Investmentfonds

LSEG Lipper schlägt bei den Fund Awards Europe ein neues Kapitel auf!

Die meisten Marktbeobachter unterteilen die europäische Fondsindustrie nach wie vor in Investmentfonds und ETFs und setzen dies gleich mit aktiv beziehungsweise passiv gemanagten Produkten. Hierbei wird oft vergessen, dass indexnachbildende Investmentfonds bereits seit Jahrzehnten existieren. Seit der Auflage der ersten aktiv gemanagten ETFs ist diese Marktdefinition noch weiter von der Realität der heutigen Fondsindustrie entfernt als zuvor.

Private und professionelle Investoren haben in den letzten Jahren die hohe Liquidität/ gute Handelbarkeit sowie die transparente Preisfeststellung von ETFs schätzen gelernt. Bei privaten Investoren lässt sich dies an der steigenden Zahl von Kunden bei den sogenannten Neobrokern ablesen. Da diese Plattformen fast ausschließlich ETFs nutzen, sind diese Investoren aus der Sicht der Fondsindustrie mit klassischen Investmentfonds kaum noch zu erreichen. Bei den institutionellen Investoren sowie professionellen Portfoliomanagern läßt sich dieser Trend an den hohen Mittelzuflüssen in ETFs ablesen.

Gerade im Bereich der institutionellen beziehungsweise professionellen Anleger dürfte sich dieser Trend durch den zunehmenden Einsatz von modernen Technologien noch deutlich beschleunigen. Denn jede Form von automatisierten Prozessen in der Vermögensverwaltungsbranche wird wahrscheinlich ETFs gegenüber Investmentfonds bevorzugen, da diese Produkte börsengehandelt sind und sich somit in die bestehenden Anlageprozesse für Aktien oder Renten integrieren lassen.

Als Reaktion auf diese Entwicklungen sind Asset Manager aus Europa und anderen Regionen zunehmend agnostisch geworden, was die Vertriebshülle für ihre Anlagestrategien betrifft, und nutzen den ETF-Mantel inzwischen sowohl für aktive als auch für passive Anlagestrategien.

Vor dem Hintergrund dieser massiven Veränderungen in der Fondsindustrie hat LSEG Lipper die Methodik der LSEG Lipper Fund Awards überarbeitet und beschlossen, die LSEG Lipper Fund Awards auf der europäischen Ebene in aktive und passive Awards aufzuteilen. Mit dieser Veränderung sollen in einem ersten Schritt die LSEG Lipper Fund Awards für Europa heutigen Marktanforderungen angepasst und somit zukunftssicher gemacht werden.

Da es sich bei dem überwigenden Teil der in Europa zum Vertrieb zugelassenen ETFs um sogenannte Cross-Border-Produkte, also Produkte, die über verschiedene Ländergrenzen hinweg angeboten werden, handelt, macht es derzeit keinen Sinn, diese Awards auch auf Länderebene zu vergeben, da sich die einzelnen Universen nur marginal unterscheiden würden. Dementsprechend wurden am 26. März dieses Jahres die LSEG Lipper Fund Awards Europe 2026 – Active und die LSEG Lipper Fund Awards Europe 2026 – Passive zum ersten Mal verliehen.

Während sich die Methodik der Lipper Fund Awards für aktive Produkte lediglich durch die Aufnahme aktiv gemanagter ETFs und den Ausschluss indexnachbildender Investmentfonds geändert hat, sind die Awards für passive Produkte neu. Im Unterschied zu den Awards für einzelne Länder wie zum Beispiel Österreich, bei denen alle Fonds der jeweiligen Anlageklasse mit Vertriebszulassung im entsprechenden Land berücksichtigt werden, besteht das Universum der europäischen Awards aus UCITSFonds, die in mindestens drei von insgesamt 31 europäischen Ländern – den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie den vier EFTA-Staaten – zum Vertrieb registriert sind. Das bedeutet, dass das relevante Universum der Lipper Fund Awards Europe für passive Produkte aus allen indexnachbildenden Investmentfonds und ETFs besteht, die älter als drei Jahre und in mindestens drei europäischen Ländern zum Vertrieb zugelassen sind.

Die Lipper Fund Awards für passive Produkte beruhen auf denselben quantitativen Kriterien wie die Awards für aktiv gemanagte Produkte und werden im Gegensatz zu den meisten anderen Awards für ETFs oder passive Produkte ausschließlich auf der Basis von quantitativen Kennzahlen vergeben. Es gibt keine Jurys, keine Abstimmungen und keinerlei andere qualitative Kriterien zur Bestimmung der Gewinner.

Somit haben Investoren in Europa seit diesem Jahr erstmals die Möglichkeit, eine unabhängige, transparente, rein quantitative Bewertung in ihre Fondsselektion für passive Produkte einfließen zu lassen.

DETLEF GLOW

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