Wirtschaft

ifo Institut: Einkommensverluste trotz BIP-Wachstum

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im abgelaufenen Jahr um 1,9 Prozent und damit deutlich stärker als im langjährigen Durchschnitt gewachsen

Mediamodifier / Pixabay

„Trotzdem haben die gewaltigen Angebotsschocks, unter denen die deutsche Wirtschaft leidet, ihre Spuren hinterlassen. Engpässe bei Energie, Vorprodukten und Arbeitskräften, die sich mit dem Krieg in der Ukraine deutlich verschärft haben, schränkten die Produktion ein und trieben die Inflation in die Höhe. Daher fällt das Wachstum des BIP im Jahr 2022 nur etwa halb so groß wie noch vor Beginn des Krieges mit plus 3,7 Prozent erwartet worden war“, sagt Timo Wollmershäuser, der Leiter der ifo Konjunkturprognosen.

Außerdem überschätzt in Zeiten wie diesen die mit dem BIP gemessene wirtschaftliche Leistung die Einkommens- und damit die Wohlstandsentwicklung einer Volkswirtschaft. Da ein Großteil der Energie und der Vorprodukte aus dem Ausland bezogen wird und da durch ihre Verknappung die Importpreise kräftig gestiegen sind, musste ein zunehmender Teil von dem in Deutschland erwirtschafteten Einkommen zur Begleichung der Importrechnung verwendet werden. Daher dürften die verbleibenden Realeinkommen der deutschen Haushalte und Unternehmen nach Schätzungen des ifo Instituts im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent geschrumpft sein. Vor Ausbruch des Krieges war ein Anstieg um 2,6 Prozent erwartet worden. „Damit hat die derzeitige Wirtschaftskrise nicht nur das Wachstum des volkswirtschaftlichen Kuchens verringert, der mit dem Bruttoinlandsprodukt gemessen wird. Auch musste wegen der gestiegenen Importpreise ein größer werdender Teil dieses Kuchens an das Ausland abgegeben werden. Insgesamt ging Deutschland im vergangenen Jahr Realeinkommen und damit Wohlstand im Umfang von schätzungsweise knapp 110 Milliarden Euro verloren“, ergänzt Wollmershäuser.

2023 dürfte zunächst schwach starten. Die hohe Inflation und steigende Zinsen werden den privaten Konsum und die Bauproduktion voraussichtlich sinken lassen. Hingegen werden die hohen Auftragsbestände und nachlassende Engpässe bei Energie und Vorprodukten die Industriekonjunktur stützen. Insgesamt wird die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2023 wohl geringfügig schrumpfen und im zweiten Quartal stagnieren. Erst im weiteren Verlauf des Jahres dürfte sich die Konjunktur erholen, weil die Inflationsraten spürbar sinken und die Einkommen kräftig steigen werden. Insgesamt wird die gesamtwirtschaftliche Produktion im Jahr 2023 damit voraussichtlich stagnieren.

(ifo)

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