Doch war das ein einmaliger Vorsichtsschritt, oder beginnt ein neuer Zinszyklus? Und warum steigen die Renditen am langen Ende noch schneller als der Leitzins? Diesen Fragen gehen wir in dieser Ausgabe des Zinskommentars nach.
Fed erhöht erstmals seit 2023 – und der Anleihemarkt fragt nach mehr
Wer nach dem Auslöser sucht, muss wie in Europa auf die Energiemärkte blicken. Der Iran-Konflikt hat sich seit Ende Juli verschärft und hält den Ölpreis erhöht. Brent notiert zuletzt bei über 100 US-Dollar. Die Inflation lag im August bei 3,4 %, und Energie verteuerte sich binnen Jahresfrist um 16,3 %. Die wesentlichere Kernrate sank aber auf 2,4 %. Im Monatsvergleich lag sie aber über den Erwartungen, getragen von Dienstleistungen abseits des Wohnens.
Darin liegt das Dilemma: Ein Angebotsschock trifft auf eine Wirtschaft, die eine Straffung verkraften kann. Die Fed beschreibt die Konjunktur als solide und die Investitionen als robust. Ihre Arbeitslosenprognose hat sie auf 4,1 % gesenkt, und Chairman Warsh stellt die Preisstabilität klar in den Vordergrund. Schon im Juli hatten drei Mitglieder für eine Erhöhung gestimmt. Die Einstimmigkeit im September überraschte daher kaum.
Zusätzliche Unsicherheit kommt aus Washington. Präsident Trump erwägt nach eigener Aussage sehr ernsthaft, die Dieselexporte der USA einzuschränken, um vor den Zwischenwahlen im November die Kraftstoffpreise zu dämpfen. Berichtet wurde von einem 90-tägigen Exportverbot, Energieminister Wright sprach dagegen zunächst von Beschränkungen statt eines Verbots. Die Ölbranche und Analysten warnen, dass die weltgrößte Dieselausfuhr-Nation mit einem solchen Schritt das globale Angebot weiter verknappen und die Preise eher erhöhen würde. Für die Fed wäre das ein weiteres Inflationsrisiko.
Das CME FedWatch Tool zeichnet ein klares Bild. Vor einem Monat lag die Wahrscheinlichkeit einer Oktober-Erhöhung noch unter 10 %, inzwischen sind es rund 70 %. Für Dezember sahen die Terminmärkte zuletzt mit über 90 % ein höheres Zinsniveau als heute. In den Projektionen erwarten 16 von 18 Mitgliedern mindestens einen weiteren Schritt in diesem Jahr. Wichtige Marken sind die US-Inflationsdaten am 14. Oktober und die Sitzung am 28. Oktober. Einen Automatismus gibt es nicht. Entspannt sich die Lage an der Straße von Hormus, kann sich das Bild schnell drehen.
Der Anleihemarkt reagiert mit Verkäufen. Die zehnjährige Rendite stieg auf rund 5,2 %, den höchsten Stand seit 2007, die 30-jährige auf über 5,5 %, den höchsten seit 2004. Zu Jahresbeginn hatte die Zehnjährige noch bei 4,15 % gelegen. Neben Zinserwartungen und Öl belasten Haushaltssorgen und hohe Emissionen. Eine schwache Auktion fünfjähriger Papiere kam hinzu. Auch Bundesanleihen und Gilts rentieren höher.
Die Fed kann kein Öl fördern, aber sie kann die Nachfrage bremsen. Solange die Lage um Hormus ungelöst bleibt, dürften kurze wie lange Zinsen erhöht bleiben. Für Finanzierer strahlt die US-Zinswende über die Renditen auch auf Europa aus. Es stellt sich die große Frage: Wäre ein Zinsschritt um 50 Basispunkte angemessener gewesen?






























