Investmentfonds

Können Anleger mit Branchen- und Themenfonds
von Krisen profitieren?

In der Corona-Krise konnten einzelne Unternehmen beziehungsweise Branchen ihre Stärken ausspielen und gegen den allgemeinen Markttrend wachsen. Mit den gestiegenen Gewinnen ist auch das Interesse der Investorenan den entsprechenden Titeln gestiegen und viele Anleger fragen sich, ob und wie sie strukturiert von Trends oder der Stärke einzelner Branchen profitieren können. Es sind aber nicht nur Krisen, die neue Anlagetrends begründen. Auch technische Innovationen und Verhaltensänderungen der Konsumenten führen zu solchen Trends, die sich dann auch an den Finanzmärkten widerspiegeln. Aufgrund der Nachfrage von Investoren ist es nicht verwunderlich, dass die Fondsindustrie Produkte auflegt, mit denen sie von diesen Trends profitieren kann. Für den Anleger bedeutet diese Produktvielfalt, dass er seine Marktmeinung zu einzelnen Themen und Trends heutzutage mit Hilfe von sogenannten Themenfonds in seinem Portfolio umsetzen kann.

Allerdings ist gerade im Bereich der Themenfonds Vorsicht geboten, denn nicht jedes aktuelle Thema, das von den Fondsanbietern bespielt wird, führt am Ende zu einem langfristigen Anlageerfolg. Allzu oft ent- puppen sich vermeindlich langfristige Anlagethemen als kurzfritige Trends oder bleiben nach einer kurz- fristigen Wachstumsphase aufgrund von Änderungen des wirtschaftlichen Umfelds hinter den Erwar- tungen zurück. Dementsprechend sollten Investoren, die in ein bestimmtes Anlagethema investieren wollen, sehr genau hinschauen, ob es sich hierbei tatsächlich um ein langfristig erfolgversprechendes Thema oder um einen kurzfristigen Anlagetrend handelt. Ebenso gilt es, die generellen Risiken eines Branchenbeziehungsweise Themenfonds richtig einzuschätzen.

BRANCHENFONDS SIND KEINE THEMENFONDS

Um diese Einschätzung vornehmen zu können, müssen Anleger Branchen- und Themenfonds von- einander trennen. Im Gegensatz zu Branchenfonds, die in der Regel nur Titel kaufen, die der ent- sprechenden Branche zugeordnet werden, investieren Themenfonds in unterschiedliche Branchen. Schaut man sich zum Beispiel Themenfonds im Bereich der erneuerbaren Energien (Renewable Energy/New Energy) an, so findet man in diesen Fonds neben den Herstellern von Solarpanels und Windkraftanlagen (Branche: Industrie) unter anderem auch Stromproduzenten und Netzbetreiber (Branche: Versorger) sowie Hersteller von Bauteilen für intelligente Stromnetze, das sogenannte Smart Grid (Branche: Technologie), oder Firmen, die sich mit der Entwicklung von Computerprogrammen (Branche: Software) befassen. Diese Liste ließe sich bis zu der Föderung der Rohstoffe für Batterien fortsetzen und zeigt, dass Themenfonds in der Regel hinsichtlich der Branchen, in die sie investieren,
sehr breit aufgestellt sind.

ES KOMMT AUF DIE GRÖSSE AN

Da viele Themen wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz (KI/AI) noch sehr jung sind, gibt es in diesem Bereich nur wenige große börsengelistete Unternehmen, die nur in dem Bereich Künstliche Intelligenz tätig sind. Natürlich muss man hier anmerken, dass Technologiekonzerne wie zum Beispiel Alphabet (der Mutterkonzern von Google) in Teilbereichen dieses Themas eine führende Position haben. Allerdings sind diese Bereich bei den Technologiekonzernen hinsichtlich ihres Anteils am Gewinn des Unternehmens eher sehr klein. Dies bedeutet, dass die Wertentwicklung der jeweiligen Aktie von anderen Themen getrieben wird, wodurch das Thema Künstliche Intelligenz in diesem Beispiel auch auf der Fondsebene verwässert. Somit sollte die Größe eines Fonds, im Verhältnis zu der Größe des jeweiligen Themas, in das investiert wird, ein wichtiges Kriterium bei der Fondsauswahl sein. In diesem Zusammenhang ist die Erweiterung/Änderung des Investmentuniversums eines Fonds ein klares Kennzeichen dafür, dass ein Fonds für das Thema, in das er investiert, zu groß geworden ist.

AKTIV ODER PASSIV – WELCHE ANLAGESTRATEGIE SOLLTEN INVESTOREN NUTZEN?

Im Bereich der Branchen- und Themenfonds können Investoren nicht nur zwischen unterschiedlichen Anlagestrategien wählen. Auch hinsichtlich der Produkte haben Anleger mittlerweile die Wahl zwischen Fonds, die aktiv gemanagt werden, und ETFs, die auf Basis einer quantitativen Analyse systematisch in das jeweilige Thema beziehungsweise die jeweilige Branche investieren.

Viele Investoren gehen davon aus, dass gerade im Bereich der Themenfonds aktives Portfoliomanagement vorteilhaft ist, da hier Expertenwissen zur Aktienauswahl und Titelgewichtung genutzt werden kann. Diese Annahme ist zwar grundsätzlich richtig, aber dennoch muss die Nutzung passiver Anlageinstrumente nicht nachteilig sein, da die quantitative Analyse der Firmenbilanzen mit Hilfe von Computerprogrammen durchgeführt wird. Die für diese Auswertung festgelegten Kriterien werden bei aktiven wie auch bei passiven Fonds von dem jeweiligen Portfoliomanager beziehungsweise dem verantwortlichen Analysten festgelegt. Der große Unterschied liegt in der qualitativen Bewertung der Titel. Während die Gewichtung der einzelnen Aktien in dem jeweiligen Index, und dementsprechend im Portfolio bei passiven Anlagein- strumenten, nach einem festgelegten Prozess erfolgt, werden die Titel bei aktiv gemanagten Fonds in der Regel auf Basis der Einschätzung der Zukunftsaussichten des Unternehmens von dem jeweiligen Fondsmanager im Portfolio gewichtet.

Somit weiß der Anleger bei den passiven Produkten relativ genau, auf Basis welcher Kriterien das Portfolio des ETFs beziehungsweise Indexfonds zusammengestellt wird, während er bei aktiven Fonds dies in der Regel nur sehr eingeschränkt nachvollziehen kann. Auf der anderen Seite haben aktive Portfoliomanager die Möglichkeit, direkt auf negative oder positive Veränderungen oder Ereignisse bei einzelnen Unter- nehmen reagieren zu können, ohne dabei auf einen vorgegebenen Stichtag, an dem die Indexzusammen- setzung überprüft und angepasst wird, warten zu müssen. Dementsprechend bleibt festzuhalten, dass beide Produktarten Vor- und Nachteile haben und so, je nach Vorliebe des Investors, eine sinnvolle Lösung sein können.

ZUSAMMENFASSUNG

Insgesamt betrachtet bleibt festzuhalten, dass Branchen- und Themenfonds sinnvolle Anlageprodukte handeln, die es den Anlegern ermöglichen, von Trends und Themen an den Kapitalmärkten zu profitieren. Da es sich hierbei aber immer nur um einzelne Teile des Kapitalmarktes handelt, können die entsprech- enden Fonds deutlich stärkere Schwankungen als der Gesamtmarkt aufweisen. Dementsprechend sollten Branchen- und Themenfonds generell nur als Ergänzung für ein breit aufgestelltes Portfolio genutzt werden. Bei der Entscheidung für ein Anlagethema müssen Investoren genau prüfen, ob es sich hierbei tatsächlich um ein langfristiges Anlagethema oder um einen kurzfristigen Investmenttrend handelt. Auch wenn beides in einem Portfolio erfolgreich genutzt werden kann, sollten sich Investoren eher für die Nutzung von langfristigen Trends entscheiden.

Bei der Fondsauswahl kommt es darauf an, einen Fonds zu finden, der möglichst direkt in das gewünschte Thema investiert. Ob der Fonds aktiv oder passiv gemanagt werden sollte, hängt dabei von den Vorlieben des Investors ab. Insgesamt sollte der Fonds zu dem Risikoprofil des Anlegers passen, wobei zu beachten ist, dass viele Anlagethemen eine höhere Schwankungsanfälligkeit und -breite aufweisen als der breite Aktienmarkt. Zudem sollten die Investoren bereit sein, im Bezug auf die Wertentwicklung, auch längere Durststrecken auszuhalten, da es gerade im Bereich der Anlagethemen häufig vorkommt, dass sich diese Fonds nicht kontinuierlich so entwickeln wie der Gesamtmarkt, sondern ihre Wertentwicklung in Schüben erzielen. Da diese Schübe nur sehr schwer prognostizierbar sind, macht das sogenannte „Market Timing“ aus meiner Sicht nur wenig Sinn. Dementsprechend sollten Anleger, die von einem Trend profitieren wollen, aus meiner Sicht langfristig investiert bleiben und Schwächephasen gezielt als Kaufgelegenheiten nutzen, ohne dabei ihr Risikobudget zu überschreiten.

(DETLEF GLOW)

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