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COP27 – wir möchten glauben: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Von Marie Lassegnore, CFA, Head of Sustainable Investments, La Française AM

EdWhiteImages / Pixabay

Der zum Abschluss der COP26 verabschiedete Klimapakt von Glasgow fordert die Vertragsparteien auf, „die Ziele für 2030 in ihren nationalen Beiträgen zu überprüfen und zu verstärken, soweit dies erforderlich ist, um das Temperaturziel des Pariser Abkommens bis Ende 2022 zu erreichen“. Im Vorfeld der COP27 könnte die multilaterale Zusammenarbeit in einem sehr angespannten geopolitischen Kontext, der von Nahrungsmittelknappheit, einer Energiekrise, ungebremster Inflation und einer steigenden Rezessionswahrscheinlichkeit geprägt ist, schwierig werden. Wo stehen wir eigentlich und was können wir von der COP27 erwarten?

Trotz des schwierigen Umfelds 2022 gab es ehrgeizigere Zusagen von Australien (revidiertes Emissionsreduktionsziel von 27 % auf 43 % bis 2030 gegenüber 2005), Indien (erhöhtes Emissionsreduktionsziel von 34 % auf 45 % bis 2030 gegenüber 2005 und Netto-Null bis 2070) und den USA mit dem „Inflation Reduction Act“, der größten Klimaschutz- und Energieinvestition der amerikanischen Geschichte (Emissionsreduktionsziel von 50 % bis 2030 gegenüber 2005 und Netto-Null bis 2050).

Einige der auf der COP26 angekündigten sektoralen Dekarbonisierungsinitiativen haben bereits Fortschritte gemacht:

  • Die Industrial Deep Decarbonization Initiative (IDDI), deren Mitglieder inzwischen 11 % bzw. 5 % des weltweiten Stahl- und Zementverbrauchs ausmachen
  • Die globale Methanverpflichtung, die darauf abzielte, die Methanemissionen bis 2030 um 30 % zu reduzieren, hat sich zum „Global Methane Pledge Energy Pathway” weiterentwickelt. Dieser kann nun 59 Mio. US-Dollar an zweckgebundenen Finanzmitteln und Sachleistungen für die Umsetzung der Hauptziele bereitstellen: Ausschöpfung des maximalen Potenzials für eine kosteneffiziente Methanreduzierung im Öl- und Gassektor und schnellstmögliche Abschaffung des routinemäßigen Abfackeln bis spätestens 2030.

Nach der chaotischen Handhabung der Energiekrise in Europa im Jahr 2022 ist die Machbarkeit und Glaubwürdigkeit des „Global Coal to Clean Power Transition Statement“, in dem sich die Industrieländer zum Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030 und die Entwicklungsländer bis 2040 verpflichtet haben, das beherrschende Thema.

Was wäre ein positives Ergebnis der COP27? Fortschritte bei der Erreichung des 100-Milliarden-US-Dollar-Ziels für die Klimafinanzierung pro Jahr sind von größter Bedeutung, ebenso wie die Festlegung eines neuen Ziels für die Zeit nach 2025. 2020 wurden laut den auf der COP26 bekannt gegebenen Zahlen lediglich 83 Mrd. US-Dollar für die Klimafinanzierung mobilisiert. Dabei stammen 98 % der Mittel aus dem öffentlichen und nur 2 % aus dem privaten Sektor, sodass noch reichlich Spielraum für eine Steigerung besteht. Die „Glasgow Financial Alliance for Net Zero“ (GFANZ) wurde mit genau diesem Ziel gegründet, die Finanzierungslücke bei der Klimafinanzierung zu schließen. Sie hat mehr als 450 Mitglieder mit einem verwalteten Vermögen von über 130 Billionen US-Dollar bei ihrer Gründung im Jahr 2021 zusammengebracht. Seitdem gab es zwar viele weitere Zusagen, aber die ESG-Bashing-Bewegung in den republikanischen US-Bundesstaaten hat in den letzten Monaten Bedenken über die Positionierung der Banken in Bezug auf den Klimaschutz geweckt. Marktteilnehmer befürchten, dass die Allianz zerbrechen könnte, sollten sich die US-Banken zurückziehen, weil die Net-Zero-Verpflichtungen Haftungsrisiken mit sich bringen, die heute als zu hoch angesehen werden könnten.

Diese große Kluft des Markts treibt Finanzakteure in entgegengesetzte Richtungen und ist kontraproduktiv für die Mobilisierung der Klimafinanzierung. Tatsächlich lenkt das die Finanzindustrie ab, obwohl es um eine praktische, eher kurzfristige Herausforderung geht: Wie können die Ausgaben für ein dringendes langfristiges Problem erhöht werden bei gleichzeitiger Berücksichtigung der drohenden wirtschaftlichen Rezession? Diese Frage wird von Unternehmen und Regierungen nicht auf die gleiche Weise beantwortet werden.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten reagieren die Unternehmen mit einer Kürzung der Investitionspläne, einem Einstellungsstopp (vielleicht sogar mit Entlassungen), der Aufrechterhaltung eines reibungslosen Betriebs und der Maximierung der Effizienz. CEOs haben jedoch ein Mandat, das über den Rezessionszyklus hinausgeht, und müssen eine Vision von langfristiger, nachhaltiger Rentabilität einbringen, die heute ohne Berücksichtigung sozialer und ökologischer Gesichtspunkte nicht vorstellbar ist. Unsere Erfahrung bei der Prüfung von Investitionsmöglichkeiten für unsere Klimaschutzkonzepte zeigt, dass die Fähigkeit eines Vorstandsteams, über kurzfristige Turbulenzen hinauszublicken und gleichzeitig in das zu investieren, was das Unternehmen braucht, wenn die Zeiten wieder besser werden, z. B. Mitarbeiterbindung, Umstrukturierung des Unternehmens, Umstellung des Produktangebots usw., Ausdruck großer Führungsstärke und effizienter Unternehmensführung ist.

Andererseits wird von den Regierungen der großen Volkswirtschaften erwartet, dass sie in schwierigen Zeiten unterstützen: Sie sollen neue Maßnahmen entwickeln und verabschieden, die eine Krise in eine Chance verwandeln können. Außerdem dürfen die Regierungen nicht übersehen, was bei einer kurzfristigen Betrachtung unberücksichtigt bliebe: die soziale Nachhaltigkeit und die Erfüllung der grundlegenden sozialen Bedürfnisse der Bürger. Angesichts des zunehmenden Drucks auf die Landwirtschaft, verursacht durch extreme Wetterereignisse, stehen Anpassungsmaßnahmen ganz oben auf der gesellschaftlichen Agenda und könnten daher zu mehr finanziellen Verpflichtungen führen. Die Anpassungsfinanzierung sowie Regelungen über Verluste und Schäden (für besonders gefährdete Länder) stehen ganz oben auf der Prioritätenliste der diesjährigen COP.

2022 ereignete sich der zweitschwerste und teuerste Wirbelsturm in den USA. Hurrikan Ian verursachte Schäden in Höhe von schätzungsweise mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Überschwemmungen in Pakistan und Australien, Dürreperioden von bisher ungekanntem Ausmaß (eine der schlimmsten seit 500 Jahren), Hitzewellen und Waldbrände in der nördlichen Hemisphäre sind Klimakatastrophen, die künftig 15 bis 30 Mal häufiger auftreten dürften. Die unmittelbaren Auswirkungen betreffen nicht nur das Bauwesen, sondern auch die Ernährungssicherheit, d. h. Rückgang der Ernteerträge (30 % weniger Reisernte in Norditalien im letzten Sommer) und folglich der Rohstoffe. Längerfristig sind auch Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Ökosysteme zu erwarten, die sich noch stärker bemerkbar machen werden.

Die COP27 wird vor einem sehr düsteren wirtschaftlichen und geopolitischen Hintergrund tagen. Auch wenn die Erwartungen niedrig sind, sollten positive Überraschungen nicht ausgeschlossen werden. Wir können nur hoffen und uns dafür einsetzen, dass unsere Politiker über die drohende Rezession und die geopolitischen Spannungen mit Russland hinausblicken und ehrgeizigere Klimapläne zum Schutz unserer Welt fördern.

(La Française)

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