Ein nachhaltigerer Kursanstieg würde einen strukturellen Rückgang der Risikoprämien erfordern, insbesondere in Europa. Dies setzt entschlossene Maßnahmen gegen die Unsicherheit und die Risiken im Euroraum voraus. Einige der zurzeit erörterten Vorschläge scheinen durchaus interessant, etwa ein Europäischer Tilgungsfonds (ERF), eine Bankenunion und ein europäisches Einlagensicherungssystem. Fortschritte auf dem Weg zu einer Fiskalunion (also zum ERF) oder eine teilweise Aufgabe der nationalen Souveränität mit der Bankenunion als erstem Schritt brauchen aber Zeit. Die Ergebnisse des nächsten EU-Gipfels werden wahrscheinlich enttäuschend sein, jedenfalls für alle, die konkrete Vorschläge erwarten. Nadège Dufossé meint daher: „Mit der Klarstellung, dass der Fortbestand des Euroraums allgemein gewünscht wird und einem glaubwürdigen Plan zur Lösung der aktuellen Probleme lässt sich das Vertrauen zurückgewinnen. Die Risikoprämien können dann zurückgehen. Eine Lockerung der Sparauflagen für einige Länder und wachstumsfördernde Maßnahmen könnten ebenfalls zu steigenden Kursen führen.“ Die Lage bleibe aber instabil. Jede größere Enttäuschung könne zu neuen Spannungen führen, die allerdings der wichtigste Reformmotor in Europa seien. Der Nervenkrieg zwischen den Ländern sorge zusätzlich für Unsicherheit und volatile Märkte.
Ist eine Entkopplung möglich?
Ganz anders sieht es in anderen Regionen aus. Dexia Asset Management erwartet für 2012 eine Entkopplung – auf der einen Seite die USA und die Emerging Markets, die wachsen, auf der anderen Seite Europa, das sich größtenteils in der Rezession befindet. Nadége Dufossé schließt daraus: „Wir bevorzugen andere Regionen – die USA, vor allem aus strukturellen Gründen, und China, wo sich die Konjunktur erholen kann.“
Für die USA sprechen vor allem strukturelle Gründe. Seit Beginn der Krise hat das Land die Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum geschaffen. Der Schuldenabbau ist hier weiter fortgeschritten als in anderen Ländern, und der Immobilienmarkt dürfte seinen Tiefpunkt bald erreicht haben. Die Kostenstruktur ist deutlich wettbewerbsfähiger geworden, so dass sich die Wachstumsaussichten verbessern. Laut Dexia Asset Management besteht kurzfristig allerdings das Risiko einer zu drastischen Straffung der Fiskalpolitik. Neue geldpolitische Maßnahmen könnten bei Bedarf aber eine Lösung sein.
In China ist hingegen eine Konjunkturerholung zu erwarten. Die Geld- und Fiskalpolitik wird gelockert, so dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte ihren Wendepunkt erreichen dürfte. Es ist allerdings unklar, ob es dem Land längerfristig wirklich gelingt, seine Binnenkonjunktur zu stärken. Der Staat kann nur begrenzt Konjunkturprogramme auflegen – nicht aufgrund fehlender Mittel, sondern wegen des Risikos von Fehlallokationen wie 2008 und 2009.
































