Wirtschaft

Aufschwung der Weltwirtschaft setzt sich fort

Weltkonjunktur steuert mit politischen Unsicherheiten geschwächt ins zweite Halbjahr

geralt / Pixabay

Das zu Jahresbeginn vorherrschende hochkonjunkturelle Umfeld trübte sich nach den Debatten um Handelszölle und Wirtschaftssanktionen weltweit ein, dennoch sollte sich der globale Wirtschaftsaufschwung auch im dritten Quartal fortsetzen. Die Abschwächungstendenzen verstärkten sich besonders in Europa, wobei allerdings durch die Euro-Schwäche der letzten Monate die wirtschaftliche Dynamik nun wieder leicht zunehmen sollte. Die steigende Inflation wird gemeinsam mit den zunehmenden politischen Risiken und der sich normalisierenden Geldpolitik auch weiterhin für Turbulenzen an den Kapitalmärkten sorgen. Allerdings stimmen die guten Fundamentaldaten der Unternehmen und die zwar schwächere, aber immer noch solide Konjunktur, weiterhin positiv für zyklische Anlageklassen.

Erhöhter Inflationsdruck trotz leicht abnehmender Konjunkturdynamik in den USA

In den USA zeigen die Konjunkturvorlaufindikatoren ein weniger optimistisches Bild als noch zu Jahresbeginn. Mit der Senkung des nationalen Steuersatzes auf Unternehmensgewinne von 35 % auf 21 % kamen die USA aber bisher relativ glimpflich davon. Nachdem im zweiten Halbjahr 2017 annualisierte Quartalswachstumsraten von rund 3 % erreicht wurden, wuchs das BIP im ersten Quartal 2018 annualisiert um 2,2 % gegenüber dem Vorquartal. Die Konsumausgaben expandierten annualisiert nur mehr um 1,0 % gegenüber dem Vorquartal. Investitionen und Außenhandel entwickelten sich dagegen weiterhin dynamisch und leisteten im ersten Quartal einen positiven Wachstumsbeitrag. Auch der US-Arbeitsmarkt zeigte sich bislang sehr solide. Trotz leichter Eintrübung der Konjunktur wird für 2018 ein BIP-Wachstum von 2,7 % erwartet. Gleichzeitig erreichte die allgemeine Inflation im Mai mit 2,8 % den höchsten Stand seit sechs Jahren. Kurzfristig ist keine Entspannung in Sicht, unter der Voraussetzung eines stagnierenden Ölpreises und einer nachlassenden Konjunkturdynamik dürfte sich die Situation zum Jahresende hin wieder etwas normalisieren.

Ende der Hochkonjunktur in der Eurozone

Der Handelskonflikt mit den USA belastet die europäische Wirtschaft. Im Laufe des letzten Halbjahres haben sich die meisten Konjunkturvorlaufindikatoren von Mehrjahreshochs auf Niveaus verschlechtert, die in etwa Potenzialwachstum signalisieren. Zudem war die Exportwirtschaft im ersten Quartal durch die Euroaufwertung belastet, erst im zweiten Quartal setzte etwas Entspannung ein. Diese Wachstumsverlangsamung spiegelt sich bereits in den BIP-Daten wider. Nachdem im Vorjahr regelmäßig Quartalswachstumsraten von 0,7 % (annualisiert 2,4 %) erreicht wurden, wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal 2018 nur um 0,4 % (annualisiert 1,6 %). Der private Konsum expandierte überproportional, allerdings verringerten sich die Wachstumsbeiträge des Außenhandels und der Investitionen stark. Das hochkonjunkturelle Umfeld in der Eurozone ist jedenfalls Geschichte, die Wirtschaft befindet sich mit einem BIP-Wachstum für 2018 von 2,2 % auf einem durchschnittlichen Wachstumspfad. Die Inflation kletterte im Euroraum ähnlich wie in den USA nach oben und erreichte im Mai 1,9 %. Außerhalb der Energiepreisentwicklung ist der Preisauftrieb in der Eurozone aber immer noch gering, sodass die Geldpolitik in diesem Umfeld weiterhin expansiv bleiben und damit das Wirtschaftswachstum unterstützen kann. Die schwächeren Konjunkturdaten lassen frühestens 2020 eine erste Zinsanhebung erwarten.

Yen-Aufwertung und Handelsstreit belasten japanische Exportwirtschaft

Auch in Japan führten die Handelskonflikte und die Währungsaufwertung im ersten Quartal zu einer Abkühlung der Konjunktur. Aufgrund der höheren Exportabhängigkeit war das Ausmaß des Abschwungs in Japan ausgeprägter als in der Eurozone. Im ersten Quartal 2018 reduzierte sich die Wachstumsdynamik um annualisiert -0,6 % gegenüber dem Vorquartal, wodurch die zweijährige Expansionsphase ein Ende fand. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr die Abhängigkeit der japanischen Konjunktur von der Exportwirtschaft. Die Bank of Japan dürfte vor diesem Hintergrund auch weiterhin an ihrer ultraexpansiven und damit währungsbelastenden Geldpolitik festhalten.
Chinas Wirtschaft trotzt den Handelsstreitigkeiten mit den USA

Die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA verlaufen vergleichsweise intensiv. Die beiden Länder drohen seit März mit gegenseitigen Strafzöllen, zudem strebt US-Präsident Trump die Reduktion des chinesischen Handelsüberschusses gegenüber den USA an. Angesichts dieses rauen Umfelds erwiesen sich die chinesischen Wirtschaftsdaten als erstaunlich robust. Industrieproduktions-, Außenhandels- und Einzelhandelsdaten zeigen keinerlei Eintrübung. Bei den Konjunkturvorlaufindikatoren wies der Trend der letzten Monate sogar leicht nach oben. Das chinesische BIP-Wachstum lag im ersten Quartal 2018 um 6,8 % über dem Vergleichsquartal des Vorjahres – eine Eintrübung ist vorerst nicht zu befürchten. Zudem lockerte die chinesische Notenbank ihre Geldpolitik über eine Senkung der Mindestreservesätze, um die Auswirkungen der geringeren Kreditvergabe abzufedern.

Emerging Markets in unruhigem Fahrwasser

Im Gegensatz zu China waren andere Emerging Markets teils heftigen Turbulenzen ausgesetzt. Vor allem Lateinamerika zeigte sich vom Handelsstreit mit den USA stark betroffen, was zusammen mit höheren US-Zinsen zu kräftigen Währungsabwertungen in dieser Region führte und höhere Inflationsraten in Mexiko, Brasilien und Argentinien erwarten lässt. Neue US-Sanktionen gegen Russland lösten zwischenzeitlich heftige Korrekturen an den russischen Finanzmärkten aus. Das Land scheint die Krise jedoch gut verkraftet zu haben. Die Türkei wird nach dem Wahlsieg von Präsident Erdogan weiterhin ein hochpolitischer Markt bleiben. Dennoch entwickelte sich die Wirtschaft in der Türkei erstaunlich gut. In den asiatischen Schwellenländern hängen die Konjunkturaussichten stark davon ab, inwieweit die chinesische Wirtschaft sich den Handelsstreitigkeiten mit den USA entziehen kann. Indien sollte im Windschatten sogar an Dynamik zulegen. Trotz dieser Turbulenzen dürfte sich die Konjunktur in den Schwellenländern nur leicht eintrüben. Das durchschnittliche Wachstum sollte 2018 mit 4,6 % knapp den Vorjahreswert erreichen.

Moderate Kurssteigerungen bei Aktien

Nach der Korrektur im ersten Quartal wird sich die zuletzt besonders bei US-Aktien spürbare Erholung in den kommenden Sommermonaten nicht fortsetzen lassen. Der US-Aktienmarkt profitierte von der sehr guten Performance der Technologieschwergewichte und einem neuen Allzeithoch der Technologiebörse Nasdaq. Da die Handelskonflikte der USA mit dem Rest der Welt für zunehmenden Gegenwind an den Märkten sorgen, rechnen wir mit steigender Volatilität und lediglich moderaten Kurssteigerungen. Mittelfristig sollten aber die positiven Treiber – wie etwa die wirtschaftliche Dynamik und die soliden Unternehmensgewinne – wieder in den Anlegerfokus rücken und für positive Kursbewegungen an den Aktienmärkten sorgen. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin Aktien gegenüber anderen Anlageklassen und bleiben moderat übergewichtet.

Anleihen: Hohe Volatilität bietet attraktive Einstiegsgelegenheiten

Die Anleihenmärkte befinden sich im dritten Quartal im Spannungsfeld einer steigenden Inflation, schwächeren Wirtschaftswachstums und zahlreicher politischer Risiken. Da die Volatilität quer über alle Teilsegmente des Anleihenmarktes hoch bleiben sollte, ergeben sich jedoch auch interessante Kaufniveaus – beispielsweise bei US-Treasuries. Auch bei Unternehmens- oder Emerging-Markets-Anleihen können gute Einstiegsgelegenheiten entstehen, sofern diese trotz solider Fundamentaldaten aufgrund von Konjunktursorgen und politischen Risiken auf breiter Basis korrigieren. In diesem volatilen Umfeld haben wir unsere stark zyklische Positionierung am Anleihenmarkt durch eine leichte Reduktion von Emerging-Markets-Anleihen zurückgenommen. Wir starten breit diversifiziert in das zweite Halbjahr – mit einer stärkeren Gewichtung von sicheren Staatsanleihen – und halten gleichzeitig an der High-Yield-Unternehmensanleihen-Position fest.

(Semper Constantia)

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