Verantwortung für ihre Entscheidungen zu entziehen. Das wirkliche Ende des grauen Kapitalmarktes wird dann kommen, wenn die Anleger in Deutschland bereit sind, sich mit Ihren Anlagenprodukten solange auseinander zu setzen, bis sie diese verstehen oder sich bei der Kapitalanlage in professionelle Hände begeben. Solange sich das Verhalten der Anleger nicht verändert, werden Unternehmen wie Prokon immer Ihre Opfer finden.

 

I. Hägewald

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