Nachhaltigkeit

Biodiversität: Ein Muss für den Erhalt vieler Industrien

Caroline Le Meaux, Global Head of ESG Research, Engagement and Voting bei Amundi, erläutert, warum die Branchen Bergbau, Metalle, Versorgung sowie Papier- und Forstprodukte große direkte Auswirkungen auf die Biodiversität haben

Biodiversität erhalten

Für einige Sektoren ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt von herausragender Bedeutung. Sowohl für den Bergbau, die Metallgewinnung und -verarbeitung, für Versorgungsunternehmen sowie für Papier und forstwirtschaftliche Erzeugnisse hängen Biodiversität und ihre finanzielle Lage auch kurzfristig eng zusammen.

Die Geschäftsmodelle dieser Branchen haben direkte, eindeutige Auswirkungen auf die lokale Umwelt und umliegende Regionen. Deshalb können ihre Unternehmen mittelfristig nur weiter existieren, wenn sie die Auswirkungen auf die lokale biologische Vielfalt berücksichtigen.

Viele Unternehmen haben bereits eine relativ klare Vorstellung davon, welche ihrer Bereiche oder Tätigkeiten den Artenschutz negativ beeinflussen. Die Gemeinsamkeiten enden aber beim Reporting zur Messung dieser Auswirkungen und beim Fortschritt, Biodiversitätsziele konkret umzusetzen.

Und gerade dies ist für Anleger das A und O, um weiterhin in diese Branchen investieren zu können und zu wollen. Nicht zuletzt deshalb rückt Biodiversität in den Vordergrund speziell dieser Industrien und wird nicht einfach unter „Nachhaltigkeit“ subsumiert.

Papier- und forstwirtschaftliche Produktion erhalten

Die Papierindustrie als Beispiel: Die Branche für Papier und forstwirtschaftliche Produkte bezieht direkt Werte aus der Natur. Insgesamt gilt sie durchaus als fortschrittlich, was das Verständnis für biologische Vielfalt angeht.

Es gibt allerdings geografische Unterschiede innerhalb des Sektors und auch innerhalb der Unternehmen selbst. Firmen, die Wälder sowohl in der nördlichen als auch in der südlichen Hemisphäre bewirtschaften, weisen in Nordamerika oder Europa meist bessere Praktiken als in Afrika oder Südamerika auf.

Das liegt an den Unterschieden in der Gesetzgebung. Bei der Zertifizierung durch den Forest Stewardship Council (FSC) werden beispielsweise die forstwirtschaftlichen Praktiken anhand der lokalen Vorschriften bewertet. Das bedeutet, dass das Engagement für den Schutz der biologischen Vielfalt auch in den Unternehmen selbst drastisch variieren kann.

Erhalt der Artenvielfalt

Verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung im Sinne einer Biodiversitätsstrategie ist eindeutig das wichtigste Thema für die Branche. Dazu gehört auch die Frage, wie sich das Handeln des jeweiligen Unternehmens – zusätzlich zu einer verantwortungsvollen Forstwirtschaft – auf den Verlust der biologischen Vielfalt und den Klimawandel auswirkt, zum Beispiel durch Verschmutzung oder den Wasserverbrauch. Noch fehlt es an Kommunikation über das Biodiversitätsmanagement.

Der Sektor ist auf den Erhalt der Artenvielfalt angewiesen, wenn er weiterhin seine eigenen Flächen bewirtschaften will. Die Vorteile für die Firmen liegen in der guten Qualität der Rohstoffe – in diesem Fall Holz und Fasern – und in der Aufrechterhaltung des Holzertrags.

Die Qualität der Umweltleistungen, die Bäume erbringen, wie Wasser- und Luftfilterung und Sauerstoffproduktion, wird durch invasive Arten stark beeinträchtigt. Diese müssen kontrolliert werden. Durch den Klimawandel können Arten verschwinden oder sich vermehren, was sich jeweils negativ auswirkt.

Investoren brauchen endlich weltweite Standards

Unternehmen wenden diverse Praktiken an, um die Auswirkungen auf die lokale biologische Vielfalt zu bewältigen, z. B. indem sie diese auf den bewirtschafteten Flächen messen und überwachen, immer mehr auf den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln verzichten, die FSC-Zertifizierung (Forest Stewardship Council) anstreben und einen großen Prozentsatz der bewirtschafteten Flächen als geschützte, natürliche Gebiete bewahren. Nur so können sie ihre Geschäftsmodelle weiter erhalten.

Einige Einkäufer schreiben eine spezielle Politik für die Waldbewirtschaftung vor, die die Lieferanten einhalten müssen. Darüber hinaus lässt sich eine steigende Zahl von Unternehmen beobachten, die eine positive Nettoauswirkung auf die biologische Vielfalt anstreben.

Einige engagieren sich, bestimmte Arten wiederherzustellen und sich in Zusammenarbeit mit Dritten, z. B. lokalen Universitäten, für den Artenschutz einzusetzen.

Doch das reicht nicht. Die Methoden und Instrumente für das direkte Management der biologischen Vielfalt müssen weiter präzisiert werden. Darüber hinaus würden einheitliche Indikatoren (KPIs) dazu beitragen, die jeweils besten Standards zu erkennen und weltweit anzugleichen.

Klarere Reporting-Standards werden dazu beitragen, dass alle Unternehmen die gleichen Anforderungen erfüllen, z. B. auch die Rückverfolgung von Lieferketten. Nicht zuletzt wirken sich systemische Risiken für die Forstwirtschaft, wie Waldbrände, invasive Arten und Landnutzungsänderungen, auf alle Unternehmen aus.

Eine weitere Zusammenarbeit bei den Standards wird den Unternehmen also nutzen, da sie sich gemeinsam mit den Auswirkungen befassen, die sie nur gemeinsam in den Griff bekommen können. Und es hilft den Investoren bei der Bewertung potenzieller Investments und beim Portfoliomanagement.

Auch wenn das Bewusstsein für Biodiversität in den Sektoren Metallindustrie und Bergbau, Versorgungsunternehmen sowie Papier und forstwirtschaftliche Erzeugnisse bei den meisten Unternehmen relativ weit entwickelt ist, gibt es noch viel zu tun.

Wir müssen Standards anheben, einschließlich der Messung, des Managements und des Reportings zu Risiken, Auswirkungen, Abhängigkeiten und Chancen der Biodiversität.

(Amundi Research / Manuela Blisse / surpress)

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