Ein wesentlicher Treiber für die Gesamtrendite des S&P Global Natural Resources USD Index von 29,7 % (MSCI ACWI +22,9 %)[1] war der strukturelle Trend der Deglobalisierung und insbesondere die Verlagerung zu Nearshoring und Autarkie bei wichtigen Rohstoffen. Investitionen in Lieferketten außerhalb Chinas haben zugenommen. Davon profitierte vor allem der Bergbau, darunter Gold, Kupfer, Uran, Lithium, Seltene Erden und Wolfram. Lithium, das in den letzten Jahren unter einem Überangebot litt, schnitt besonders gut ab. Die robuste Nachfrage bei gleichzeitig knapperem Angebot führte zu einem starken Anstieg des Lithiumpreises.
Ein weiterer wichtiger Faktor war die Abwertung des US-Dollars; Anleger reduzierten ihr Exposure in US-Anlagen aufgrund globaler Unsicherheiten, erhöhter Marktvolatilität, Konzentrationsrisiken und der Zollpolitik von Präsident Trump. Angesichts der Neubewertung von Reservewährungen und dem Abbau des Exposures in US-Staatsanleihen durch verschiedene Länder stand der US-Dollar unter Druck. Dies wirkte sich sehr positiv auf Gold und Edelmetalle aus. Insbesondere Gold erlebte ein spektakuläres Jahr, da es sowohl als Rohstoff als auch als monetäres Anlageinstrument fungiert. Wenn es als Wertanlage betrachtet wird – in unsicheren Zeiten, in denen Risikoanlagen längeren Phasen höherer Volatilität ausgesetzt sind –, wird es besonders attraktiv – wie 2025 und aktuell gesehen.
Vergleich des „Superzyklus 2.0“ mit dem von China angeführten Superzyklus der 2000er Jahre
Der Superzyklus zwischen 2000 und 2011 wurde weitgehend von Chinas rascher Industrialisierung und Urbanisierung angetrieben. Beim aktuellen „Superzyklus 2.0“ sind die Nachfragefaktoren, die sich aus der Deglobalisierung ergeben, breiter gefächert, globaler und potenziell langfristiger. Der Wiederaufbau der Lieferketten kritischer Mineralien zur Erleichterung des Übergangs zur Deglobalisierung ist äußerst ressourcenintensiv, zeitaufwendig und kann oft Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Auch der Aufbau von Lieferkapazitäten zur Deckung des künftigen Bedarfs ist sehr kapitalintensiv. Die Investitionsausgaben beispielsweise im Bergbau befinden sich nach wie vor auf einem 30-Jahres-Tief.[2] Es ist eine Phase nachhaltiger Kapitalinvestitionen erforderlich, nicht nur im Rohstoffabbau, sondern auch in der nachgelagerten Lieferkette, d. h. in der Raffinerie-, Verarbeitungs- und Fertigungsinfrastruktur.
Die demografische Entwicklung ist ein weiterer wichtiger Treiber dieses Superzyklus. Während des von China angeführten Rohstoff-Superzyklus führte die Landflucht zu einem beispiellosen Industriebedarf. Anders als im Westen, in Japan und Südkorea, wo niedrige Geburtenraten zu einem langsameren Bevölkerungswachstum führen, wächst die Bevölkerung in Schwellen- und Grenzmärkten – insbesondere in Subsahara-Afrika und Zentralasien. Hinzu kommen eine rasante Urbanisierung und eine wachsende Mittelschicht, die 2025 voraussichtlich erstmals die Vier-Milliarden-Marke überschreiten wird und in den nächsten zehn Jahren um eine weitere Milliarde Menschen wachsen dürfte.[3] Diese Faktoren deuten auf eine über mehrere Jahrzehnte anhaltende, steigende Nachfrage nach wichtigen Rohstoffen hin, insbesondere in den Bereichen Energiebedarf, Wasserversorgung, Baumaterialien für die Infrastruktur sowie Ernährung und Landwirtschaft.
Maßnahmen zur Dekarbonisierung durch Elektrifizierung sind äußerst ressourcenintensiv. Dies macht sie zu einem wichtigen Wachstumsmotor für die Bergbauindustrie sowie für damit verbundene Rohstoffunternehmen. Kupfer ist von entscheidender Bedeutung für die Stromerzeugung, Stromnetze, Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur sowie für Batterien und Speichersysteme. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage nach Metallen wie Lithium, Nickel, Aluminium, Silber, Seltenen Erden und kritischen Mineralien. Solar-, Wind-, Wasser-, Geothermie- und Biomasseenergie gehören zu den wichtigsten alternativen Energiequellen. Die Bedeutung der Dekarbonisierung lässt sich mit dem Argument der Europäischen Kommission zusammenfassen, dass die Energiewende nicht mehr nur eine klimatische Verpflichtung, sondern auch eine strategische und geopolitische Notwendigkeit ist.
Rolle der KI im Rohstoffsektor
Um den explodierenden Bedarf an KI zu decken, sind extrem energieintensive Rechenzentren erforderlich – was wiederum den Bedarf an Investitionen in Strominfrastruktur und zunehmend auch Kernenergie steigert. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Urannachfrage und die Märkte für Kernbrennstoffe.
Aus Sicht von Produktivität, Effizienz und Kosten ist die Rohstoffindustrie ein äußerst datenreicher Sektor – von geologischen Probenahmen und Exploration bis hin zur Aufbereitung und Anlagenoptimierung. Künstliche Intelligenz wird zunehmend eingesetzt, um geologische Daten zu analysieren, die Effizienz der Exploration zu steigern, Sprengtechniken zu optimieren, die Ausbeute zu erhöhen und den Reagenzienverbrauch in Aufbereitungsanlagen zu senken. Diese Anwendungen führen zu einer direkten Steigerung der Produktivität und der Margen. Die Branche ist bekannt für ihren Einsatz neuer Technologien. Künstliche Intelligenz wird zunehmend die betriebliche Effizienz unterstützen und nicht mehr nur als nachgelagerter Treiber der Nachfrage fungieren.
Kurz- und mittelfristige Aussichten des Sektors
Wir stehen gerade vor dem viertgrößten Ereignis für die globalen Ölmärkte der letzten 40 Jahre. Nach Ausbruch des Iran-Konflikts hat sich die Marktstimmung drastisch gewandelt: Von extremer Selbstzufriedenheit zu großer Panik wegen der möglichen Sperrung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Am 9. März stieg der Ölpreis um rund 30 % auf 119,48 US-Dollar pro Barrel (bbl), doch schloss der Markt an diesem Tag mit einem Plus von nur 4 %. In den folgenden zwei Wochen bewegte sich der Ölpreis zwischen 77 US-Dollar/bbl und 102 US-Dollar/bbl und liegt derzeit bei 92 US-Dollar/bbl (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels am 23. März).[4] Die einzigen anderen Schwankungen dieser Größenordnung traten während der Golfkriegs-Invasion 1990–1991, beim Aufschwung nach der globalen Finanzkrise 2008 und beim Aufschwung nach dem Corona-Einbruch 2020 auf.[5] All diese außergewöhnlichen Schwankungen wurden durch unterschiedliche Ereignisse ausgelöst, deuten jedoch darauf hin, dass bei anhaltenden Restriktionen ein Preis von mindestens 150 US-Dollar/bbl wahrscheinlich ist. Zum Vergleich: Der normale Ölpreis dürfte bei etwa 80 US-Dollar/bbl liegen (in einer Spanne von 60 bis 100 US-Dollar/bbl).
Möglichkeiten bei natürlichen Ressourcen
Unserer Ansicht nach dürften strukturelle Themen und das aktuelle makroökonomische Umfeld eher den Bergbau- und Mineraliensektor begünstigen, wo die Chancen für aktive Anleger, Alpha (Ertrag über Benchmark) zu erzielen, unter den derzeitigen Bedingungen deutlich größer sind.
Im Gegensatz dazu weist die Landwirtschaft eher effiziente globale Handelsströme auf, die schwer zu stören sind, da die Produkte weit verbreitet sind und sich tendenziell gut ersetzen lassen. Handelswege werden umgeleitet, alternative Lieferanten treten auf den Plan, und die Preise normalisieren sich schneller als in stärker fragmentierten Sektoren. Stock Picker haben weniger Gelegenheit, auf „Knappheit“ zu setzen oder auf anhaltende regionale Disruptionen zu spekulieren. Lediglich die Rohstoffpreisschwankungen auszunutzen, führt wahrscheinlich nicht zu dauerhaft überdurchschnittlichen Erträgen.
Ausblick Rohstoffsektor
Das aktuelle Umfeld – geprägt von Umstrukturierungen der Lieferketten, dem Ausbau der KI-Infrastruktur, der Energiewende, erhöhten Verteidigungsausgaben aufgrund geopolitischer Unsicherheiten sowie demografischen Rückenwind – wirkt sich unserer Ansicht nach positiv auf den Rohstoffsektor aus. Wir sind der Meinung, dass sich der aktuelle Superzyklus noch in einem frühen Stadium befindet. Da die Investitionen in Infrastruktur, Fertigung und Energie zunehmen, ist mit einem Anstieg des Inflationsdrucks zu rechnen. Rohstoffe profitieren davon, dass sie als Inflationsabsicherung dienen. Eine starke Nachfrage führt in der Regel zu höheren Preisen. Viele Rohstoffe profitieren direkt von einem inflationären Umfeld. Darüber hinaus werden viele Rohstoffaktien im Vergleich zu globalen Aktien nach wie vor zu attraktiven Bewertungen gehandelt.
Quelle: Bloomberg, Analyse von Janus Henderson Investors, Stand: 23. März 2026. Das EV/EBITDA-Verhältnis ist eine Bewertungskennzahl, die sich aus der Division des Unternehmenswerts durch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ergibt. Das EV/EBITDA-Verhältnis dient dazu, den Gesamtwert eines Unternehmens aus der Perspektive eines Käufers zu bewerten, wobei neben dem Aktienkurs auch etwaige Schulden oder der Cashbestand berücksichtigt werden. Die Standardabweichung (SD) misst, wie weit die aktuelle Bewertung vom historischen Durchschnitt abweicht, skaliert nach der typischen Volatilität dieser Bewertung. Ein niedrigerer Wert der Standardabweichung deutet darauf hin, dass die Bewertungen unter ihrem langfristigen Durchschnitt liegen; je höher die SD, desto teurer ist die Bewertung. Die vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Erträge.
Rohstoffaktien haben das Potenzial, attraktive langfristige Erträge zu erzielen, und bieten im Vergleich zu globalen Aktien insgesamt wertvolle Diversifizierungsvorteile. Wir sind der Ansicht, dass ein aktiver Investmentansatz für dieses Umfeld gut geeignet ist, wobei der Fokus auf hochwertigen Rohstoffunternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen liegt, wie beispielsweise erstklassigen Assets, soliden Bilanzen, niedrigen Kosten oder hohen Margen sowie einem sich verbessernden Nachhaltigkeitsprofil.
































