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Plastikrecycling: Ein lohnender Kreislauf auch für Anleger

von Charlie Thomas, Head of Strategy, Environmental and Sustainability bei Jupiter AM

manfredrichter / Pixabay

Plastik- bzw. Kunststoffrecycling ist kein neues Phänomen. Welche Auswirkungen die Umweltverschmutzung durch Plastik hat, ist den meisten Menschen mittlerweile bewusst. Im Mittelpunkt dieses Wandels steht die Erkenntnis, dass sich die Schadstoffbelastung durch Kunststoffe auch negativ auf die öffentliche Gesundheit auswirkt. Das motiviert besonders stark zum Handeln, wie am Automobilsektor zu sehen ist.

Von der Entwicklung biologisch abbaubarer Kunststoffe bis hin zu Unternehmen, die sich auf Recyclingtechnologien für diesen Kunststoff konzentrieren: Die Wirtschaft war der öffentlichen Wahrnehmung voraus. Sie erkannte schneller, dass es notwendig ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Das gilt insbesondere für Großbritannien. Dort wurde ein öffentlicher Wendepunkt erst erreicht, als die Dokumentationsreihe Blue Planet II veröffentlicht wurde. Diese zeigt die verheerenden Auswirkungen von Plastikmüll auf die Weltmeere. Außerdem erregte die oft zitierte Schätzung, es würde ab 2050 mehr Plastik als Fische in den Ozeanen geben, große Aufmerksamkeit. Seither übt die Öffentlichkeit Druck auf ihre politischen Entscheidungsträger aus, endlich zu handeln.

Koordinierung gesucht

Obwohl jede Initiative zu begrüßen ist, damit Kunststoffabfälle reduziert werden, zeigt sich, dass es noch einiges zu tun gibt bis eine koordinierte, internationale Strategie steht. Zurzeit verfolgt noch jedes Land seinen eigenen Problemlösungsansatz – analog zum Ozonloch oder Strategien rund um den Klimawandel. Wir sind noch nicht an diesem Punkt, aber es ist zumindest nicht mehr unvorstellbar. Auf globaler Ebene bilden zumindest die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung ein gemeinsames Ziel, nämlich die Abfallvermeidung und den Schutz der natürlichen Umwelt.

Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es nationaler Maßnahmenpläne – und zwar besonders dort, wo es am dringendsten notwendig ist. Schätzungsweise 80 Prozent der Kunststoffe werden von Asien aus in die Ozeane geleitet. Abfälle werden aber weltweit gehandelt und allein China importiert etwa die Hälfte der weltweiten Kunststoffabfälle. Die jüngste Konsolidierung der verschiedenen Umweltministerien Chinas in ein Umweltministerium dürfte, im Rahmen des vor einem Jahrzehnt eingeführten Förderungsgesetzes für Kreislaufwirtschaft, eine neue Welle an Initiativen ins Rollen bringen.

Mit seiner Ankündigung, ein Pfandrückgabesystem für Plastikflaschen einzuführen, ist Großbritannien zweifellos spät dran. Mehrere nordeuropäische Länder, und natürlich Deutschland, verfügen bereits seit vielen Jahren über ein solches System. Doch die Dynamik in Europa nimmt erkennbar zu. Wir erwarten, dass in Frankreich, Spanien und Italien in Kürze ähnliche Initiativen zur Bekämpfung von Kunststoffverschmutzung eingeleitet werden.

Ökonomisch argumentieren

Die Dynamik im Bereich Kunststoffrecycling und -wiederverwendung kann nur dann weiter anziehen, wenn Regierungen auf der ganzen Welt auch ökonomisch argumentieren. Es kann ziemlich ernüchternd sein zu hören, dass 95 Prozent aller Plastikverpackungen nur einmal verwendet werden. Dies entspricht etwa 80-120 Milliarden britische Pfund pro Jahr, die dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden. Außerdem kann recyceln auch einen sehr positiven sozialen Nutzen haben. Zum Beispiel ist in Ländern mit einem Rücknahmesystem für Plastikpfand die Abfallquote um 50-60 Prozent gesunken. Die damit verbundenen Kosten für die öffentliche Gesundheit sind ein weiteres Argument, das Wirkung zeigt. Eine Studie der State University of New York ergab, dass die abgefüllten Trinkwasserflaschen von fast allen großen Marken Kunststoffpartikel enthalten. Der Bericht wurde in den Medien viel beachtet und hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranlasst, sich mit den langfristigen Auswirkungen der Einnahme von Mikrokunststoffen auf den menschlichen Körper zu beschäftigen.

Wenn all diese Faktoren zusammenkommen, wird sich das positiv auf die Dynamik im Bereich Recycling und Wiederverwendung von Plastik auswirken. Noch nicht berücksichtigt sind dabei Innovationen, um Kunststoffe komplett zu ersetzen.

Für manche geschieht dies keinen Moment zu früh. Die Kunststoffproduktion ist in den letzten 50 Jahren von 15 Mio. Tonnen im Jahr 1964 auf 311 Mio. Tonnen im Jahr 2014 gestiegen und wird sich vermutlich innerhalb der nächsten 20 Jahren erneut verdoppeln. In der Recyclingbranche sind solche Unternehmen im Vorteil, die vom „Erwachen“ aus dem Plastikalbtraum ihren Nutzen ziehen. Ein Beispiel ist Tomra Systems, die wir schon halten, seit ich das Portfolio verwalte. Das norwegische Unternehmen ist weltweit führend was Technologie von Rücknahmeautomaten (RVM) angeht und hat einen Marktanteil von 75 Prozent an den weltweiten Flaschenpfandsystemen. Das Unternehmen dürfte insofern von der Einführung des Pfandsystems in Großbritannien profitieren. Obwohl neu in Großbritannien, wird die RVM-Technologie von uns als ausgereift angesehen. Das Unternehmen genießt im Moment das „Ersatzzyklus“-Geschäft in Deutschland. Hier wird die erste Generation der RVMs ersetzt, die vor 12-15 Jahren installiert wurden.

Neue Innovatoren: Kunststoff ersetzen

Unsere Erfahrung mit nachhaltigen Anlagethemen lehrt uns, dass sich die Zahl der investierbaren Unternehmen die an Alternativen zu Kunststoffen arbeiten, langfristig erhöhen wird. Derzeit sind wir in das Unternehmen Lenzing investiert. Ursprünglich war Lenzing ein österreichisches Papier- und Zellstoffunternehmen, das heute aber besser bekannt ist für seine Textilmarke Tencel® aus Altholz und Baumwollresten – eine echte Alternative zu Chemiefasern wie Nylon und Polyester. Das Material ist weltweit im Bekleidungseinzelhandel anzutreffen, weil es weniger wasserintensiv im Vergleich zu herkömmlichen Baumwollstoffen ist.

Fazit

Wir befinden uns in einer kritischen Phase, was die Umweltverschmutzung durch Plastik angeht. Das Problem ist vielschichtig und erfordert konzertiertes Handeln. Aus den Herausforderungen können sich allerdings auch Chancen ergeben und viele Unternehmen, die schon heute Lösungen anbieten, könnten auch in Zukunft zu den Gewinnern zählen.

 

(Jupiter AM)

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