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Märkte und Wirtschaft können Zinserhöhungen verkraften

Nachdem die US-amerikanische Notenbank (Fed) die Zinswende eingeläutet hat, muss mit einer anhaltenden Volatilität an den Devisen-, Anleihe- und Aktienmärkten gerechnet werden. Grund dafür sind die Divergenzen zwischen der Geldpolitik der Fed und potenziell auch der britischen Zentralbank (BoE)

Bild: shutterstock 172690529

auf der einen und der Europäischen Zentralbank (EZB) und der japanischen Notenbank (BoJ) auf der anderen Seite, schreibt der Chefökonom von Invesco, John Greenwood, in seinem jährlichen Markt- und Wirtschaftsausblick für 2016.

Trotz kurz- bis mittelfristiger Rückschläge im Erholungsprozess hält er an seiner seit langem vertretenen Erwartung fest, dass der aktuelle globale Konjunkturaufschwung überdurchschnittlich lange andauern wird.

„Der wichtigste Grund dafür ist, dass das unterdurchschnittliche Wachstum und die niedrige Inflation eine restriktivere Geldpolitik, die den Aufschwung vorzeitig beenden würde, unnötig machen werden“, sagt er. Greenwood zufolge stellen die Zinsen kein geeignetes Maß der geldpolitischen Haltung dar. Der entscheidende Indikator, der im Auge behalten werden sollte, sei das Geld- und Kreditwachstum. Unter den großen Volkswirtschaften habe sich das Geld- und Kreditwachstum mit Raten von 6-8 Prozent bislang nur in den USA normalisiert. „Wenn es den Geschäftsbanken gelingt, ein derartiges Geld- und Kreditwachstum aufrechtzuerhalten, werden die Aktien- und Immobilienmärkte die ersten Zinserhöhungen meiner Ansicht nach verkraften können und einer mehrjährigen Wachstumsphase bis zum Erreichen des konjunkturellen Höhepunktes steht nichts entgegen“, sagt er.

Nach Ansicht des Chefökonoms von Invesco signalisiert die Fed-Zinserhöhung vom 16. Dezember, dass sich die USA trotz der Schwäche in anderen Industrie- und Schwellenländern wieder auf einem normaleren Wachstumspfad befinden. Eine weitere Aufwertung des US-Dollars könnte sich, nach seiner Ansicht, negativ auf die Gewinne großer US-amerikanischer Unternehmen mit einem erheblichen Auslandsanteil an den Umsätzen auswirken. Mittelgroße und kleinere US-amerikanische Unternehmen sollten dagegen von der zunehmend an Breite gewinnenden Erholung im Inland profitieren. Die wirtschaftliche Lage in Großbritannien ähnelt der der USA – mit einer relativ lebhaften Wirtschaftsaktivität begleitet von einer deutlich unter der Zielrate liegenden Inflation. Daher geht Greenwood auch davon aus, dass die BoE dem Kurs der Fed erst mit zeitlicher Verzögerung folgen und die Zinsen frühestens im Februar oder Mai 2016 anheben wird.

Derweil hat sich der Aufschwung in der Eurozone und Japan in den letzten Monaten verlangsamt und damit bestätigt, dass die Wachstumserholungen in den USA und Großbritannien fundamental stabiler sind. Greenwood verweist auf Konstruktionsfehler in den QE-Programmen beider Länder, die es zu korrigieren gilt, damit die Programme eine größere Wirkung entfalten. Die Rohstoffmärkte, zahlreiche Grundstoffindustrien und die weltweiten Handelsvolumina werden, laut Greenwood, weiter von der Wachstumsschwäche in Schwellenländern wie China, Brasilien und Russland belastet. Darüber hinaus könnten die generellen Bemühungen der Produzenten in den Schwellenländern um eine Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu weiteren Währungsabwertungen führen. Greenwood zufolge stehen die Schwellenländer vor drei zentralen Problemen. Erstens haben viele von ihnen im Zeitraum 2009-13 ein überhöhtes Geld- und Kreditwachstum zugelassen. Zweitens sind die meisten weiter zu abhängig von exportorientierten Wachstumsmodellen. Drittens wirkt die hohe Abhängigkeit vieler dieser Länder von Rohstoffexporten in einer Phase drastisch gefallener Rohstoffpreise negativ.

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