Sachwerte / Immobilien

Torschlusspanik beschert Wohnimmobilien vorerst letzten Preisanstieg

Christian Wallin, FIO-Vorstand: „Schon jetzt spricht eigentlich alles gegen steigende Preise“

Preise für Wohnimmobilien gestiegen

Trotz einer Vielzahl an Krisen zeigt sich der Wohnimmobilienmarkt noch immer unbeeindruckt. Laut dem Quartalsbericht VALUE Data Insight Q2 sind die Preise für Wohnimmobilien trotz des unsicheren Marktumfelds deutschlandweit gestiegen.

„Besonders Einfamilienhäuser im Bestand konnten im vergangenen Jahr zulegen. Der Preisanstieg von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag dabei fast so hoch wie im ersten Quartal 2022. Im kommenden Halbjahr dürfte der Trend jedoch vorerst vorbei sein und die Preise voraussichtlich stagnieren“, sagt Christian Wallin, FIO-Vorstand.

Auch Kaufpreisanstieg bei Eigentumswohnungen

Den aktuellen Quartalszahlen der VALUE AG zufolge konnten nicht nur Einfamilienhäuser eine positive Preisentwicklung verzeichnen. Im Segment der Eigentumswohnungen stiegen die Kaufpreise sowohl im Bestand (2,7 Prozent) als auch im Neubau (2,6 Prozent). In den Top-Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München kosteten Bestandswohnungen im zweiten Quartal durchschnittlich 6.130 Euro pro Quadratmeter.

Ähnlich entwickelten sich auch die Preise in den 15 B-Standorten, in denen ein Anstieg der Quadratmeterpreise um 1,5 Prozent auf durchschnittlich 3.650 Euro gemessen wurden. Einzig Neubauwohnungen in Metropolen erzielten nur ein leichtes Plus von 0,2 Prozent.

Auch der seit Jahresbeginn anhaltende positive Trend bei der Mietpreisentwicklung konnte im zweiten Quartal fortgeführt werden. So verzeichneten die Top-Standorte ein Wachstum von 1,5 Prozent, die B-Standorte sogar um 2,2 Prozent. Unter den Metropolen stach dabei besonders Berlin (3,5 Prozent) positiv hervor.

Hohe Instandhaltungskosten drücken Gesamtrendite

„Die aktuelle Entwicklung dürfte einer Art Torschlusspanik geschuldet sein, was sich auch an der Vielzahl an inserierten Wohnungen im Mai ablesen lässt. Schon jetzt spricht eigentlich alles gegen steigende Preise: Ein hoher Ankaufspreis, steigende Instandhaltungs- und Sanierungskosten kombiniert mit dem aktuellen Zinswachstum erschweren die Finanzierung.

Hinzukommen die hohen Heizkosten, welche das Kaufbudget von Selbstnutzern fressen. Könnten diese mittels energetischer Sanierung theoretisch noch gesenkt werden, sorgen die gestiegenen Baukosten jedoch dafür, dass der finanzielle Nutzen solcher Sanierungen abnimmt. Auch für Anleger verliert der Markt an Attraktivität. Dort drücken die hohen Instandhaltungskosten merklich die Gesamtrendite.“, so Christian Wallin weiter.

Markt steht vor großen Veränderungen

Marktexperten gehen davon aus, dass die Käufernachfrage weiter abnehmen wird. Mit Blick auf die Preisentwicklungen lässt sich daraus jedoch nur schwer eine gesicherte Prognose ableiten. Denn auch auf Angebotsseite steht der Markt durch kostspielige Bau- und Sanierungsarbeiten unter Druck.

Entwickeln sich Nachfrage und Angebot bei gleichbleibender Beschäftigungsquote gleichmäßig zurück, dürften sich die Preise zunächst einmal nicht verändern. Dennoch steht der Markt vor großen Veränderungen.

Energetische Beschaffenheit und Lage werden massiv an Gewicht gewinnen

„Im Zuge der aktuellen Herausforderungen sind Megatrends wie ESG und Digitalisierung in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund gerückt. Die momentanen Geschehnisse führen uns jedoch deutlich unsere Versäumnisse in Sachen Energieeffizienz vor Augen und werden den Markt nachhaltig verändern.

Zukünftig ist davon auszugehen, dass fundamentale Werte wie die energetische Beschaffenheit und Lage der Objekte bei der Wertermittlung wieder massiv an Gewicht gewinnen werden. Der Markt wird also deutlich differenzierter, als er es momentan zu sein scheint.“

(FIO)

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