Investmentfonds

„Wir haben die Weichen längst gestellt“

Achim Küssner sieht sein Haus für die Zukunft gut aufgestellt. Im Gespräch mit Mein Geld erklärt der Leiter der German Branch von Schroders Investment Management warum.

Achim Küssner, Leiter der German Branch von Schroders Investment Management

Herr Küssner, weltweit steht die Asset Management-Branche vor großen Herausforderungen. Die einen suchen ihr Glück in der Fusion, die anderen in der Spezialisierung und wieder andere in der Kosten- führerschaft oder im Personlabbau. Welchen Weg geht Ihr Haus?

ACHIM KÜSSNER: Unseren Weg haben wir bereits vor einigen Jahren neuausgerichtet. Denn die Heraus- forderungen von heute waren gestern bereits bekannt. Im Grunde ist es ganz einfach: In der Vermögens- verwaltung werden solche Unternehmen gut fahren, denen es gelingt, die Bedürfnisse ihrer Kunden dauerhaft gut zu befriedigen. Allerdings sind diese Bedürfnisse nicht einheitlich, sondern je nach Anleger oder Anlegergruppen verschieden. Hinzu kommt, dass die Welt sich permanent verändert und neue Lösungen erforderlich macht. Wir haben uns daher entschieden, ein diversifiziertes Geschäftsmodell mit differenzierten Anlagestrategien umzusetzen. Das bedeutet konsequenten Kompetenzaufbau über verschiedene Assetklassen hinweg.

Wo steht Schroders auf diesem Weg? Ist das Ziel schon in Sicht?

ACHIM KÜSSNER: Von liquiden alternativen Investments über Multi Asset bis hin zu Private Assets hat unser Haus insgesamt zehn Kompetenzfelder definiert, auf denen wir unseren Kunden einen nachweis- baren Mehrwert bieten wollen. In vielen Bereichen sind wir bereits sehr weit vorangekommen.
Nehmen Sie zum Beispiel Private Assets. Als alternative Renditequelle können diese ein Anlageportfolio gut diversifizieren und für Stabilität im Portfolio sorgen. Private Assets sind allerdings in der Regel nicht an der Börse gelistet und können nicht öffentlich gehandelt werden. Sie verlangen daher von Vermögensver- waltern spezialisierte Kompetenzen und einen bevorzugten Marktzugang. Mit der Übernahme von Adveq im April 2017 konnten wir unser diesbezügliches Know-how weiter verbessern. Das auf Lösungen im Private Equity Bereich spezialisierte Unternehmen war eine ideale Ergänzung. Wir haben die Weichen also rechtzeitig gestellt. Denn gerade Private Assets zählen zu einem der wichtigsten Geschäftsfelder unseres Hauses. Heute tragen sie in beträchtlichem Umfang zu unseren gesamten Assets under Management bei.

 

Schroders, Standort München

Spielen Zukäufe auch an anderer Stelle eine Rolle?

ACHIM KÜSSNER: Zukäufe sind eine gute Möglichkeit, bereits bestehende Expertise durch besonderes Know-how etwa bei Märkten oder spezialisiertenSegmenten zielgerichtet zu ergän- zen. Das haben wir zum Beispiel auch mit Blick auf die Asset- klasse Immobilien getan. So haben wir etwa erst im Juli eine Mehrheitsbeteiligung am asiatischen Immobilieninvestor Pam- fleet vorgenommen. Das Unternehmen hat Niederlassungen in Hongkong, Shanghai und Singapur. Damit erhalten wir zusätz- liche Branchenkenntnis und geographische Präsenz in einigen der größten und am schnellsten wachsenden Immobilienmärk- ten Asiens. Bereits im vergangenen Jahr haben wir zudem die Immobilien Boutique Blue Asset Management mit Sitz in München übernommen. Die Gesellschaft verfügt über ein diversifiziertes 1,2 Milliarden Euro schweres Anlageportfolio aus Gewerbe- und Wohnimmobilien mit Schwerpunkt in Deutsch- land, Österreich und der Schweiz. Für weitere Zukäufe sind wir immer offen, wenn diese unsere strategischen Kompetenzfelder weiter stärken können.

Und wie schaut es bei Ihnen mit dem Zukunftsthema Nachhaltigkeit aus?

ACHIM KÜSSNER: Unabhängig von aktuellen und sehr wichtigen Fragen wie zum Beispiel der CO2-Reduktion oder den Entwicklungszielen der UN (SDG) ist das Thema für unser Haus von grundsätzlicher Bedeutung. Indem wir uns auf Nachhaltigkeit fokussieren, können wir diejenigen Unternehmen iden- tifizieren, die durch zukunftsfähige Strategien langfristig die besten Wachstumsaussichten und Wertstei- gerungspotenziale besitzen. Wir glauben also, dass die sogenannten ESG-Kriterien einen positiven Einfluss auf die Kapitalanlage haben und daher systematisch berücksichtigt werden sollten.

Bereits 2007 haben wir daher die Principles for Responsible Investment (PRI) unterzeichnet und im gleichen Jahr unsere erste Aktienstrategie zum Thema Klimawandel an den Markt gebracht. Wir haben also auch hier frühzeitig begonnen und uns in den vergangenen 13 Jahren eine fundierte Expertise aufbauen können. Etwa im Bereich nachhaltiger Unternehmensanleihen. Vor knapp einem Jahr konnten wir mit Saida Eggerstedt als Head of Sustainable Credit eine ausgewiesene Expertin für dieses Thema gewinnen. Seit einem halben Jahr managt sie unseren Sustainable Euro Credit Fonds. Dieser setzt unter Anwendung verschiedener Nachhaltigkeitskriterien vornehmlich auf Unternehmensanleihen unter- schiedlicher Kreditqualität, die in Euro begeben oder abgesichert sind. Saida Eggerstedt sitzt übrigens
bei uns im Frankfurter Büro.

 

Dort hat sich den vergangenen Jahren ja einiges getan.

ACHIM KÜSSNER: Das kann man wohl so sagen. In den vergangenen Jahren hat der Standort Frankfurt eine tolle Entwicklung genommen. Als ich 2007 die Leitung übernahm, saßen wir mit einigen, wenigen Mitarbeitern hier und verwalteten für Schroders ein Vermögen von über einer Milliarde Euro. Heute arbeiten 80 Experten an den Standorten Frankfurt und München und unser verwaltetes Vermögen beläuft sich auf über 24 Milliarden Euro. Allein im vergangenen Jahr konnten wir zwei Milliarden Euro Nettoneu- geschäft sichern. Die von uns betreuten Kunden finden sich jeweils zur Hälfte im Bereich der institu- tionellen und intermediären Investoren. Das verwaltete Vermögen entfällt jeweils zu einem Drittel auf Aktien, Renten und Alternative Anlagen. Zudem konnten wir 2017 die Betreuung der Regionen Zentral- und Osteuropa sowie der Mittelmeerregion an unseren Standort holen. Und im vergangenen Jahr haben wir das aktive Portfoliomanagement in Frankfurt auf- und ausgebaut.

Frankfurt ist also mehr als ein Vertriebsstandort?

ACHIM KÜSSNER: Seitdem wir im vergangenen Jahr die Portfoliomanagement- Lizenz von den zuständigen Aufsichtsbehörden erhalten haben, können wir hier auch Fonds verwalten. Und das tun wir bereits. Zum Beispiel im Bereich Multi Asset. Hier ist inzwischen Ingmar Przewlocka zu uns gestoßen. Bis vor einem Jahr war Przewlocka noch im Londoner Multi Asset-Team von Schroders tätig. Nun bildet er zusammen mit Philippe Bertschi, der zuvor in der Zürich Schroders Dependance gearbeitet hat, das Frankfurter Multi Asset-Team. Dieses Projekt markierte den Start unseres Portfoliomanagements in Deutschland. Inzwischen wird auch der eben bereits erwähnte Sustainable Euro Credit Fonds von Saida Eggerstedt in Frankfurt verwaltet. Und weitere werden folgen. In Kürze schon werden wir hierzu interessante Nachrichten verkünden können.

 

Schroders, Standort Frankfurt

Ein Wort noch zum Geschäft mit Zentral- und Osteuropa, das seit 2017 von Frankfurt aus geführt wird. Wie ist die Entwicklung dort?

ACHIM KÜSSNER: Die Erschließung der süd- und osteuropäischen Regionen ist eine der größten Wachstumsinitiativen von Schroders. Insofern haben wir uns natürlich über das Vertrauen in unseren Standort gefreut. Mir persönlich liegt das Thema sehr am Herzen. Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich hier am Ball. Mit Alexander Prawitz haben wir zudem einen versierten Mann an Bord, der das Geschäft in den vergangenen zweieinhalb Jahren gut vorangebracht hat. Wir sind zuversichtlich, dass dies trotz der Auswirkungen der Corona-Krise so bleibt.

 

 

Apropos Corona-Krise: Wird diese Ihre Planungen für 2020 durcheinanderbringen? Und was haben Sie sich für die kommenden Monate noch vorgenommen?

ACHIM KÜSSNER: Erstes Ziel ist es, unser breit diversifiziertes Geschäftsmodell mit Expertise und personeller Qualität zu untermauern. Im Gegensatz zu anderen Häusern stemmen wir die dafür not- wendigen Investitionen. Wir haben in den vergangenen Monaten bereits eine Reihe von Neueinstel- lungen bekannt gegeben. Erst im Juli haben wir mit Moritz Jonas einen hervorragenden Experten für die Betreuung institutioneller Kunden gewonnen. Mit dieser personellen Erweiterung stärkt Schroders nicht nur seinen Vertrieb und die Qualität der zielgruppenspezifischen Beratung am Standort Frankfurt a. M. Wir tragen damit auch den wachsenden wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen Rechnung, vor denen institutionelle Kunden stehen.

Auch in den kommenden Monaten werden wir weitere Personalien bekannt geben können. Darüber hinaus stehen wir kurz vor der Einführung eines neuen, lokalen Produkts, das ausschließlich für den deutschen Markt konzipiert worden ist. Einzelheiten dazu können wir schon in Kürze vermelden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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