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Geldpolitik wird zum Drahtseilakt für US-Notenbank Fed

Von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

PublicDomainPictures / Pixabay

Noch vor wenigen Wochen wäre die März-Sitzung für die Europäische Zentralbank (EZB) eher nebensächlich gewesen. Zwar sollten neue Prognosen zu Inflation und Wachstum in der Eurozone bekanntgeben werden, geldpolitisch waren allerdings nur wenige Änderungen zu erwarten. Der jüngste Aufwärtstrend bei den langfristigen Zinssätzen steigerte die Erwartungen jedoch deutlich, auch wenn größere Ankündigungen nur schwer vorstellbar waren. Denn der Anstieg der europäischen Zinssätze war vor allem einem Sogeffekt durch den Anstieg der US-Zinssätze geschuldet, während die Wachstumsaussichten für das erste Halbjahr auf dem Alten Kontinent mau sind und die Inflation weiter schwächelt.

EZB-Ankündigung mit Positiv-Effekt auf Finanzmärkte

Mit der Ankündigung, dass die Wertpapierkäufe im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) „im nächsten Quartal deutlich schneller als in den ersten Monaten dieses Jahres getätigt werden“, wählte die EZB vermutlich das richtige Maß. Einerseits überraschte sie die Märkte positiv, was zu einem Rückgang der langfristigen Zinssätze sowie einer Verringerung der Risikoprämie von europäischen Peripherieländern führte. Andererseits ist dieser Schritt weiterhin ausreichend moderat, um nicht als ungerechtfertigte Überreaktion wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus ermöglicht dies der Zentralbank, ihre Käufe vor einer Phase mit absehbar vielen neuen Schuldtitelemissionen auf ein höheres Niveau als am Ende des Vorjahres zu beschleunigen. Präsidentin Christine Lagarde hat die Kommunikationsaufgabe also erfolgreich bewältigt.

USA: Inflationsdruck könnte für Kurswechsel bei Fed-Politik sorgen

Eine Aufgabe, die für die US-Notenbank deutlich schwieriger sein dürfte. Denn Fed-Chef Jerome Powell muss diese Woche mit zwei widerstreitenden Kräften zurechtkommen. Einerseits ist da der unbestreitbare Anstieg der Inflationsaussichten. Das Zusammenwirken mehrerer Faktoren wird in den nächsten Monaten sehr wahrscheinlich einen Anstieg der Verbraucherpreise in den USA auslösen. Das vom Kongress jüngst bestätigte dritte Konjunkturpaket umfasst neue direkte Beihilfen für Privathaushalte in Höhe von 422 Milliarden Dollar – obwohl die Sparquote der US-Haushalte im Januar trotz des gleichzeitig kräftigen Anstiegs der Einzelhandelsumsätze auf deutlich mehr als 20 % des verfügbaren Einkommens zugelegt hat. Die Rücklagen, die für den Konsum zur Verfügung stehen, sind daher sehr hoch. Auch wenn ein Teil dieser Rücklagen unangetastet bleibt und vielleicht teilweise an den Finanzmärkten angelegt wird, könnten in den kommenden Monaten Konsumausgaben in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar getätigt werden.

Die Unternehmen, die sich mit einem kräftigen Aufwärtsdruck bei den Inputpreisen – insbesondere bei Fracht, Energie und nicht verarbeiteten Erzeugnissen – konfrontiert sehen, können ihre Verkaufspreise daher anheben. Dies wird sich in steigenden Verbraucherpreisen niederschlagen. Zudem wird die Inflation vorübergehend durch Basiseffekte verstärkt, da die Preisveränderung über ein Jahr ab Frühjahr 2020 berechnet wird – dem Zeitpunkt, zu dem das jähe Herunterfahren der Wirtschaft einen starken Preisrückgang verursacht hatte. Dieser Inflationsdruck könnte die Fed natürlich zu einer weniger akkommodierenden Geldpolitik veranlassen.

Normalisierung des US-Arbeitsmarktes noch in weiter Ferne

Andererseits hat sich der Arbeitsmarkt, der mittlerweile offiziell Teil des Aufgabenbereichs der Fed ist, bei weitem noch nicht normalisiert. Bereinigt um die Arbeitsplätze, die während der Krise wegfielen, beträgt die Arbeitslosenquote rund 8,5 % (offizielle Zahl: 6,2 %). Die Erwerbsquote bei Menschen mit Highschool-Abschluss – einer der drei Indikatoren des Steuerungsinstruments von Jerome Powell für die Beschäftigung – ist seit Oktober deutlich rückläufig und nähert sich ihrem Tief vom April 2020. Zudem ist die Nichtbeschäftigungsquote – Arbeitslose und Menschen außerhalb der Erwerbsbevölkerung – mit 42,4 % weiterhin deutlich höher als auf dem Höhepunkt der letzten Krise (41,8 %). Angesichts dieser Voraussetzungen ist es für die Fed schwierig, ihre Unterstützung für die Wirtschaft zu verringern. Zwischen diesen beiden Extremen wird sie einen Drahtseilakt vollführen müssen.

(LFDE)

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