„Zwar hat das Ausmaß der Korrektur die Anleger verunsichert, doch betrachten wir sie eher als einen gesunden Neustart denn als das Ende des strukturellen Bullenmarktes“, meint Nitesh Shah, Leiter für Rohstoff- und Makro-Research für Europa bei WisdomTree, in einem aktuellen Kommentar.
Laut Shah trugen mehrere Faktoren zu dieser Korrektur bei:
- Erstens stellte die Nominierung von Kevin Warsh als nächstem Vorsitzenden der Federal Reserve (Fed) das Vertrauen in die Unabhängigkeit der US-Geldpolitik wieder her. Frühere Befürchtungen, das Weiße Haus würde einen stärker politisch ausgerichteten Chair ernennen, hatten eine erhebliche Risikoprämie bei Gold gestützt. Als diese Befürchtungen nachließen, löste sich ein Teil dieser Prämie auf.
- Zweitens führte der Ausbruch des Konflikts mit dem Iran zunächst zu Verkaufsdruck bei Gold, da das Edelmetall als hochliquide Geldquelle zur Deckung dringender Finanzierungsbedürfnisse genutzt wurde. Obwohl geopolitische Unsicherheit Gold mittelfristig oft stützt, können akute Liquiditätsereignisse vorübergehend den gegenteiligen Effekt haben.
- Drittens schwächte sich die Nachfrage seitens mehrerer neuer struktureller Käufer, die die vorangegangene Rallye angetrieben hatten, spürbar ab. Die Käufe über chinesische und indische börsengehandelte Produkte (ETPs) ließen nach, während die Schätzungen von WisdomTree darauf hindeuten, dass auch der Goldaufbau durch Tether deutlich abgeklungen ist.Durch die kräftige Korrektur haben sich die Anlageargumente für Gold laut Shah grundlegend verändert. Die Bewertungsprämie – die einen Großteil der Rallye von 2025 bis 2026 geprägt hatte – sei weitgehend weggefallen, wodurch sich der Preis wieder auf das Niveau des von WisdomTree geschätzten „Fair Value“ eingependelt hat. Das möge zwar den Spielraum für weitere Kursgewinne, die ausschließlich auf der Begeisterung der Anleger beruhen, einschränken, biete jedoch ein solideres Fundament für die zukünftige Wertentwicklung. Der Experte prognostiziert: „Von nun an dürfte der Ausblick für Gold in erster Linie von makroökonomischen Fundamentaldaten bestimmt werden, insbesondere von der Entwicklung der Inflation, der Zinssätze und des US-Dollar.“






























