Investmentfonds

Das Altersvorsorgedepot kann Zukunft gestalten

Die Fondsbranche verändert sich und mit ihr auch die verschiedenen Dienstleister. Im Interview mit „Mein Geld“ erklärt Dr. Jörg W. Stotz, Sprecher der Geschäftsführung bei der HANSAINVEST, wie die Kapitalverwaltungsgesellschaft sich als Wegbegleiter und Wegbereiter positioniert

Als Service-KVG begleitet die HANSAINVEST einen Teil der zahlreichen Fondsboutiquen in Deutschland. Wie läuft die Zusammenarbeit in einem so fragmentierten Markt?

DR. JÖRG W. STOTZ: Sie ist vertrauensvoll und persönlich, aber auch geprägt vom Fachwissen echter Spezialisten: Unsere Fondspartner sind oft in Nischen unterwegs, in denen sie die Vorteile aktiven Managements ausspielen können. Das ist aber auch sehr aufwändig. Deswegen versuchen wir ihnen als Service-KVG so viel Freiheit zu verschaffen wie möglich – bei so viel Regulatorik wie nötig.

Sie bieten Ihren Fondspartnern mittlerweile auch die Auflegung aktiver ETFs an. Was steckt hinter diesem Vorstoß?

DR. JÖRG W. STOTZ: Zum einen eine Vorbereitung auf die Veränderungen, die am Fondsmarkt wirken. Zum anderen die Idee, unser Angebot für aktive Asset Manager zu komplettieren. Denn bei Wertpapierfonds gibt es zwei Determinanten: die Strategie und den Zugangsweg. Die Strategie kann entweder passiv oder – wie bei unseren Fondspartnern – aktiv sein. Und bei den Zugangswegen gibt es zum einen das klassische Anteilsscheingeschäft oder den Börsenhandel. Den klassischen Zugangsweg haben wir mit Investmentfonds bereits im Angebot, nun öffnen wir mit aktiven ETFs den Zugangsweg über die Börse – auch als Anteilsklasse für bestehende Fonds.

Sie erwähnten die Veränderungen, die sich am Fondsmarkt zeigen. Was meinen Sie damit?

DR. JÖRG W. STOTZ: Dass Investoren inzwischen den Zugangsweg über die Börse bevorzugen. Laut BVI flossen fast 90 Prozent der zwischen Juni 2023 und Juni 2025 neu in Publikumsfonds angelegten Gelder in ETFs. Deswegen ist es nur sinnvoll, dass auch aktive Strategien über diesen Zugangsweg als ETFs erhältlich sind.

ETFs sind auch Bestandteil der geplanten Altersvorsorgedepots, die als Reform für die private Altersvorsorge kommen sollen. In der Vergangenheit haben Sie mehrfach öffentlich für Reformen geworben. Sind Sie mit dem Altersvorsorgedepot zufrieden?

DR. JÖRG W. STOTZ: Ja, weil Bürgerinnen und Bürger im Riester-Modell jahrelang auf Garantien und Verrentungen beschränkt waren. Jetzt räumt das Depot ihnen die Chance auf renditestärkere Strategien und Auszahlungspläne ein. Das ist – zumindest bei der privaten Altersvorsorge – ein massiver Fortschritt. Nun fehlt noch eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung.

Welche Rolle spielt die Fondsbranche für die Altersvorsorgedepots?

DR. JÖRG W. STOTZ: Die Hauptrolle. Weil es Anfang 2027 losgehen soll, suchen wir den Kontakt zu unseren Fondspartnern. Wir haben verschiedene Lösungsideen, die wir gemeinsam umsetzen können und wollen. Dafür gibt es gute Gründe: Ich halte es für durchaus möglich, dass in zehn Jahren in den Altersvorsorgedepots schon ein dreistelliger Milliardenbetrag an Assets schlummert. Das Altersvorsorgedepot kann Zukunft gestalten: für die Altersvorsorge und die Aktienkultur sowie als Investitionsmotor und Stabilisator des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Wir haben bis jetzt vor allem über die HANSAINVEST als Service-KVG gesprochen. Anfang 2026 haben Sie aber auch den Schritt ins Master-KVG-Geschäft bekanntgegeben. Wie passen die zwei Geschäftsfelder zusammen?

DR. JÖRG W. STOTZ: Wir nutzen dafür die seit Jahren gewachsenen und erprobten Prozesse und Strukturen aus dem Service-KVG Geschäft und stellen sie nun nicht nur Asset Managern, sondern auch Asset Ownern zur Verfügung. Genau genommen sind wir sogar schon länger eine Master-KVG: Als Tochter der SIGNAL IDUNA Gruppe kennen wir die institutionelle Kapitalanlage aus der engen Zusammenarbeit, zudem haben sich auch andere Asset Owner schon an uns gewandt, für die wir Mandate als Master-KVG umsetzen. Mit unserer sehr breiten Assetklassen- Kompetenz richten wir uns innerhalb des neuen Geschäftsfelds insbesondere an institutionelle Investoren mit kleineren und mittleren Anlagevolumina. Auch dabei ist die Zusammenarbeit vertrauensvoll und persönlich. So bleiben wir uns als „KVG mit Herz“ treu.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

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