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Ölpreisschock durch Iran-Konflikt: Fed könnte erneut unter Druck geraten

Die jüngste Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran rückt die Energiemärkte erneut in den Fokus. Zwar deuteten Meldungen vom Wochenende auf eine vorübergehende Pause der direkten Angriffe und neue diplomatische Bemühungen hin

vDie jüngste Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran rückt die Energiemärkte erneut in den Fokus. Zwar deuteten Meldungen vom Wochenende auf eine vorübergehende Pause der direkten Angriffe und neue diplomatische Bemühungen hin. Dennoch bleibt die Lage fragil: Nachdem das Memorandum of Understanding zwischen Washington und Teheran gescheitert ist, haben die Spannungen rund um die Straße von Hormus deutlich zugenommen. Die USA haben die Seeblockade gegen den Iran wieder eingeführt, zugleich drohen die Huthi-Rebellen mit einer Blockade saudi-arabischer Häfen. Für Anleger ist damit nicht nur die Frage entscheidend, ob es kurzfristig zu einer weiteren militärischen Eskalation kommt. Ebenso wichtig ist, wie viel Widerstandskraft die globalen Energiemärkte nach Monaten der Störungen noch besitzen.

Aus Sicht von Theodore Bunzel, Leiter des Lazard Geopolitical Advisory-Teams, unterscheidet sich die aktuelle Eskalation deutlich von früheren Phasen des Konflikts. Zwar bleibe eine Rückkehr zu einem instabilen, schwelenden Waffenstillstand das Basisszenario. Das Risiko einer vorübergehenden Rückkehr zu umfassenderen Kampfhandlungen sei jedoch spürbar gestiegen. „Die kurzfristigen Eskalationsrisiken haben deutlich zugenommen. Gleichzeitig sprechen wirtschaftliche, politische und militärische Zwänge weiterhin dafür, dass beide Seiten im weiteren Verlauf wieder nach Wegen zur Deeskalation suchen dürften“, sagt Bunzel.

Ölmarkt mit deutlich reduzierten Notreserven
Besonders kritisch sei, dass die Reserven an den Energiemärkten inzwischen deutlich kleiner seien als zu Beginn des Konflikts. Nach Einschätzung des Lazard Geopolitical Advisory-Teams liegen die Ölflüsse aus dem Persischen Golf wieder bei weniger als der Hälfte des Vorkriegsniveaus. Zugleich seien strategische und kommerzielle Reserven nach fast fünf Monaten Konflikt stark zurückgegangen. Auch die Möglichkeit, Versorgungsengpässe durch eine schwächere chinesische Nachfrage abzufedern, sei begrenzt.

„Die Puffer an den Ölmärkten schwinden schnell“, so Bunzel. „Eine erneute Eskalation wäre deshalb deutlich kostspieliger als in früheren Spannungsphasen. Der Markt trifft nicht mehr auf dieselben Reserven und Ausweichmöglichkeiten wie im Frühjahr.“

Hinzu komme, dass es nicht allein um Rohöl gehe. Besonders angespannt seien inzwischen die Märkte für Raffinerieprodukte wie Diesel und Benzin. Der Abstand zwischen den Preisen für raffinierte Produkte und Rohöl habe historische Höchststände erreicht. Das deute darauf hin, dass nicht nur die Rohölversorgung, sondern zunehmend auch die Verarbeitungskapazitäten zum Engpass würden. Eine erneute Bewegung des Ölpreises in Richtung 100 bis 110 US-Dollar je Barrel könne sich daher stärker auf Endverbraucherpreise auswirken als frühere Preisschübe.

Huthi-Drohungen erhöhen Risiko für Saudi-Exporte
Ein weiterer Risikofaktor ist nach Einschätzung von Lazard die Drohung der Huthi-Rebellen, den Schiffsverkehr zu saudi-arabischen Häfen zu blockieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Route über Yanbu am Roten Meer. Über diesen Exportweg kann Saudi-Arabien große Mengen Rohöl an der Straße von Hormus vorbeileiten. Sollte auch dieser Ausweichkanal gestört werden, würde ein wichtiger Puffer für die globale Ölversorgung wegfallen, so Bunzel.

„Die Huthi-Drohung gegen saudi-arabische Häfen ist deshalb relevant, weil sie einen der wichtigsten verbleibenden Umgehungswege für Golf-Öl betrifft“, sagt Bunzel. „Selbst wenn eine vollständige Blockade operativ schwer umzusetzen wäre, können bereits höhere Kriegsrisiko- und Versicherungsprämien den Schiffsverkehr spürbar belasten.“

Für die kommenden Wochen seien daher mehrere Signale entscheidend: ob es zu weiteren US-Opfern und darauffolgenden US-Militärschlägen komme, ob Israel wieder direkter in den Konflikt eingreife, ob der Iran weiter auf Kontrolle und mögliche Gebührenmodelle rund um die Straße von Hormus bestehe und ob die Huthi ihre Drohungen tatsächlich mit Angriffen auf Schiffe im Roten Meer untermauerten. Auch die Entwicklung der strategischen Ölreserven sowie eine mögliche Erholung der chinesischen Ölnachfrage seien wichtige Indikatoren für die Belastbarkeit der Märkte.

Inflationsrisiken rücken zurück in den Vordergrund
Die jüngste Ölpreisentwicklung ist aus Sicht von Ron Temple, Chief Market Strategist bei Lazard, ein wichtiger makroökonomischer Risikofaktor. Der Preis für Brent-Rohöl war zeitweise auf über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen, nachdem er nur wenige Wochen zuvor noch etwas über 70 US-Dollar gelegen hatte. Zwar gaben die Preise nach der vorübergehenden Angriffspause wieder nach. Die Volatilität zeigt aus Temples Sicht jedoch, wie schnell geopolitische Risiken auf Energiepreise und Inflationserwartungen durchschlagen können.

„Das Aufwärtsrisiko für Energiepreise ist diesmal größer als in früheren Runden der Eskalation“, sagt Temple. „Strategische Reserven wurden bereits deutlich reduziert, und auch China dürfte kaum noch in der Lage sein, einen weiteren Angebotsschock im gleichen Umfang abzufedern wie zuvor.“

Damit steige auch das Risiko, dass höhere Energiepreise erneut auf Inflationserwartungen und Konsumstimmung durchschlagen. Zwar seien die jüngsten US-Inflationsdaten besser ausgefallen als erwartet. Bisher seien viele Preisimpulse – etwa durch Zölle, den Iran-Konflikt oder Halbleiter – vergleichsweise isoliert geblieben. Temple warnt jedoch davor, einzelne Preisschübe zu unterschätzen, wenn sie sich über die Zeit häufen. „Auch wenn sich jeder einzelne Preisanstieg gesondert erklären lässt, kann die kumulative Wirkung am Ende zu einem breiteren Inflationsdruck führen“, so Temple.

US-Notenbank Fed könnte in Zwickmühle geraten
Für die Geldpolitik der US-Notenbank Fed komme die neue Eskalation zu einem schwierigen Zeitpunkt und die Lage werde komplexer. Temple erwartet zwar, dass die Fed kurzfristig zunächst abwartet. Die Kombination aus Iran-Krieg, höheren Energiepreisen und dem Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz könne aber dazu führen, dass die Risiken breiterer Inflation wieder stärker in den Vordergrund rücken. „Die Fed dürfte zunächst auf mehr Klarheit warten“, so Temple. „Sollte sich jedoch zeigen, dass der Inflationsdruck nicht isoliert bleibt, würde der geldpolitische Handlungsdruck schnell steigen.“

Keine kurzfristige Entspannung der Energiearchitektur
Selbst wenn es in den kommenden Monaten zu einer Rückkehr zu einem schwelenden Waffenstillstand käme, dürfte die Region nach Einschätzung des Lazard Geopolitical Advisory-Teams längerfristig mit eingeschränktem Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus leben müssen. Golfstaaten arbeiteten zwar daran, ihre Pipelinekapazitäten zur Umgehung der Meerenge auszubauen. Neue Infrastruktur dürfte jedoch frühestens 2027 zur Verfügung stehen.

Für Bunzel bedeutet das, dass Anleger die aktuelle Eskalation nicht nur als kurzfristiges geopolitisches Ereignis betrachten sollten. „Der Konflikt beschleunigt die Neuordnung regionaler Energieflüsse“, sagt Bunzel. „Selbst im günstigeren Szenario dürfte die Straße von Hormus über längere Zeit ein struktureller Risikofaktor für die Weltwirtschaft bleiben.“

Aus Anlegersicht rückt damit eine zentrale Botschaft in den Vordergrund, so Temple: Der Ölmarkt sei heute verwundbarer als noch zu Beginn des Konflikts. Eine Rückkehr zu einem instabilen Gleichgewicht bleibe möglich. Doch solange zentrale Transportwege, Raffinerieprodukte und Reserven gleichzeitig unter Druck stünden, könnten geopolitische Schocks schneller auf Inflation, Zinsen und Wachstumserwartungen durchschlagen. „Die Märkte sollten nicht nur auf den Ölpreis selbst schauen“, sagt Temple. „Entscheidend ist, ob höhere Energiepreise in den kommenden Monaten auf Inflationserwartungen, Verbraucherpreise und Notenbankpolitik übergreifen.“

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