ETF-News

Den CO2-Fußabdruck mit europäischem Aktien-ETF halbieren

EU-Kommission definiert nachhaltige Finanzbenchmarks für fossilfreie Investments in klimafreundliche Unternehmen

Anleger suchen vermehrt Indexstrategien mit einem niedrigen CO2-Fußabdruck. Diese Strategien berücksichtigen vornehmlich Unternehmen, die entweder wenig Energie verbrauchen oder deren Produkte einen vergleichsweise geringen Anteil an Öl, Kohle und Gas benötigen.

Die EU hat begonnen, das Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 gesetzlich zu verankern:

• Verringerung der Treibhausgasemissionen in Europa um 50 Prozent gegenüber dem Stand von 1990
• Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien auf mindestens 40 Prozent
• Verbesserung der Energieeffizienz um 40 Prozent

Die von der Europäischen Kommission 2018 eingesetzte technische Sachverständigengruppe für nachhaltige Finanzen legte im März 2020 neue Vorschläge vor. Sie bezogen sich insbesondere auf die Taxonomie zur Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten und die Schaffung von zwei neuen Indextypen, die mit den Zielen des Pariser Abkommens und dem EU-Ziel der CO2-Neutralität korrespondieren und dazu beitragen, dem Risiko des Greenwashings zu begegnen.

Die Climate Transition Benchmark (CTB) und die Paris Aligned Benchmark (PAB) verfolgen beide ein ähnliches Ziel. Die PAB ist jedoch auf ehrgeizigere Investitionsstrategien ausgelegt und hat strengere Ausschlusskriterien im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen. Ziel der CTB ist es, den CO2-Fußab- druck im Vergleich zum Anlageuniversum um rund 30 Prozent zu reduzieren. Bei einer PAB geht es um
50 Prozent.

Beide Indextypen sehen einen Mechanismus vor, um den CO2-Fußabdruck des Portfolios um mindestens sieben Prozent pro Jahr weiter zu reduzieren. Dies steht im Einklang mit der 1,5-Grad-Zeitschiene des Intergovernmental Panels on Climate Change (IPCC) und entspricht dem EU-Ziel der CO2-Neutralität. Dazu wird bei der Definition der Indizes davon ausgegangen, dass die Gewichtung der Sektoren, die stark vom Klimawandel betroffen sind, mindestens der des Referenzuniversums entspricht.

UMSETZUNG DER PARIS-ALIGNED BENCHMARK BEI BNP PARIBAS ASSET MANAGEMENT

Der Low Carbon 100 Europe® Index ist eine Benchmark, die bereits 2008 von der Börse Euronext einge- führt wurde und seitdem in einer Indexstrategie von BNP Paribas Asset Management nachgebildet wird.
Er bildet die Wertentwicklung von 100 europäischen Unternehmen ab, die anhand ihrer Freisetzung von CO2-Emissionen in ihrem jeweiligen Sektor positiv bewertet werden. Diese werden aus einem Anlage- universum von 300 Firmen ausgewählt, die gemessen an ihrem Streubesitz zu den großen zählen und keinen umstrittenen Tätigkeiten nachgehen. Auch abgesehen vom Rüstungssektor, der Tabakherstellung sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie dürfen die Unternehmen keine unbefriedigende ökologische, soziale oder unternehmenspolitische Bilanz haben.

Euronext als Indexanbieter und Lizenzgeber ist dafür verantwortlich, den Index an die Anforderungen der PAB anzupassen. Der CO2-Fußabdruck des Low Carbon 100 Europe® Index lag bereits bei rund 50 Prozent des Wertes seines Anlageuniversums. Um das Ziel einer Halbierung der Kohlenstoffintensität gegenüber dem Investmentuniversum zu erreichen, wird in einem maximal dreistufigen iterativen Prozess das Ge- wicht der CO2-intensiven Unternehmen um jeweils zehn Prozent reduziert. Darüber hinaus wurden die drei Bereiche und Ausschlüsse, die sich auf fossile Brennstoffe beziehen, bereits ins Regelwerk aufgenom- men. Die Methodik wurde im Juli 2020 angepasst, um dem oben genannten Ziel einer jährlichen Redu- zierung des CO2-Fußabdrucks um sieben Prozent Rechnung zu tragen.

Ausgeschlossen sind Unternehmen, deren Tätigkeit unmittelbar mit fossilen Brennstoffen in Zusammen- hang steht, also die Suche nach fossilen Energieträgern sowie deren Abbau und Verarbeitung und die Stromerzeugung. Dabei kommen je nach Rohstoff unterschiedliche maximal erlaubte Umsatzgrenzen zur Anwendung: für Kohle ein Prozent, für Öl zehn Prozent, für Erdgas sowie Stromerzeugung mit einer Kohlenstoffintensität der Treibhausgas-Emissionen von über 100 g CO2 pro kWh jeweils 50 Prozent.
Vor dem Hintergrund nachhaltiger Überlegungen ist es Anlegern auch immer wichtiger, dass ihre Inves- titionen den 17 Sustainable Development Goals entsprechen, die die politische Zielsetzung für eine nachhaltige ökonomische, soziale und ökologische Entwicklung der Vereinten Nationen (UN) zusam- menfassen. Der Low Carbon 100 Europe® Index erfüllt die Ziele 7, 8, 9 und 13.

(CLAUS HECHER)

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Dieser Artikel stammt aus Mein Geld 05 | 2020

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