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Timo Steinbusch, Leiter Portfolio Management apoBank, zu den Quartalszahlen von JP Morgan

"Von einer konjunkturellen Abschwächung ist in den USA aktuell wenig zu sehen"

© apoBank

JP Morgan – mit einer Marktkapitalisierung von rund 850 Mrd. Dollar die größte Bank der Welt – hat als erstes US-Institut die Zahlen für das vierte Quartal veröffentlicht. Dazu teilt Timo Steinbusch, Leiter Portfolio Management der apoBank, mit:

„Die Quartalszahlen von JPMorgan deuten auf ein zentrales Muster für die gerade gestartete US-Berichtssaison:
Die Ertragsseite ist robuster als erwartet, gleichzeitig steigen die strukturellen Kosten spürbar.
JP Morgan hat die Markterwartungen im vierten Quartal mit einem adjustierten Gewinn je Aktie von 5,23 Dollar und Umsätzen von rund 46,8 Mrd. Dollar übertroffen.

Besonders stark entwickelte sich das Kapitalmarktgeschäft:
Die Markets Revenues stiegen um rund 17 Prozent.
Das Handelsergebnis legte auf 5,38 Mrd. Dollar zu, während die Investment-Banking-Fees um etwa 5 Prozent rückläufig waren.
Diese Verschiebung unterstreicht die weiterhin hohe Marktaktivität bei gleichzeitig verhaltener Transaktionsdynamik im Advisory-Geschäft.
Die Zahlen zeigen aber auch: Von einer konjunkturellen Abschwächung ist in den USA aktuell wenig zu sehen.
Handelsaktivität, Kreditqualität und Kundennachfrage bleiben stabil.
Für 2026 stellte JPMorgan eine Nettozinsertrags-Guidance von rund 103 Mrd. Dollar in Aussicht – über den Markterwartungen.
Gleichzeitig rechnet die Bank mit adjustierten Kosten von etwa 105 Mrd. Dollar – das lenkt die Aufmerksamkeit der Investoren klar auf die Margenentwicklung.

Nachbörslich verlor die Aktie mehr als 4 Prozent.
Offenbar hatte der Markt noch bessere Zahlen erwartet.
Der Kostenanstieg ist aber kein JPMorgan-Sonderthema, sondern ein strukturelles Signal für die gesamte US-Unternehmenslandschaft – getrieben durch Löhne sowie Technologie-Investitionen.
In der jetzt angelaufenen Berichtssaison wird nicht der Gewinn je Aktie entscheidend sein, sondern die Glaubwürdigkeit des Kosten- und Margenpfads.
Auch geldpolitisch lassen sich aus den Zahlen klare Schlussfolgerungen ziehen:
Die Ergebnisse sprechen gegen eine deutliche wirtschaftliche Abkühlung.
Vor diesem Hintergrund erwarten wir weiterhin weniger Zinsschritte der US-Notenbank als aktuell vom Markt eingepreist werden.
Solange Beschäftigung, Unternehmensinvestitionen und Kreditqualität stabil bleiben, dürfte die Federal Reserve vorsichtig agieren.
Ein Szenario schneller und aggressiver Zinssenkungen erscheint zunehmend unwahrscheinlich.
Die US-Wirtschaft zeigt sich robust, befindet sich aber in einer reifen Phase.“

 

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