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UBP House View Juli 2026 – Intakte Überzeugungen, mehr Selektivität

Die erste Jahreshälfte 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie widerstandsfähig die Finanzmärkte sein können

© ubp

Zwar bleibt das makroökonomische Umfeld anspruchsvoll, getragen wurden die Märkte aber von einer außergewöhnlich starken Gewinnentwicklung der Unternehmen. „Die erste Jahreshälfte hat eine wichtige Lehre hinterlassen: Als Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck gerieten, stießen traditionelle Diversifikationsmechanismen an ihre Grenzen – Hedgefonds dagegen konnten ihre Stärken voll ausspielen“, schreibt Michaël Lok, Group CIO und Co-CEO Asset Management der Schweizer Privatbank UBP, im aktuellen House View.

Unternehmensgewinne bleiben das Fundament

Trotz geopolitischer Spannungen fungiert die Gewinnentwicklung der Unternehmen als wichtigste Stütze der Märkte. „Dies ist ein von Gewinnen getragener Markt – nicht einer, der von höheren Bewertungen lebt“, heißt es im House View. Vor allem KI-Investitionen führten dazu, dass sich die Gewinnerwartungen für 2026 seit Jahresbeginn nahezu verdoppelt haben. Das fundamentale Umfeld für Risikoanlagen bleibt damit konstruktiv.

Breitere Aktienhausse jenseits der Technologierally

Die langfristige Aufwärtsdynamik ist intakt, dennoch geht die UBP selektiver vor. Der Investitionszyklus rund um Künstliche Intelligenz bleibt zwar der zentrale Treiber, die außergewöhnlich starke Rally der vergangenen Monate dürfte kurzfristig aber für mehr Volatilität sorgen. Große Technologiekonzerne lenken zunehmend Kapital von Aktienrückkäufen in Investitionen um, während neue Börsengänge und Kapitalerhöhungen das Angebot an Aktien erhöhen. „Das stellt die langfristige Investmentthese nicht infrage, dürfte aber vorübergehend für mehr Schwankungen sorgen – selbst wenn die Fundamentaldaten konstruktiv bleiben“, so Lok.

Entsprechend richtet die UBP ihre Aktienallokation breiter aus: Europa und die globalen Schwellenländer gewinnen an Bedeutung, während Positionen in China und im Verteidigungssektor vollständig aufgegeben wurden. Europa profitiert von sinkenden Energiepreisen und besseren wirtschaftlichen Fundamentaldaten, Schwellenländer stehen im Zentrum der globalen Halbleiter-Lieferketten und dürften direkt vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren.

Anleihen: Das Comeback des Carry

Im Anleihebereich sieht die UBP die größten Chancen für die zweite Jahreshälfte. Nach einem schwachen Jahresauftakt dürften festverzinsliche Anlagen wieder an Attraktivität gewinnen. „Unsere Priorität ist es, den Carry zu stärken und jene Segmente zu bevorzugen, die das beste Verhältnis zwischen Ertrag und Risiko bieten“, schreibt Lok. Besonders konstruktiv bleibt die UBP daher bei Hochzinsanleihen und hybriden AT1-Anleihen: Robuste Fundamentaldaten der Unternehmen, niedrige Ausfallraten und eine widerstandsfähige Konjunktur sind Anzeichen dafür, dass der größte Teil des Zinsstresses inzwischen verarbeitet wurde.

Hedgefonds bieten Renditequellen abseits des Marktbeta

Hedgefonds bleiben ein wichtiger Baustein der Portfolios. Die UBP setzt dabei verstärkt auf systematische, optionsbasierte Strategien, die laufende Erträge erzielen und gleichzeitig Verlustrisiken begrenzen sollen. „Diese Strategien nutzen Optionen, um Einkommen zu generieren und Schutz aufzubauen – ohne die Chance auf weitere Kursgewinne zu verspielen“, heißt es im House View. Ergänzend bleiben Strategien rund um Wandelanleihen interessant, die von der erhöhten Einzeltitelvolatilität und der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-bezogenen Finanzierungen profitieren.

Erste Signale einer Normalisierung an den Private Markets

Bei Private Markets bleibt die Diskrepanz zwischen ausgewiesenen Bewertungen und tatsächlich ausgeschütteter Liquidität ein zentrales Thema. Vor allem bei privaten Kreditvehikeln für Privatanleger standen zuletzt Rücknahmen und Liquiditätsmanagement im Fokus. Gleichzeitig mehren sich konstruktive Signale bei Transaktionen und Exits. „Wir betrachten diese Entwicklung als echten Wendepunkt, nicht als kurzfristiges Rauschen“, heißt es im House View – auch wenn es noch dauern dürfte, bis sich dies nachhaltig in der Marktstimmung niederschlägt.

Kurzfristig Gegenwind bei Gold, langfristig intakt

Gold bleibt für die UBP ein wichtiger Diversifikator, auch wenn die kurzfristigen Kurstreiber zuletzt an Kraft verloren haben. Ein stärkerer US-Dollar, sinkende Zinssenkungserwartungen und Abflüsse aus Gold-ETFs belasten das Edelmetall derzeit. „Die langfristige Rolle von Gold als Diversifikator bleibt intakt“, betont Lok. Kurzfristig rechnet die UBP eher mit einer Seitwärtsbewegung, bevor sich gegen Jahresende wieder attraktivere Chancen ergeben könnten.

Selektiver in die zweite Jahreshälfte

Die UBP bleibt konstruktiv für Risikoanlagen, setzt im zweiten Halbjahr aber stärker auf Selektivität und Diversifikation. „In einer Welt im Wandel bleibt unsere Verantwortung dieselbe: Überzeugungen zu halten, die den Test der Zeit bestehen, und ihre Umsetzung diszipliniert anzupassen“, fasst Michaël Lok zusammen. Im Mittelpunkt stehen Regionen und Anlageklassen mit robusten Fundamentaldaten sowie Strategien, die auch in einem volatileren Marktumfeld attraktive Renditen ermöglichen.

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