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Die Finanzmärkte stehen vor der Nagelprobe

Die US-Notenbanker wollen mit bekannten, aber auch unkonventionellen Mitteln ihre geldpolitischen Zügel Schritt für Schritt anziehen. Dadurch bekommen vor allem Aktien Gegenwind.

Die Aussichten für Aktien werden in den kommenden Monaten ungemütlicher. Zu dieser Einschätzung kommt Witold Bahrke, Senior-Stratege bei Nordea Asset Management, nach dem jüngsten Zinsschritt der US-Notenbank (Fed). „Denn für das zweite Halbjahr ist zu erwarten, dass die Volatilität an den Finanzmärkten steigen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Risikoanlagen weniger stabil sein werden als zuletzt.“ Die Leitzinsanhebung der Fed um 25 Basispunkte in der vergangenen Woche ist zwar an den Märkten allgemein erwartet worden. „Auf dem Treffen der Notenbankgouverneure hat sich jedoch gezeigt, dass die Falken die Oberhand bekommen“, begründet Bahrke seine Ansicht. Die Fed habe einen interessanten Einblick in ihre unkonventionellen geldpolitischen Instrumente gegeben. „Dabei hat sie deutlich erkennen lassen, dass sie einen Kurswechsel in ihrer Geldpolitik vollziehen will, was für die Finanzmärkte nach der Sommerpause erhebliche Auswirkungen haben könnte“, prognostiziert Bahrke.

Die Fed hat dazu einen detaillierten Plan vorgelegt, wie sie ihre Bilanz zurückführen will. Dazu will sie anfänglich US-Staatsanleihen bis zu einem Volumen von 6 Milliarden US-Dollar pro Monat aus ihrem Bestand verkaufen. Dieser Wert soll Schritt für Schritt auf 30 Milliarden US-Dollar pro Monat angehoben werden. Derzeit entspricht die Bilanzsumme der Notenbank sagenhaften 24 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes (BIP), was vor allem auf die Anleiheankaufprogramme im Zuge der bislang ultralockeren Geldpolitik (quantitative easing) zurückzuführen ist. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise lag der Wert zwischen fünf und sieben Prozent des US-BIP. „Noch gibt es kein Anzeichen dafür, wann die Fed mit ihrem Vorhaben loslegen will, aber das September-Treffen des Offenmarktausschusses ist sicherlich eine gute Gelegenheit dafür“, glaubt Bahrke. „Zieht die Fed ihre geldpolitischen Zügel auf diese Art wirklich an, würde das die Dollarliquidität im globalen Finanzsystem rein quantitativ reduzieren, während der traditionelle Weg in Form der bisherigen Zinserhöhungen eher den Preis der Liquidität nach oben getrieben hat“, erklärt der Nordea-Experte. Seiner Einschätzung zufolge hat die Fed jedenfalls signalisiert, dass sie diesen unkonventionellen Weg ihrer Geldpolitik recht bald betreten will. „Das wird ein wichtiger Test dafür, ob die Volatilität an den Märkten im weiteren Jahresverlauf so niedrig bleiben wird, wie wir das bislang erlebt haben“, glaubt der Anlagestratege.

Ein zweiter Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass Fed-Chefin Janet Yellen hat erkennen lassen, den zuletzt sinkenden Inflationsraten keine besondere Bedeutung beizumessen. „Dies legt nahe, dass die Fed daran festhält, ihre geldpolitischen Zügel schrittweise anzuziehen“, so Bahrke. So plant die Fed weiterhin mit einem weiteren Zinsschritt in diesem und drei Schritten im kommenden Jahr. „Das Klima an den Finanzmärkten muss sich wahrscheinlich deutlich verschlechtern – etwa durch stark fallende Aktienkurse und steigende langfristige Bondrenditen –, damit die Fed ihre Pläne überdenkt. Im Gegensatz dazu gehen die Akteure an den Märkten von ein bis zwei Zinsschritten bis zum Jahresende 2018 aus, so dass sich die Frage stellt, wie die Fed die Aussichten für die USA, aber auch die Weltwirtschaft einschätzt“, gibt Bahrke zu bedenken. „Klar ist jedenfalls, dass die Finanzmärkte Gegenwind durch eine härtere Geldpolitik der Fed bekommen werden. Aber vielleicht ist es genau das, was die Notenbank will: ein gezielter Schuss vor den Bug, bevor sie zu einem härteren Schlag ausholen muss.“

(nordea)

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