Investmentfonds

Das Jahr des Schweins: Saftige Renditen am chinesischen Markt?

von Charles Sunnucks, Co-Fondsmanager des Jupiter China Select SICAV bei Jupiter Asset Management

klimkin / Pixabay

Der Legende nach war das Schwein, nachdem es verschlafen hatte, das letzte der Sternzeichentiere, das zu einem Treffen mit dem Jadekaiser erschien. Aus diesem Grund wurde es im chinesischen Sternzeichenkalender auf den letzten Platz verwiesen. Anleger hoffen nun darauf, dass die Märkte 2019 nicht ganz so träge sind. Denn eigentlich soll das Jahr des Schweins Reichtum und Glück bringen.

Ein Blick auf das BIP-Wachstum und die Investorenstimmung zeigt, dass Chinas Wirtschaftssituation in den letzten Quartalen – ähnlich wie das Schwein – auch als langsam und ungeliebt bezeichnet werden könnte. Tatsächlich liegt das derzeitige Bewertungsniveau beinahe auf einem mehrjährigen Tiefststand. Das liegt vor allem daran, dass das prognostizierte Gewinnwachstum im vergangenen Jahr bei 12 Prozent lag, der Markt aber um 14 Prozent schrumpfte. Die Perspektiven für China sind jedoch komplex. Jenseits der Schlagzeilen haben Handelskriege, Disruption und Reformen die Aussichten für chinesische Unternehmen getrübt, was sowohl Risiken als auch erhebliche Chancen mit sich bringt.

Handelskonflikt – Chancen in unsicherem Marktumfeld

Seit Donald Trump Ende 2016 zum US-Präsidenten gewählt wurde, sind die Aussichten für chinesische Exporteure eher trüb. Denn seither versucht die USA, gegen die vermeintlich wettbewerbswidrigen Handelspraktiken Chinas vorzugehen. Nachdem China 2017 Waren im Wert von rund 505 Milliarden Dollar in die USA exportierte(1), belegte Trump im Mai/Juni 2018 einen Teil dieser Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar mit einem Zollsatz von 25 Prozent. Im August 2018 folgte dann ein weiterer zehnprozentiger Strafzoll auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar. Nun droht Trump zusätzliche Zölle zu erheben, wenn es bis März keine Einigung auf ein Handelsabkommen gibt. Diese Unsicherheit hat sich in China nicht nur auf die Exporteure, sondern auch auf das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher ausgewirkt.

Bei den börsennotierten chinesischen Exporteuren gab es einen Ausverkauf bei Großhandelsunternehmen, der die Wahrscheinlichkeit eines längeren Konflikts mit negativem Ausgang widerspiegelt. Allerdings sind nicht alle Exporteure gleichermaßen betroffen. Tatsächlich haben einige Unternehmen wie die in Hongkong börsennotierte Crystal International Group den Großteil ihrer Produktionskapazitäten bereits in Niedriglohnländer wie Vietnam verlagert. Diese Unternehmen sollten tatsächlich gut positioniert sein, um von den verschärften Handelsbedingungen zwischen China und den USA zu profitieren. Zusammen mit dem heftigen Ausverkauf hat dies einige sehr attraktive Kaufmöglichkeiten geschaffen.

Online-Handel auf dem Vormarsch

Das Niveau der Online-Aktivitäten in China liegt weit über dem vieler entwickelter Marktteilnehmer. So liegt China beispielsweise weltweit auf dem zweiten Platz, wenn es darum geht, wie viel Zeit für die Nutzung des Smartphones aufgewendet wird. Zudem ist der Anteil der Online-Einzelhandelsaktivitäten doppelt so hoch wie in den USA. Auch die Wettbewerbslandschaft entwickelt sich schnell weiter. Grund dafür sind vor allem sich verändernde Präferenzen von Konsumenten als auch eine Reihe von jüngst umgesetzten, politischen Maßnahmen. Größere Unternehmen wie das in den USA börsennotierte Baidu entwickeln sich strategisch auch über ein verbraucherorientiertes Modell hinaus weiter und richten sich damit direkter an Unternehmen – zum Beispiel in Bereichen der autonomen Fahrzeuge und Cloud Services. Generell führt die Entwicklung der Online-Aktivitäten zur stärkeren Fragmentierung einiger Märkte, da ein funktionierendes Vertriebsnetz kein wesentliches Eintrittshindernis mehr darstellt. Von Bohrern bis hin zu Computer-Dockingstationen: Hersteller wie Tiangong International und Bizlink können nun viel direkter ihre Produkte an den Endverbraucher verkaufen. Eine Entwicklung, die die Wertschöpfung innerhalb der Lieferkette grundlegend verändert.

Finanzreform – Risiken gezielt minimieren

Während chinesische Finanzdienstleistungsunternehmen oft als langsame, staatliche Monolithen bezeichnet werden, haben sich bestimmte Unternehmen als sehr kreativ und innovativ erwiesen, wenn es darum geht, gewisse Verordnungen zu umgehen. Dies reicht von Fintech-Unternehmen, die außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Bankenaufsicht tätig sind, bis hin zu Stadtbanken, die oft alternative Kreditklassifizierungen verwenden, um lästige Kreditrisikoanforderungen und Kreditlimits zu vermeiden.

Infolgedessen entwickelte sich allerdings ein wesentliches systemisches Risiko in China. Erfreulich war für langfristige Investoren aber die jüngste Entschlossenheit der Regulierungsbehörden, aktiv gegen diese Risiken anzugehen. So hat beispielsweise die strengere Überwachung von Webseiten für Konsumentenkredite dabei geholfen, die Zahl der Peer-to-Peer-Kreditunternehmen von über 3.000 auf unter 1.000 zu reduzieren. Zwar stellte dies die chinesische Wirtschaft vor eine neue Herausforderung, jedoch ermöglichte es gleichzeitig eine Konsolidierung der Branche und verhalf jenen Unternehmen zu einem höheren Marktanteil, die bereits im Rahmen der Regulierung agieren.

Angebotsseitige Reform – Altes raus, Neues rein

Die angebotsseitige Reform ist ein weiterer wichtiger Faktor, der berücksichtigt werden sollte. Diese Reform wurde erstmals 2015 eingeführt, um einige Marktexzesse in Folge des Konjunkturpakets Rmb4tril aus dem Jahr 2008 zu entschärfen. Zunächst wurde sich auf die Lösung des Problems der sogenannten Zombieunternehmen konzentiert. Ziel war es, die Kohlekapazität um 250 Mio. Tonnen und die Stahlkapazität um 100-150 Mio. Tonnen zu reduzieren. Während diese Politik eindeutig starken Druck auf die Kapazitäten einiger Unternehmen ausgeübt hat, gab es gleichzeitig Rückenwind für Unternehmen, die bereits effizient unter Berücksichtigung von Umweltstandards arbeiten. Das in Hongkong börsennotierte Unternehmen Vinda ist ein Beispiel hierfür.

In Zukunft verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend auf Innovation und die Förderung eines höherwertigen Angebots – dazu gehören die Entwicklung fortschrittlicher Fertigungsverfahren sowie die Nutzung großer Datenmengen und künstlicher Intelligenz. In China gibt es bereits doppelt so viele Hochschulabsolventen in den Bereichen Naturwissenschaft und Maschinenbau als in den USA. Das Gehaltsniveau für Ingenieure liegt in China allerdings bei nur einem Drittel des Gehalts von Ingenieuren in den USA. Dadurch haben neue Industrien Zugang zu einem großen und relativ günstigen Talent-Pool. Chinas Entwicklung über die „Weltfabrik“ hinaus hat zur Folge, dass China zunehmend zu einer direkteren Wettbewerbsbedrohung für die entwickelten Länder wird. Darüber hinaus werden chinesische Unternehmen ohne Innovationskultur zunehmend zurückfallen – ein Phänomen, das den Aufstieg der Privatwirtschaft unterstützen wird.

Positiven Wandel ausfindig machen

Letztendlich ist China ein riesiges Land, mit einer immer vielfältigeren Wirtschaft, einer Bevölkerung, die mehr als doppelt so groß ist wie die gesamte Europäische Union und einer Landfläche, die fast 40-mal größer ist als das Vereinigte Königreich. Somit hat der Wandel weitreichende Auswirkungen auf die dortige Geschäftswelt. Während unterstützende geld- und fiskalpolitische Maßnahmen die Wirtschaft im Jahresverlauf stabilisieren sollten, dürften die chinesischen Aktienrenditen 2019 eher dadurch geprägt werden, inwiefern sich ihre Entwicklung von den erwähnten Maßnahmen abkoppelt.

Auch wenn das chinesische Neujahrsfest in diesem Jahr ganz im Zeichen des Schweins steht, sollten Anleger statt auf die kleinsten Ferkel des Wurfs, lieber auf die Vorreiter des Wandels setzen.

(Jupiter Asset Management)

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