Nachhaltigkeit

„Die erste grüne Bundesanleihe wird den Markt ankurbeln“

Caterina Ottavi und Matteo Merlin, Fonds Eurizon - Absolute Green Bonds Fund, sehen in Emissionen starken globalen Entwicklungsimpuls für grüne Anleihen

Matteo Merlin und Caterina Ottavi, Fonds Eurizon - Absolute Green Bonds Fund

Anfang September hat die Bundesrepublik Deutschland die erste grüne Bundesanleihe mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro begeben. Caterina Ottavi und Matteo Merlin, die beiden Manager des 1,5 Milliarden Euro schweren Fonds Eurizon – Absolute Green Bonds Fund, sehen in der Emissionen einen starken Impuls für die Entwicklung des globalen Markts für grüne Anleihen. Kein Wunder also, dass das Duo bei der ersten grünen Bundesanleihe zugegriffen hat.

Matteo, der deutsche Staat hat seine erste grüne Anleihe aufgelegt. Wie wurde das Papier vom Markt aufgenommen?

Matteo Merlin: Der Markt hat die Emission der ersten grünen Bundesanleihe durchaus zu schätzen gewusst. Deutschland hat durch den Verkauf der zehnjährigen Anleihe 6,5 Milliarden Euro eingenommen, wobei die Nachfrage mit 33 Milliarden Euro mehr als fünfmal so hoch war. Gleichzeitig haben wir den Eindruck, dass sich die deutsche Politik stark bei diesem Thema engagiert.

So hat der Finanzminister angekündigt, dass weitere grüne Bundesanleihen über ein Laufzeitenspektrum von zwei bis 30 Jahren ausgegeben und eine grüne Renditekurve geschaffen werden soll. Frankreich, der erste Emittent auf dem grünen Markt Europas, hat derzeit eine Laufzeit.

Diese Botschaft wurde durch den deutschen Wirtschaftsminister bekräftigt. Er forderte einen „historischen Konsens“ von Industrie, Zivilgesellschaft und allen demokratischen Parteien im Parlament und verwies darauf, dass die Verlangsamung der globalen Erwärmung „die Schlüsselaufgabe unserer Generation“ sei.

Wie wichtig ist das Thema für den Markt der grünen Anleihen insgesamt?

Matteo Merlin: Wir denken, dass Deutschland jetzt ein wichtiger Akteur ist und ein häufiger Emittent auf dem Markt für grüne Anleihen sein wird. Die grüne Bundesanleihe könnte andere europäische Staaten mit bereits geäußertem Interesse an grünen Staatsanleihen anspornen, Deutschland zu folgen und den Emissionsprozess zu beschleunigen. Um nur einige zu nennen: Spanien, Italien, Österreich und Dänemark.

Caterina, welche Auswirkungen hatte die Coronavirus-Pandemie bislang auf den Markt für grüne Anleihen?

Caterina Ottavi: Mit Ausbruch der Pandemie hat sich die Emission von grünen und nicht-grünen Anleihen gleichermaßen erheblich verlangsamt. Das lag natürlich auch an dem Einbruch an den globalen Anleihenmärkten.

Nach den massiven Reaktionen der Zentralbanken und Regierungen hatten die Emissionen jedoch schon Ende März wieder ein Niveau erreicht, das dem der ersten beiden Monate des Jahres ähnelte. Dann war auch wieder eine größere Diversifizierung der Emittenten zu beobachten, wobei die ersten Emissionen aus dem Chemiesektor sowie die deutsche und die schwedische Regierung dem Markt Auftrieb gaben.

Matteo, was sind Ihre Schlüsselkriterien bei der Auswahl grüner Anleihen?

Matteo Merlin: Wir halten es für äußerst wichtig, die so genannten Greenwasher zu identifizieren, also Unternehmen, die ein Interesse daran haben, das grüne Label zu missbrauchen. Der Anlageprozess des Eurizon Fund – Absolute Green Bonds basiert auf einer objektiven und subjektiven Analyse. Konkret bedeutet dies, dass wir Wertpapiere in einer kontinuierlichen Bewertung auf einer Skala von „dunkelgrün“ bis „braun“ klassifizieren.

Bei der objektiven Analyse untersuchen wir die finanzierten Projekte und identifizieren die Ansätze mit dem größten Nutzen für die Umwelt. Die subjektive Analyse hingegen konzentriert sich auf das Projektmanagement, die Organisationsstruktur des Emittenten, den ökologischen Fußabdruck, wobei wir der Transparenz und der Qualität der Berichterstattung besondere Aufmerksamkeit schenken.

Caterina, Sie erstellen regelmäßig einen so genannten Impact Report für Ihren Fonds, um die ökologische Wirksamkeit Ihrer Investitionen nachzuweisen. Welche Ergebnisse hat der jüngste Impact Report gezeigt?

Caterina Ottavi: Der Impact Report aus dem Dezember 2019 zeigt, dass die Investitionen des rund 1,5 Milliarden Euro schweren Fonds zur Erzeugung erneuerbarer Energie in Höhe von 156.706 Megawattstunden beigetragen haben. Das entspricht dem durchschnittlichen Energieverbrauch von 56.414 Bürgern in Europa in einem Jahr. Investitionen in nachhaltige Infrastruktur, Immobilien und sauberen Verkehr brachten Einsparungen in Höhe von 19.565 Megawattstunden.

Gleichzeitig konnten wir die klimaschädlichen CO2-Emissionen um 111.554 Tonnen reduzieren, was der CO2-Absorption von 532 Quadratkilometern Wald entspricht. Im Wassersektor wurden dank unserer Investitionen 35.660.525 Liter Wasser eingespart und gereinigt, was mehr als einer Million Duschen entspricht. Schließlich haben Investitionen in die Abfallwirtschaft das Recycling von 4.823 Tonnen Abfallmaterial ermöglicht. Und was die sozialen Auswirkungen betrifft, so wurden insgesamt 103 Arbeitsplätze geschaffen.

Zum Schluss noch folgende Frage, Caterina: Haben Sie die erste grüne Bundesanleihe für Ihren Eurizon – Absolute Green Bonds Fund dann auch gezeichnet?

Caterina Ottavi: Ja, wir haben uns beteiligt und wir werden die Entwicklung des grünen Markts mit Aufmerksamkeit und Interesse verfolgen.

( Eurizon Fund – Absolute Green Bonds)

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