Wirtschaft

Ende der Öl-Rally in Sicht

Noch vor wenigen Wochen schien der Ölpreis nur eine Richtung zu kennen: nach unten. Inzwischen, nach einer Rally, die bereits in die vierte Woche geht, rechnen viele Marktteilnehmer damit, dass die Erholung noch für eine ganze Weile in rasantem Tempo weitergeht.

Am Freitag hat die Notierung der weltweit wichtigsten Benchmark-Sorte Brent Crude mit 42,54 Dollar je Barrel ein Jahreshoch erreicht. Gegenüber dem Jahrestief von 27,10 Dollar per Ende Januar ist dies bereits eine enorme Erholung von 57%. Wie zu erwarten war, hat dies auch wieder die Finanzinvestoren angezogen. Zuletzt sind hohe Summen in die Rohstoffmärkte, darunter in Öl, geflossen, wobei sich viele Marktteilnehmer mit Long-Kontrakten für weitere Preisavancen positioniert haben.

Für die Rally gibt es gute Gründe. So sind die großen Produzentenländer mittlerweile nicht mehr gewillt, einen Fall des Ölpreises ins Bodenlose hinzunehmen. Sie haben sich immerhin auf eine Deckelung der Produktion auf dem Niveau vom Januar geeinigt – was die Trendwende am Ölmarkt ausgelöst hat – und für Mitte April weitere Gespräche in Doha vereinbart, bei denen es zusätzliche Stützungsmaßnahmen geben könnte. Eindruck hat dabei gemacht, dass mit Saudi-Arabien und Russland zwei der drei größten Förderländer mit im Boot sitzen.

Zudem gibt es mittlerweile klare Hinweise darauf, dass die Schieferöl-Förderung in den USA ihren Höhepunkt vorerst überschritten hat. Mit Blick auf die hohen Kosten der Förderung per Fracking und den vergleichsweise hohen Anteil von Fremdfinanzierung in dem Sektor rechnet die US-Regierung mit einem Rückgang der Produktion im laufenden Jahr um immerhin 600.000 Barrel pro Tag (bpd).

Ein weiterer sehr wichtiger Grund für die Preiserhöhung ist die weiterhin ultralockere Geldpolitik der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich zuletzt mit einer Senkung des Leitzinses und einer Ausweitung des Quantitative Easing stärker aus dem Fenster gelehnt als von den meisten Marktteilnehmern erwartet. Und die US-Notenbank Fed hat sich in der gerade beendeten Handelswoche trotz leicht verbesserter US-Konjunkturdaten äußerst vorsichtig und zurückhaltend gezeigt, so dass es inzwischen wieder sehr fraglich ist, ob sie im laufenden Jahr die Zinsen nochmals anheben wird. Liquidität ist also in einem mehr als ausreichenden Maß vorhanden, und es ist damit zu rechnen, dass noch mehr Investoren auf den Zug springen werden, sollte dieser noch an Fahrt gewinnen.

Es gibt aber inzwischen Zweifel, ob es zu dieser Beschleunigung kommen wird. Es spricht nämlich einiges dafür, dass die Rally an Dynamik einbüßen wird, mit der Folge, dass bei einem Niveau von rund 50 Dollar für das Barrel Brent erst einmal Schluss sein dürfte.

So ist der jüngste Preisanstieg wenigstens teilweise auf zeitlich begrenzte Faktoren wie umfangreiche Produktionsausfälle in Nigeria und im Irak zurückzuführen, die sich auf immerhin 600.000 bpd belaufen. Nach Berechnungen der Analysten von Barclays entspricht das rechnerisch nicht weniger als 40% des gesamten Angebotsüberschusses. Zudem hat es auch umfangreiche Short-Eindeckungen von Finanzinvestoren gegeben, die von dem rasanten Anstieg auf dem falschen Fuß erwischt worden sind. Beide Faktoren dürften in nächster Zeit kaum noch eine Rolle spielen.

Zudem ist fraglich, was substanziell bei dem Treffen der Produzentenländer in Doha herauskommen kann, wenn die Bereitschaft für echte Produktionskürzungen nirgendwo vorhanden ist und der Iran als ein ebenfalls wichtiges Ölland an den Beratungen nicht teilnehmen will. Die iranische Regierung hat unmissverständlich erklärt, dass sie erst dann zu Gesprächen über eine Deckelung der Förderung bereit ist, wenn das Land wieder das Produktionsniveau von vor dem Beginn der Sanktionen von 4 Mill. bpd erreicht hat. Während sich die Preiserholung bislang vor allem auf Faktoren der Angebotsseite gestützt hat, könnte nun die Nachfrageseite ins Rampenlicht rücken – und zwar mit einem eher preisdämpfenden Effekt. So war nämlich zuletzt der Ölverbrauch in China, den USA, Japan und Brasilien rückläufig.

Außerdem glauben Häuser wie Goldman Sachs und Barclays daran, dass es eigentlich noch einer Zeitspanne von mehreren Monaten mit niedrigen Preisen bedarf, damit der Ölmarkt ein stabiles neues Gleichgewicht mit spürbar reduziertem Angebot erreicht. Insofern könnte die Tatsache, dass die Rally so rasant verlaufen ist, für den Ölpreis in den kommenden Monaten eher negative Implikationen haben.

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