„Mein Geld“ im Gespräch mit Gunnar Dittmann, HEH-Gründer und Vorstand, über Disziplin, klare Investmentregeln und Verantwortung gegenüber Anlegern
Sie sprechen oft von Disziplin und Struktur – sind das erlernte Prinzipien oder eher Teil Ihrer Persönlichkeit?
GUNNAR DITTMANN: Ich würde sagen: beides – aber die Wurzeln liegen in der Persönlichkeit. Schon früh habe ich verstanden, dass gute Ergebnisse selten zufällig entstehen, sondern das Produkt sorgfältiger Vorbereitung sind. Der Teufel steckt tatsächlich im Detail – und wer das verinnerlicht hat, entwickelt eine natürliche Aufmerksamkeit für das, was andere vielleicht übersehen. Dazu gehört auch Geduld: Vertrauen in eine Entscheidung zu bewahren, auch wenn der Markt kurzfristig eine andere Sprache spricht. Diese Haltung prägt heute unsere gesamte Unternehmenskultur – von der Strukturierung eines Investments bis zur täglichen Zusammenarbeit im Team.
Gibt es bei Ihnen einen klaren Punkt, an dem Sie sagen: „Dieses Investment machen wir nicht“ – unabhängig von Marktchancen?
GUNNAR DITTMANN: Ja, diesen Punkt gibt es – und er ist für uns nicht verhandelbar. Wir investieren Kapital von Anlegern, die häufig nicht aus der jeweiligen Branche kommen und uns ein erhebliches Maß an Vertrauen entgegenbringen. Daraus erwächst eine Verpflichtung, die über reine Renditechancen weit hinausgeht. Ein Investment muss in einem belastbaren Chancen-Risiko- Verhältnis stehen – für den Anleger, nicht primär für den Initiator. Wenn wir die notwendige Tiefe im jeweiligen Markt nicht selbst mitbringen, holen wir einen erfahrenen Branchenkenner als Partner ins Boot – oder wir lassen es. Eine attraktive Möglichkeit ist noch kein hinreichender Grund.
In der Corona-Krise haben Sie aktiv gesteuert statt reagiert. Was war in dieser Phase Ihre wichtigste Führungsentscheidung – und was hat Sie dabei geleitet?
GUNNAR DITTMANN: Was uns in dieser Phase geleitet hat, war vor allem das Bewusstsein unserer Verantwortung gegenüber den Anlegern – das war der Kompass, der die Richtung für alle Entscheidungen vorgegeben hat. Wir haben das Team sehr frühzeitig und sehr fokussiert auf eine einzige Frage ausgerichtet: Wie schützen und sichern wir das Asset des Anlegers unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen? Dafür haben wir aktiv alternative Nutzungskonzepte entwickelt und geprüft – nicht als Reaktion auf Druck, sondern aus innerer Überzeugung. Die wichtigste Führungsentscheidung war vielleicht gar keine einzelne Maßnahme, sondern die Haltung: Ruhe bewahren, klar denken, handlungsfähig bleiben. Krisen zeigen, ob eine Struktur wirklich trägt – und ich glaube, das hat unsere in dieser Zeit eindrücklich bewiesen.
Die HEH setzt bewusst auf kontrolliertes Wachstum. Gab es Situationen, in denen Sie bewusst auf Wachstum verzichtet haben – und wie schwer fällt eine solche Entscheidung?
GUNNAR DITTMANN: Es gab solche Situationen – und ehrlich gesagt fallen diese Entscheidungen leichter, als man vielleicht vermuten würde. Unser Maßstab ist nicht Wachstum um seiner selbst willen, sondern ausschließlich die Frage: Können wir dieses Investment mit gutem Gewissen vor unseren Anlegern vertreten? Wenn die Rahmenbedingungen das nicht zulassen – sei es strukturell, regulatorisch oder in der Risikobewertung, dann ist ein „Nein“ keine schwere Entscheidung, sondern die logische Konsequenz unseres Selbstverständnisses. Wir sind kein Unternehmen, das aus Eigeninteresse agiert und den Anleger dabei als nachgelagerte Größe behandelt. Das mag uns sicherlich Opportunitäten kosten aber es ist der Grund, warum uns Anleger langfristig ihr Vertrauen schenken.
Wie gehen Sie damit um, wenn der Markt kurzfristig eine andere Logik belohnt als Ihre langfristige Strategie?
GUNNAR DITTMANN: Wir beobachten solche Phasen aber wir lassen uns von ihnen nicht irritieren. Kurzfristige Möglichkeiten sind häufig auf Prämissen gebaut, die noch nicht ausreichend geprüft sind: neue Märkte, neue Modelle, neue Annahmen und damit ein Risikoprofil, das sich erst im Nachhinein vollständig zeigt. Solange wir nicht klar benennen können, welche Risiken ein Engagement mit sich bringt und wie wir diese steuern können, investieren wir keine Zeit in Trends oder Hypes – unabhängig davon, wie laut der Markt gerade applaudiert. Unser Anspruch ist Verlässlichkeit über Marktzyklen hinweg, nicht die Optimierung des nächsten Quartals. Das ist manchmal unbequem – aber es ist das, was unsere Arbeit seit über 20 Jahren ausmacht.
Vielen Dank für das Gespräch.































