Sachwerte / Immobilien

Europäische Immobilien: Sektorale Unterschiede dürften 2021 fortbestehen

Einige der Haupttrends, die seit Beginn der Krise bestehen, werden auch 2021 anhalten

Jean-Christophe Delfim, Economist - Head of Real Estate Market Research Edmond de Rothschild Asset Management

Laut dem Economic Research Team von Edmond de Rothschild wird die erwartete Erholung der Wirtschaftsaktivität den gewerblichen Immobilienmärkten mehr Unterstützung bieten. 2020 waren die Folgen der Pandemie für die einzelnen Gewerbeimmobiliensektoren in Europa sehr unterschiedlich.

Die Preise für Einzelhandelsimmobilien sind stark gefallen. Dieser Sektor wurde besonders in Mitleidenschaft gezogen. Ende 2020 war noch keine Erholung bei den Preisen für diesen Sektor zu erkennen, ganz im Gegensatz zu den Trends in den anderen Sektoren.

Verlierer und Gewinner

Im Bürosegment, das traditionell am Stärksten vom Konjunkturzyklus abhängig ist, sind die Preise ebenfalls gesunken. Der Industrie- und Logistiksektor hat hingegen von der Krise profitiert und konnte seinen positiven Trend weiter festigen.

Auch die Preise für Mietwohnimmobilien sind 2020 weiter gestiegen. Die Dynamik dürfte in den vier wichtigsten Immobiliensektoren auch künftig sehr unterschiedlich ausfallen.

Die Nachfrage nach Mietwohnimmobilien dürfte solide bleiben, da sich die Bautätigkeit in mehreren Ländern verlangsamt hatte, wodurch Neubauten erst verzögert auf den Markt gekommen sind. Das nahe Umland von Ballungszentren sollte weiterhin großes Potenzial aufweisen und die Nachfrage nach größeren Bauprojekten anhalten.

Preissteigerungen zu erwarten

Generell ist damit zu rechnen, dass die Preise weiter steigen, künftig jedoch mit einer moderateren Wachstumsrate. Auf Länderebene ist insbesondere in Deutschland und den Niederlanden ein starker Anstieg zu erwarten, und auch der britische Markt könnte positiv überraschen.

Die Nachfrage nach Büros und deren Preise dürften mit dem erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung wieder anziehen. Die strukturellen Veränderungen in der Nachfrage, insbesondere aufgrund des breiten Zuwachses bei der Telearbeit seit über einem Jahr und möglicher neuer rechtlicher Regulierungen im Nachgang der Pandemie dürften qualitativ höherwertigen und besser ausgestatteten Immobilien zugutekommen.

Zentrale Lagen dürften weiterhin begehrt sein, doch das größte Preissteigerungspotenzial wird im gut angebundenen städtischen Umland erwartet. Nach wie vor dürfte dieser Anstieg aber im moderaten Bereich liegen. In Großbritannien, der Schweiz und Frankreich dürfte die Situation derzeit günstiger sein als in Deutschland, den Niederlanden oder Italien.

Eintrübung bei Einzelhandel, Aufschwung bei Büros

Nach einem schwierigen Jahr 2020 dürfte das Einzelhandelssegment weiterhin unter Druck stehen, weitere Preisrückgänge erscheinen jedoch unwahrscheinlich. Chancen könnten sich vor allem bei Gewerbeimmobilien ergeben, die in ihrer Anziehungskraft durch Aktivitäten, Infrastruktur und Dienstleistungen punkten, so dass Kunden und Nutzer gerne persönlich dorthin kommen oder deren gewerbliche Pächter selbst diesen Effekt erzielen können. In der Schweiz könnte die Situation etwas besser aussehen.

Der Industrie- und Logistikimmobiliensektor sollte 2021 wieder ein kräftiges Wachstum verzeichnen, wenngleich die Preissteigerungen im Vergleich zum Vorjahr etwas an Dynamik einbüßen könnten. Der gesamte Sektor dürfte vom Aufschwung sowie von dem erklärten Ziel profitieren, wieder eine stärkere Kontrolle über die Liefer- und Vertriebsketten in Europa zu erlangen.

Insbesondere Flächen für Leichtindustrie und städtische Logistikimmobilien dürften weiterhin von der günstigen Entwicklung im Onlinehandel profitieren. Am stärksten dürfte das Wachstum in Deutschland und den Niederlanden ausfallen, während dieser Sektor in Großbritannien für eine gute Überraschung sorgen könnte.
 
(Edmond de Rothschild)

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