- Die US-Inflationsdaten waren doppelt positiv: Der Gesamt-Verbraucherpreisindex (CPI) fiel gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozentpunkte, was die Jahresrate von 4,2 % auf 3,5 % senkt. Gleichzeitig blieb der wichtige Kern- Verbraucherpreisindex im Monatsvergleich stabil und sank im Jahresvergleich auf 2,6 %. Der gestern veröffentlichte Bericht zum Erzeugerpreisindex (PPI) untermauert diese Entwicklung: Der Index sank um 0,3 % – der Markt hatte keinen Rückgang erwartet. Und auch der Kernindex fiel schwächer aus als prognostiziert.
- Der Energiesektor trug maßgeblich zu dieser Entwicklung bei, doch die Abschwächung der Kern-Verbraucherpreise und der zugrunde liegenden Erzeugerpreisindizes deutet darauf hin, dass die Verbesserung nicht ausschließlich auf den Ölpreis zurückzuführen war. Einigen Einschätzungen zufolge dürfte die Kombination dieser Berichte dazu führen, dass die Kern-Verbraucherinflation im Juni bei 3,3 % landen könnte. Das dürfte den Druck auf die Fed, in naher Zukunft die Zinsen anzuheben, etwas verringern.
- Es überrascht nicht, dass die kurzen Laufzeiten als Reaktion darauf zulegten: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen fiel nach beiden Berichten um mehr als 10 Basispunkte, da die Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juli auf nahezu null senkten. Um das Feuer noch weiter anzufachen, argumentierte der Präsident der New Yorker Fed, John Williams, in heute veröffentlichten vorbereiteten Ausführungen, dass die Inflation wahrscheinlich ihren Höchststand erreicht habe und in den kommenden Quartalen zurückgehen dürfte. Zwar betonte Williams, die Inflation sei nach wie vor zu hoch, doch seiner Einschätzung nach sei die aktuelle Geldpolitik „gut aufgestellt“. Dies senkt die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Zinserhöhung deutlich. Die Erwartung, dass sich die Auswirkungen der Zölle, die Wohnkosteninflation und der Ölpreisdruck abschwächen werden, tut ein Übriges.
- Mit Blick auf die Zukunft gehen wir davon aus, dass die Renditen am kurzen Ende noch Spielraum für weitere Rückgänge haben. Die Zinsmärkte preisen weiterhin ein erhebliches Risiko einer zusätzlichen Straffung durch die Fed im weiteren Jahresverlauf ein, was Spielraum für eine Neubewertung lässt, sobald sich die Märkte unserer Einschätzung annähern, dass die Fed die Zinsen unverändert lassen wird. Zudem würde eine klare und endgültige Lösung der Spannungen rund um die Straße von Hormus diese Einschätzung untermauern: Niedrigere Rohöl- und Frachtkosten würden die Gesamtinflation automatisch senken, den Preisdruck mindern und die Märkte dazu veranlassen, ihre geldpolitischen Erwartungen in eine eher zurückhaltende Richtung neu zu bewerten.






























