Investmentfonds

„Patente sind ein enormer Datenschatz“

Kann man Innovationskraft messen? Ja, meint Lucas von Reuss, Gründer und Geschäftsführer von Quant IP. Die Investmentboutique setzt bei der Aktienauswahl allein auf dieses Kriterium und nutzt dabei Patentdaten und clevere Algorithmen – bisher mit großem Erfolg. Mein Geld sprach mit Lucas von Reuss über dieses außergewöhnliche Investmentkonzept

Sie nutzen für die Aktienauswahl Patentdaten. Warum?

LUCAS VON REUSS: Patentdaten bieten einen enormen Datenschatz für Investoren. Sie können helfen, Technologie-Trends zu erkennen, Innovationsführer zu finden und damit bessere Anlageentscheidungen zu treffen. Die Bedeutung von Patenten nimmt seit Jahren zu – in Branchen wie Pharma und Biotech sowieso, aber eben auch in Softwareanwendungen.

Kann man den Mehrwert, den Patentdaten liefern, beziffern?

LUCAS VON REUSS: Sicher. Schon der einfache Ansatz, in Unternehmen mit vielen erteilten Patenten zu investieren, liefert erheblichen Mehrwert. Unsere Studie, in Kollaboration mit dem renommierten
US-Asset Manager O’Shaughnessy Asset Management entstanden, kommt zum Ergebnis:
Patentstarke Unternehmen liefern Investoren konstant bessere Renditen. In fast jedem betrachteten Zeit- raum ab drei Jahren schlug ein einfaches, gleichgewichtetes Portfolio der Innovationsführer den Markt – seit 1990. Unsere Backtests zeigen eine Outperformance von rund drei Prozent pro Jahr gegenüber herkömmlichen Börsenindizes.

Und wie setzt man solche Erkenntnisse in der Praxis um?

LUCAS VON REUSS: Im Quant IP Global Innovation Leaders Fund setzen wir die Erkenntnisse aus der Studie fort und in einem weltweit anlegenden Aktienfonds um. Unter Verwendung von patentbasierten Maßzahlen haben wir eine eigene Kennzahl entwickelt, den Quant IP Innovation Score. Unser Indikator zeigt an, wie attraktiv eine Aktie, gemessen an der relativen Innovationskraft, ist und berücksichtigt dabei auch die für Anleger wichtige Frage: Wie teuer oder günstig kann ich diese Innovationskraft des Unter- nehmens einkaufen?

Mit festen Regeln den Markt regelmäßig schlagen – das versuchen viele. Warum funktioniert Ihr Ansatz und warum sollte er weiter funktionieren?

LUCAS VON REUSS: Im Vergleich zu den meisten alternativen Datenquellen sind Patente ein weit nach vorne in die Zukunft gerichteter Indikator. Die Patente von heute sind die Umsätze und Gewinne von übermorgen. Dazu kommt: Patente wurden bisher kaum von Investoren systematisch als alternative Datenquelle genutzt. Genau diese Informationsineffizienzen lassen sich ausnutzen. Unsere Backtests zeigen, dass sich Innovationskraft als unabhängiger und eigener Investmentfaktor betrachten lässt.

Welche Schwerpunkte hat ein solches Portfolio aus patentstarken Aktien?

LUCAS VON REUSS: Die Branchenschwerpunkte liegen in den Sektoren Pharma und Technologie.
Dazu kommen Branchen wie Automobilbau, Maschinenbau, Chemie und die Nahrungsmittelbranche. Mangelnde Innovationskraft schließt dagegen Banken, Ölgesellschaften und die Immobilienbranche aus. Viele unserer Investments kommen aus Japan, einem Land, das immer noch sehr innovativ ist, auch wenn nicht so sehr in den Schlagzeilen.

Und wie sieht es mit deutschen Aktien aus? Waren Sie in Wirecard investiert?

LUCAS VON REUSS: Nein, aber das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wertvoll Patentdaten sein können:
Bei 25 Milliarden Euro Börsenwert hatte der selbsternannte Technologiekonzern Wirecard gerade einmal ein Patent angemeldet. Damit war die Aktie nie ein Thema für den Fonds. Auch hier lagen die Aussagen des Managements und die Realität offensichtlich weit auseinander.

Ihr Fonds ist erst zwölf Monate alt. Trotzdem, welches Fazit kann man ziehen?

LUCAS VON REUSS: Der Fonds hat in den ersten zwölf Monaten knapp neun Prozent erwirtschaftet und den MSCI World um 4,5 Prozentpunkte geschlagen. Nimmt man den Zeitpunkt, zu dem er zum ersten Mal voll investiert war, sind es sogar über sieben Prozent Outperformance. Das Portfolio hat sich dabei genauso verhalten wie in den Backtests. Wir haben sowohl im Corona-Crash als auch in der Erholung den Index geschlagen.

Und wie ist das Portfolio für die kommenden Monate ausgerichtet?

LUCAS VON REUSS: Der Branchenmix aus defensiven Pharmawerten, offensiven Tech-Titeln und einigen ausgebombten Value-Werten ist meines Erachtens ein aussichtsreicher Mix für die kommenden Monate, die ja weiter von Unsicherheit geprägt sein werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.quant-ip.com

DER FONDS

Der Quant IP Global Innovation Leaders Fund ist ein globaler Aktienfonds, der regelbasiert in besonders Innovations- starke Unternehmen investiert. In Frage kommen ausschließlich Branchen, in denen Forschung & Entwicklung sowie Patente eine große Rolle spielen.

Den Schwerpunkt bilden dabei die Sektoren Technologie und Gesundheit. Bei der Aktienauswahl setzt Quant IP ausschließlich auf den eigens entwickelten Quant IP Innovation Score. Dieser Score (von 0 bis 100) beinhaltet einerseits die relative Innovationskraft von Unternehmen in einer Branche und andererseits den Preis, den Investoren für diese Innovationskraft bezahlen müssen. So zeigt der Score in einer Kennzahl an, wie attraktiv eine Aktie aus Innovationssicht ist. Im Fonds werden die jeweiligen Innovationsführer einer Branche gleich gewichtet. Das Rebalancing erfolgt alle drei Monate.

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