Sachwerte / Immobilien

„Sämtliche Konzepte und Planungen wurden obsolet.“

Mein Geld im Gespräch mit Gunnar Dittmann, Vorstandsvorsitzender der HEH AG, über die derzeitige Situation auf dem Flugzeugmarkt und ihre weitere Entwicklung


Der Flugzeugmarkt ist von der Corona-Pandemie stark betroffen. Wie kommen die HEH-Flugzeugfonds durch die Krise?

GUNNAR DITTMANN: Die Corona-Pandemie hat wirklich alles im Flugzeugmarkt geändert. Eine weltweite Krise in diesem Ausmaß gab es in diesem Segment noch nie und dadurch wurden sämtliche Konzepte und Planungen obsolet. Die Auswir- kungen der Pandemie haben dazu geführt, dass unser Leasingnehmer Flybe in die Insolvenz ging und unser Leasingnehmer Air Nostrum um Leasingratenstundun- gen gebeten hat, die während der Leasinglaufzeit nachgeholt werden. Finnair zahlt die Leasingraten nach wie vor in der vereinbarten Höhe weiter. Nach unserer heutigen Einschätzung wer- den alle unsere Fonds diese schwierige Situation überstehen.

Die Hauptaufgabe des HEH-Assetmanagements bestand seit der Insolvenz des Leasingnehmers Flybe darin, die Flugzeuge erst einmal aus Großbritannien herauszubekommen, um sie überhaupt neu ver- markten zu können. Dafür war eine schnelle und lückenlose Aufbereitung aller Flugzeugdokumente Voraussetzung. Zusätzlich mussten die Flugzeugwartungen sichergestellt werden. Zudem waren lang- wierige Verhandlungen mit den britischen Flughäfen, die Organisation von Überführungsflügen, die Neufinanzierungen der Fondsgesellschaften sowie die Durchsetzung von Ansprüchen gegen den Insolvenzverwalter Flybes erforderlich. All das haben wir schnellstmöglich und erfolgreich umgesetzt.

Kurz vor Weihnachten konnten wir nach langen Verhandlungen den Kaufvertrag für unsere elf HEH Q400-Fondsflugzeuge unterzeichnen. Unser Verkaufsabschluss erfolgte mit einem kanadischen Unternehmen, das die Flugzeuge in Feuerlöschflugzeuge umbauen wird. Die Flugzeuge sollen sukzessive bis Juni dieses Jahres an den Käufer übergeben werden. Mit diesem Verkaufsabschluss haben wir wohl die Nadel im Heuhaufen gefunden. Der Markt für gebrauchte Passagierflugzeuge ist durch die in ihrem Ausmaß historische Luftfahrtkrise in Folge der weltweiten Pandemie stark eingeschränkt. Zeitgleich stehen große Teile der Flugzeugflotten beschäftigungslos am Boden und müssen neu vermarktet werden. Mit Blick auf die weltweite Q400-Flotte von ca. 600 Flugzeugen suchen hiervon derzeit über 100 Flugzeuge eine neue Beschäftigung. Trotz des gedrückten Preisniveaus konnten in den letzten neun Monaten im Gesamtmarkt der Q400 Turbopropflugzeuge nur wenige Neuabschlüsse in den Bereichen Vermietung und Verkauf beobachtet werden.

Der Verkauf der Flugzeuge war nach unserer Einschätzung die wirtschaftlich beste Lösung für die Anleger. Nach Einschätzung unserer technischen Manager und nach unseren Kalkulationen wäre eine längerfris- tige Einlagerung der Flugzeuge bis zu der auch von uns erwarten Markterholung ab 2022 kommerziell und technisch mit erheblichen Risiken verbunden gewesen, die durch einen möglichen Mehrerlös nicht an- nähernd hätte kompensiert werden können. Den Beschlüssen haben unsere Q400-Anleger mit überwäl- tigender Mehrheit von durchschnittlich 99 Prozent zugestimmt.

Wir halten den Verkauf, der den Anlegern Schlussauszahlungen zwischen 20 bis 40 Prozent auf ihr Investment ermöglicht, in dieser Situation für ein gutes Ergebnis. Im Durchschnitt der elf HEH Q400-Flugzeugfonds werden Gesamtauszahlungen von rund 110 Prozent erwartet.

Sicherlich hätten wir gern unsere Q400-Fondsflugzeuge noch mehrere Jahre für unsere Anleger vermietet und gemanagt und dann insgesamt ein besseres Gesamtergebnis erzielt, aber das war in dieser Situation einfach nicht möglich.

Auch unser sicherheitsorientiertes Fondskonzept, das auf einem günstigen Einkauf, einer niedrigen Finanzierung mit schneller Tilgung und der Fähigkeit des HEH Managements basiert, auch in schwierigen Zeiten bestmögliche Lösungen für die Anleger zu finden, wurde unter Beweis gestellt.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung am Flugzeugmarkt ein?

GUNNAR DITTMANN: Wir erwarten, dass der Luftverkehr bis zum Sommer dieses Jahres durch die weiter- hin weltweit starken Reiserestriktionen in Folge der COVID-19-Pandemie stark belastet bleibt. Mit fort- schreitender Impfung der Bevölkerung und saisonaler Abnahme der Infektionsraten sollte jedoch ein deutlicher Aufschwung mit Beginn der Sommerferien erkennbar sein. Entgegen dem Jahr 2020 sollten die weltweiten Impfprogramme dazu führen, dass keine neuen Reisebeschränkungen in diesem Herbst not- wendig werden und dass ab dem Jahr 2022 dann wieder eine gewisse Normalität einkehrt.

Die Markterholung könnte sogar schneller vonstattengehen, als viele es momentan für möglich halten, da doch ein hoher Nachholeffekt der Konsumenten wahrscheinlich ist. Das sollte dazu führen, dass die Flug- gesellschaften weltweit wieder Gewinne erzielen können. Für uns als Emissionshaus von Flugzeugfonds sehen wir durchaus mittelfristig gute Marktchancen, da die Fluggesellschaften durch die Aufnahme von Neudarlehen und Staatshilfen nun eine höhere Verschuldungsquote aufweisen, Liquidität benötigen und auch bereit sein werden, höhere Leasingraten zu akzeptieren. Ferner werden einige Institutionelle Inves- toren, die erst in den letzten Jahren in den Markt der Flugzeugfinanzierung eingestiegen sind, ausschei- den.

Worauf kommt es beim Flugzeug-Asset-Management an?

GUNNAR DITTMANN: Es kommt hauptsächlich auf die Erfahrung und Kompetenz sämtlicher Akteure an. Das kaufmännische Management führen wir selbst durch. Wir verfügen hierbei über die Erfahrung aus der Gründung und Verwaltung von weit über 100 Gesellschaften. Unser gutes Netzwerk hat dazu geführt, dass wir in einem historisch schwierigen Marktumfeld einen Käufer für all unsere elf Q400-Flugzeuge gefunden haben.

Unser technisches Flugzeug-Asset-Management lassen wir von der Fintech durchführen, die die War- tungen aller unserer Flugzeuge vom ersten Tag an begleitet und entsprechende Wartungs- und Inspek- tionsberichte für die Gesellschaften erstellt. Wir hatten deutlich schneller als alle anderen Lessinggeber, die ebenfalls Flugzeuge an Flybe verleast beziehungsweise finanziert hatten, die Dokumentationen zusammengestellt, ohne die Flugzeuge quasi unverkäuflich sind. Dadurch war der Verkauf unserer elf Q400-Flugzeuge überhaupt erst möglich. Wir haben unseren Anlegern damit gezeigt, dass unser Asset Management auch in schwierigen Zeiten performt.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.heh-fonds.de

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