Zwischen den mächtigen Wirtschaftsblöcken läuft die Konkurrenz um Afrikas Ressourcen – eigentlich eine gute Ausgangsposition für den Kontinent. „Doch trotz enormer Rohstoff- und Marktmacht ist der Kontinent zum Spielball globaler Akteure geworden“, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.
In einer Welt wachsender geopolitischer Spannungen rücken die Staaten zusammen: Alte Handelsblöcke festigen sich, neue entstehen. Doch während Europa, Indien, Kanada und Deutschland ihren Handel neu ausrichten und zugleich enger mit China kooperieren, bleibt der afrikanische Kontinent institutionell fragmentiert, was zu erheblichen strategischen Nachteilen führt.
Statt geschlossen aufzutreten und mit einer Stimme zu sprechen, verfolgen afrikanische Staaten zunehmend bilaterale Abkommen mit den USA, mit China, Russland oder der Türkei: 55 Staaten, 55 unterschiedliche Verhandlungsansätze – ohne regionale oder kontinentale Abstimmung. Dieses Vorgehen birgt die Gefahr eines neuen „Wettlauf um Afrika“, bei dem afrikanische Einzelstaaten als Juniorpartner auftreten, anstatt ihre kollektive Marktmacht auszuspielen. Die Folge: geringere Preissetzungsmacht und schwächere strategische Hebel.
„Der Kern des Problems ist institutionell“, erklärt Fischer. „Die Afrikanische Union ist kein supranationales Gebilde wie die EU.“ Ihr fehlen direkte Rechtsdurchsetzung, eine zentrale Handelspolitik und fiskalische Instrumente. Viele Mitgliedsstaaten sind zudem stark von Zolleinnahmen abhängig, was nationale Alleingänge begünstigt.
Dabei verfügt Afrika eigentlich über eine erhebliche Verhandlungsmacht: Bis 2030 könnten circa 1,7 Milliarden Menschen den afrikanischen Binnenmarkt bilden. Gleichzeitig kontrolliert der Kontinent dominante Anteile kritischer Rohstoffe wie beispielsweise rund 70 Prozent des weltweiten Kobalts und knapp 80 Prozent der Platingruppenmetalle. Doch Produzentenländer wie die Demokratische Republik Kongo, Sambia, Simbabwe, Namibia, Südafrika oder Marokko verhandeln getrennt. Strategische Ressourcen werden einzeln angeboten und nicht als geopolitisches Paket.
Ein prägnantes Beispiel ist der African Growth and Opportunity Act (AGOA) zwischen den USA und Afrika: Nach US-Zollerhöhungen führten Länder wie Kenia, Südafrika oder Lesotho individuelle Gespräche mit Washington. Eine koordinierte afrikanische Antwort blieb aus.
Besonders deutlich wird die strukturelle Asymmetrie im Verhältnis zu China. Seit 2009 ist die Volksrepublik Afrikas größter Handelspartner, das bilaterale Handelsvolumen liegt inzwischen bei über 280 Milliarden US-Dollar. In 52 der 54 afrikanischen Staaten ist China als Handelspartner mittlerweile wichtiger als die USA – eine Entwicklung, die sich im Laufe der Jahre kontinuierlich verstärkt hat. In vielen Ländern ist Peking darüber hinaus nicht nur führender Importeur, sondern zugleich zentraler Investor, Kreditgeber und Finanzier für Infrastrukturvorhaben.
Für Anleger bedeutet dies eine doppelte Realität: Einerseits entstehen durch internationales und hier insbesondere chinesisches Kapital reale Infrastruktur- und Wachstumsimpulse. Andererseits erhöht die starke Konzentration externer Einflussnahme die politische und strategische Komplexität erheblich. Afrika besitzt das Potenzial, als geschlossener Block geopolitisch auf Augenhöhe zu agieren – faktisch jedoch handelt es als Mosaik einzelner Staaten, die jeweils eigene Prioritäten verfolgen.
Zwar reagieren einzelne Länder mit Exportbeschränkungen oder fordern eine höhere lokale Wertschöpfung. Ohne Abstimmung droht jedoch ein regulatorischer Flickenteppich statt einer kohärenten industriellen Gesamtstrategie. „Für die Kapitalmärkte bedeutet diese Fragmentierung einen klaren Nachteil“, so Fischer. „Investoren sehen isolierte Märkte mit politischen Risiken, nicht einen integrierten Wachstumsraum mit Skaleneffekten.“
Ein zentraler strategischer Hebel läge in der konsequenten Umsetzung der African Continental Free Trade Area. Doch ohne politische Kohärenz und gemeinsame Verhandlungslinien bleibt ihr enormes Potenzial weitgehend ungenutzt. „In einer Welt zunehmender Blockbildung“, so Fischer, „ist Einigkeit kein idealistisches Ziel, sondern eine ökonomische Notwendigkeit.“
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