„Viele Anleger verbinden Emerging Markets automatisch mit breiter geografischer Diversifikation. In der Praxis sind klassische EM-Indizes heute jedoch deutlich stärker konzentriert, als häufig angenommen wird“, erklärt Sauer.
Wenige Länder und Unternehmen dominieren den Index
Besonders deutlich zeige sich dies beim MSCI Emerging Markets Index, der von vielen ETFs und passiven Investmentlösungen abgebildet wird. Zwar umfasse der Index derzeit rund 1.195 Unternehmen aus 24 Ländern, dennoch hätten sich über die Jahre erhebliche Konzentrationen herausgebildet. Rund drei Viertel des gesamten Index entfielen inzwischen auf asiatische Schwellenländer. Allein China und Taiwan machten zusammen nahezu die Hälfte des gesamten Index aus. Gemeinsam mit Südkorea und Indien repräsentierten diese vier Länder inzwischen rund drei Viertel des gesamten MSCI Emerging Markets Index.
Auch auf Unternehmensebene sei die Konzentration erheblich. Die zehn größten Unternehmen repräsentierten inzwischen rund ein Drittel des gesamten Index. Gleichzeitig entfielen mehr als 50 Prozent auf die Sektoren Technologie und Finanzdienstleistungen.
„Wer heute über klassische ETFs in Emerging Markets investiert, investiert faktisch vor allem in asiatische Technologieunternehmen“, so Sauer. Große Teile der Emerging-Markets-Welt spielten in klassischen EM-Indizes inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle. Nach Ansicht der Expertin führten diese Konzentrationen dazu, dass viele Anleger mit einem klassischen Emerging-Markets-ETF deutlich stärkere Einzelrisiken eingingen, als ihnen bewusst sei.
Geopolitische Risiken treffen Emerging Markets besonders stark
Die hohe Konzentration könne insbesondere in geopolitisch angespannten Marktphasen problematisch werden. Gerade energieimportabhängige Länder wie China, Südkorea oder Indien reagierten empfindlich auf steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen.
„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie stark externe Schocks die gesamte Anlageklasse beeinflussen können“, erklärt Sauer. So hätten unter anderem die globale Finanzkrise, Handelskonflikte zwischen den USA und China, die Immobilienkrise in China sowie zuletzt geopolitische Spannungen im Nahen Osten erhebliche Auswirkungen auf Emerging Markets gehabt.
Zugleich weist die Strategin darauf hin, dass passive Indexstrategien solche Konzentrationen automatisch reproduzierten, unabhängig davon, wie sich fundamentale Risiken entwickelten. „Passive Investments übernehmen geopolitische Risiken automatisch“, sagt Sauer.
Aktives Management könnte an Bedeutung gewinnen
Vor diesem Hintergrund sieht Sauer insbesondere aktive und flexible Investmentansätze im Vorteil. Emerging Markets seien nach wie vor stärker von Marktineffizienzen, geringerer Transparenz und einer niedrigeren Analystenabdeckung geprägt als entwickelte Märkte. „Gerade in den Emerging Markets können aktive Manager strukturelle Verzerrungen gezielt vermeiden und Marktineffizienzen nutzen“, sagt Sauer. Besonders in konzentrierten Märkten könne eine aktive Länder-, Sektor- und Titelselektion helfen, Risiken bewusster zu steuern.
Auch quantitative Faktorstrategien könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Diese ermöglichten es, Risiken systematischer zu analysieren und Fehlbewertungen frühzeitig zu identifizieren. Rein quantitative Modelle stießen jedoch in Phasen abrupt wechselnder Marktregime häufig an Grenzen. „Die Kombination aus systematischen Modellen, aktivem Risikomanagement und qualitativem Urteil dürfte deshalb langfristig besonders robust sein“, so die Strategin.
Emerging Markets bleiben langfristig attraktiv
Trotz der aktuellen Herausforderungen sieht Sauer Emerging Markets weiterhin als wichtigen Bestandteil globaler Aktienportfolios. Emerging Markets machten inzwischen rund 13 Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung aus. Gleichzeitig seien viele Schwellenländer im historischen Vergleich weiterhin attraktiv bewertet und in zahlreichen Anlegerportfolios trotz ihrer gestiegenen Bedeutung weiterhin unterrepräsentiert.
„Es stellt sich nicht die Frage, ob Anleger in Emerging Markets investieren sollten, sondern vielmehr, wie sie ihr Exposure innerhalb der Anlageklasse bestmöglich strukturieren“, erklärt Sauer.































