Investmentfonds

Nachhaltigkeit als Wachstumsmotor für die ETF-Industrie?

Die europäische ETF-Industrie ist ständig dabei neue Produktideen zu suchen und diese dann in Form von neuen Anlageinstrumenten in den Markt zu bringen.

Die Suche nach wirklich neuen Ideen wird dabei immer schwieriger, da es in der Investmentlandschaft, gerade im Bereich der Aktienmärkte, nur noch sehr wenige Segmente gibt, die noch nicht abgedeckt sind. Einer der Bereiche die bisher nur sehr zurückhaltend von der europäischen ETF-Industrie bearbeitet wurden, ist das Segment der nachhaltigen Kapitalanlage. Dies hatte gute Gründe. Zum einen ist die Definition was eine nachhaltige Kapitalanlage ist sehr individuell, wodurch die Nachfrage nach entsprechenden Produkten nur bedingt mit einem breit aufgestellten Fonds abgedeckt werden kann. Zum anderen waren viele der angesetzten Auswahlkriterien, aufgrund von fehlenden oder schlechten Daten, nur schwer objektiv analysierbar.

ESG-Kriterien auf dem Vormarsch

Doch glaubt man den Bekundungen der Anleger und Produktanbieter, wird die Einhaltung von nachhaltigen Kriterien bei der Auswahl von Investitionsobjekten immer wichtiger. Konkret bedeutet dies, das die Anleger genauer hinschauen in welche Unternehmen ihr Geld investiert wird und wie diese sich bezüglich ökologischer (E), sozialer (S) und verantwortungsbewusster Werte in der Unternehmensführung (G) -engl. ESG = Environmental, Social, Governance- verhalten. Auch wenn dieser Trend sich noch nicht vollständig in den Mittelbewegungen auf Fondsebene widerspiegelt, ist er trotzdem vorhanden, denn gerade institutionelle Investoren, die größte Anlegergruppe in diesem Segment,  nutzen für die Verwaltung ihres Geldes häufig keine Publikumsfonds, sondern in der Regel Spezialprodukte, die nicht in den gängigen Statistiken enthalten sind.

Um von diesem Trend in Richtung der nachhaltigen Geldanlage zu profitieren, könnte die europäische ETF-Industrie entsprechende Anlagestrategien in die derzeit ebenfalls stark nachgefragten faktorbasierten Produkte, die sogenannten Smart-Beta-Strategien, integrieren. Denn bei diesen Produkten geht es darum, das durch die Ausnutzung eines Faktors, wie zum Beispiel der Werthaltigkeit eines Unternehmens (Quality), oder dessen Bewertung (Value), langfristig ein Mehrertrag im Vergleich zu dem entsprechenden breiten Marktindex erzielt werden soll. Das es diese Faktoren beziehungsweise Werttreiber wirklich gibt, wurde durch diverse wissenschaftliche Studien bestätigt.

Auch im Bereich der nachhaltigen Investitionen konnten wissenschaftliche Studien den positiven Beitrag einzelner Faktoren, wie zum Beispiel der verantwortungsbewussten Unternehmensführung nachweisen und so gilt eine gute Governance heute als Ausgangsbasis für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Ebenso verringert die Einhaltung von Sicherheitsstandards und Arbeitsgesetzen das Reputationsrisiko eines Unternehmens und schützt so die Aktionäre vor Kursverlusten aufgrund von Skandalen und/oder Gerichtsverfahren. Auch im Bereich der Ökologie gibt es solche Faktoren, so kann aufgrund der gestiegenen Anforderungen hinsichtlich des CO2-Austosses mittlerweile relativ genau bestimmt werden, welche Unternehmen in ihrem Industriesektor am effizientesten hinsichtlich ihres CO2-Austosses sind und somit zukünfitg aufgrund der steigenden Kosten für CO2-Emissionen einen Wettbewerbsvorteil haben werden. Auch lassen sich in vielen Industriesektoren mittlerweile der Ressourcenverbrauch und die Recyclingquoten recht genau bestimmen, wodurch auch hier Wettbewerbsvorteile erkannt werden können. In diesem Sinne könnte die ETF-Industrie genau diese Faktoren auch in spezielle Produkte integrieren und Investoren so ermöglichen, diese Werttreiber entweder einzeln oder als ESG-Kombination gezielt in ihrem Portfolio zu nutzen.

Ebenso können diese sogenannten nicht-finanziellen Kriterien mit den bekannten Faktoren aus der Finanz- und Marktanalyse kombiniert werden, um so weitere erfolgversprechende Lösungen zu kreiren, die es den Anlegern ermöglichen sollen den Gesamtmarkt  mit einem nachhaltigem Ansatz zu übertreffen.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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