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Corona und die SDGs

Bereits vor der Corona-Pandemie drohte die Weltgemeinschaft das Erreichen der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten „Sustainable Development Goals“ (SDGs) zu verfehlen

Invest in Visions

Aus diesem Grund hatten die Vereinten Nationen die verbleibende Zeit bis 2030 zum „Jahrzehnt des Handelns“ ausgerufen. Die Auswirkungen der Pandemie selbst sowie der Maßnahmen zur Einschränkung derselben haben dieses Verfehlen dramatisch verschärft.

Das genaue Ausmaß der Pandemie wird erst allmählich sichtbar. Klar ist, dass sie alle Bevölkerungsschichten, alle Wirtschaftszweige und alle Regionen der Welt erfasst hat. Vor allem haben sich die existierenden Ungleichheiten innerhalb von Gesellschaften und zwischen Ländern offenbart und verschärft, indem sie die vulnerabelsten Menschen der Welt am stärksten trifft. Daher sind alle Staaten der Weltgemeinschaft, so wie es die SDGs fordern, dazu angehalten, ihre Anstrengungen zu intensivieren, um die festgelegten Ziele zu erreichen.

Im aktuellen Bericht der Vereinten Nationen zur Erreichung der SDGs werden die umfassenden Auswirkungen der Pandemie ausführlich dargestellt. Im Folgenden möchten wir insbesondere auf die SDGs eingehen, zu denen wir durch unsere Investitionen in den Bereichen Mikrofinanz, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie finanzielle Inklusion beitragen.

SDG 1: Armut in allen ihren Formen und überall beenden

Seit 2010 hatte sich weltweit der Anteil der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben (1,90 US-Dollar pro Tag) von 15,7 auf 10% im Jahr 2015 verringert. Das Tempo dieser Reduktion hat sich jedoch bereits schon 2019 verlangsamt. Für vergangenes Jahr geht man von einer Verringerung auf 8,2% aus. Mit dieser Geschwindigkeit wäre das Ziel (Reduktion dieser Form der Armut auf 0 bis zum Jahr 2030) nicht erreicht worden. Durch die Corona-Pandemie wird sich dieser Wert voraussichtlich sogar auf 8,8% für das Jahr 2020 erhöhen, eine Differenz von über einem Prozentpunkt gegenüber der ursprünglichen Annahme von 7,7%. Dies bedeutet, dass durch die Corona-Pandemie voraussichtlich zusätzlich 71 Millionen Menschen in extremer Armut leben werden, vor allem in Asien und Subsahara-Afrika. Dies ist umso verheerender, da die Sozialschutzsysteme in diesen Regionen meist nicht gut ausgebaut sind. In Zentral- und Südasien sowie in Subsahara-Afrika sind nur 4 respektive 7% der vulnerablen Bevölkerung durch Sozialschutzsysteme abgesichert, wie beispielsweise Versicherungen im Krankheitsfall oder für den Fall der Arbeitslosigkeit.

SDG 2: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Während die chronische Unterernährung seit 2014 relativ konstant bei knapp unter 9% liegt, hat sich der Anteil an Menschen, die an Nahrungsmittelunsicherheit leiden, seitdem weltweit von 22,4 auf 25,9% (oder auch um 2 Milliarden Menschen) erhöht. Durch die Corona-Pandemie könnten im Jahr 2020 zusätzlich bis zu 132 Millionen weitere Menschen, insbesondere benachteiligte Bevölkerungsgruppen, an Nahrungsmittelunsicherheit leiden. Hinzu kommen Konflikte und Klimaschocks, die eine zusätzliche Bedrohung für die Verlässlichkeit von Nahrungsmittelsystemen darstellen. Besonders für KleinbauerInnen stellt dies eine große Herausforderung dar. Die zur Eindämmung des Virus eingeführten Maßnahmen führten dazu, dass lokale Märkte schließen mussten und Produkte nicht zu den KonsumentInnen gelangen konnten.

Gerade für Kinder ist eine ausgewogene und gesicherte Ernährung zentral, da sonst Fehlentwicklungen im Wachstum die Folge sind. Im Jahr 2019 waren immer noch 144 Millionen (21,3%) Kinder im Alter von unter fünf Jahren weltweit von chronischer Unterernährung betroffen. Auch wenn dies bereits eine positive Entwicklung seit 2015 darstellt, wo die chronische Unterernährung von Kindern unter fünf Jahren bei 23% lag, so sind große Anstrengungen notwendig, um diesen Anteil auf den Zielwert von unter 
82 Millionen im Jahr 2030 zu bringen. Paradoxerweise nimmt gleichzeitig die Häufigkeit von Übergewicht bei Kleinkindern zu, welches als Warnzeichen für

zukünftige Gesundheitsprobleme erachtet wird. Im Jahr 2019 waren weltweit 5,6% (oder 38 Millionen) der Kinder unter fünf Jahren übergewichtig. Übergewicht und Mangelernährung koexistieren oft in der gleichen Bevölkerung. In Südostasien beispielsweise lag die Mangelernährung im Jahr 2019 bei 8,2%, während Übergewicht 7,5% betrug.

SDG 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

In den vergangenen Jahren konnten Erfolge in Bezug auf die Geschlechtergleichstellung erreicht werden, beispielsweise in der Reduktion von Kinderheirat und weiblicher Genitalverstümmelung sowie in der zunehmenden Vertretung von Frauen in Entscheidungspositionen. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg bis zur Zielerreichung und die Corona-Pandemie hat insbesondere Entwicklungen in Bezug auf dieses SDG zurückgeworfen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Frauen dem Risiko einer Coronavirus-Erkrankung am meisten ausgesetzt sind, da sie weltweit fast 70% der Gesundheits- und SozialarbeiterInnen ausmachen. Die Corona-Pandemie hat jahrelange positive Entwicklungen zurückgeworfen. Durch die Umstände der Krise kam es bereits zu einem Anstieg der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Ausgangsbeschränkungen verstärken das Risiko häuslicher Gewalt, weil Frauen mit gewaltbereiten Partnern eingeschlossen sind und Hilfsangebote schwerer wahrnehmen können. Ökonomische Engpässe verstärken diese Situation. Darüber hinaus übernehmen Frauen – sowohl in Industrienationen als auch in Schwellenländern – durch die Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen meistens zusätzliche Betreuungsaufgaben. Die Schließung führt auch dazu, dass Erfolge beim Zugang zu Bildung insbesondere für Mädchen zurückgeworfen werden. Unterstützungsprogramme für Frauen, wie beispielsweise gegen weibliche Genitalverstümmelung mussten durch die Corona-Pandemie unterbrochen werden, sodass Fortschritte in dieser Hinsicht verlangsamt bzw. sogar rückläufig sein werden.

SDG 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Nach dem globalen Wirtschaftsabschwung im Jahr 2009, erholten sich die Arbeitsproduktivität und Arbeitslosenzahlen wieder allmählich. Die Corona-Pandemie hat diese Erholung jedoch ins Stocken gebracht, da ihre Folgen sich nachteilig auf die Arbeitsmärkte der Welt auswirken, insbesondere auf Beschäftigte im informellen und störungsanfälligen Sektor sowie Selbstständige und Tagelöhner. Es ist mit dem höchsten Anstieg der Arbeitslosigkeit seit dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen. Es könnten etwa 1,6 Milliarden Beschäftigte in der informellen Wirtschaft – die Hälfte der weltweiten Erwerbsbevölkerung – erheblich betroffen sein. Gleichzeitig ist ihr Einkommen in manchen Regionen der Welt in den ersten Monaten der Krise um bis zu 81% gesunken. Damit bis 2030 menschenwürdige Arbeit für alle erreicht werden kann, sind erhebliche politische Maßnahmen notwendig, besonders um Beschäftigte im informellen Sektor zu schützen.
Des Weiteren legt SDG 8 als Ziel fest, dass die sogenannten „least developed countries“ (LDCs) pro Jahr ein reales BIP-Wirtschaftswachstum von 7% aufweisen sollen. Bereits in den letzten Jahren wurde dieses Ziel verfehlt und es scheint relativ unwahrscheinlich, dass dies für die kommenden Jahre erreicht werden wird. Die Wachstumsrate des realen BIP der LDCs erreichte bereits 2019 nur 4,8%. Aufgrund der Corona-Pandemie wird erwartet, dass sich diese Rate auf 0,8% im Jahr 2020 abschwächt und 2021 mit einer Rate von 4,6% wieder ansteigt.

SDG 9: Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

Ein wichtiger Bestandteil zur Zielerreichung von SDG 9 ist das verarbeitende Gewerbe. Bereits vor der Corona-Pandemie verlangsamte sich das globale Wachstum dieses Sektors in allen Regionen. In den „least developed countries“ stieg der Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP von 10,0% im Jahr 2010 auf 12,4% im Jahr 2019. Dieser Anstieg war auch vor der Corona-Pandemie nicht ausreichend, um eine Verdopplung des Anteils der Industrie am BIP bis 2030 zu erreichen – so wie es die Zielerreichung von SDG 9 vorgibt. Corona hat diesen Trend verschärft: im ersten Quartal 2020 verzeichnete das verarbeitende Gewerbe aufgrund von Maßnahmen zur wirtschaftlichen Abschottung einen starken Rückgang um 6%. Aufgrund der Rolle des verarbeitenden Gewerbes am gesamtwirtschaftlichen Wachstum, hat dieser Einbruch schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Um die Weltwirtschaft wiederzubeleben und somit das Ziel von SDG 9 zu erreichen, ist außerdem ein besserer Zugang zu Finanzdienstleistungen für die Kleinindustrie erforderlich. Kleine Industrieunternehmen sind von zentraler Bedeutung für die Schaffung von Einkommen und die Linderung der Armut. Gleichzeitig sind kleine Industrieunternehmen aufgrund ihrer geringen Größe und begrenzter Ressourcen anfällig für unerwartete Ereignisse wie Naturkatastrophen oder auch Pandemien. Ohne finanzielle Auffangsysteme können sie Krisen nur schlecht bewältigen. Daher ist für sie der Zugang zu Krediten besonders wichtig.

Was bedeuten diese Entwicklungen für Invest in Visions?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen alle Regionen, Wirtschaftszweige und Bevölkerungsschichten der Welt, besonders diejenigen, die sowieso schon am vulnerabelsten sind. Die Analyse des Status Quo der SDGs, die in diesem Artikel nicht erwähnt wurden, zeigt, dass auch hier umfassende Auswirkungen der Pandemie zu verzeichnen sind. Daher sind nun besonders große Anstrengungen von allen Akteuren des privaten und öffentlichen Sektors notwendig, um die Ziele noch annähernd zu erreichen.

Auch Invest in Visions möchte einen Beitrag zur Erreichung der SDGs leisten. Über den Mikrofinanzfonds werden Mikrofinanzinstitute und andere Kreditinstitute weltweit refinanziert, wodurch der Zugang zu Krediten insbesondere für KleinstunternehmerInnen ermöglicht wird. Auf diese Weise tragen wir direkt zur Erreichung der SDGs 8 und 9 bei. Des Weiteren fördert der Zugang zu Krediten für Frauen deren Selbstständigkeit und somit die Erreichung von SDG 5. Gleichzeitig hat die Aufnahme eines Kredits auch immer eine soziale Dimension, dadurch Armut reduziert und Nahrungsmittelsicherheit verbessert werden kann (SDG 1 und 2). Zudem können die Folgen einer Krise, wie sie sich derzeit global durch die Corona-Pandemie darstellt, abgefedert werden. Insofern stellen die Aktivitäten von IIV einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der SDGs dar.

Hier finden Sie weitere Publikationen von Invest in Visions: https://www.investinvisions.com/de/publikationen/publikationen.html

(Invest in Visions)

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