Das wurde uns kürzlich auf einer Veranstaltung mit mehreren Fondsgesellschaften wieder sehr plastisch vor Augen geführt – wir besuchen solche Termine regelmäßig, um Praxisimpulse aus erster Hand in unsere Arbeit mitzunehmen.
Aus dem Publikum kam eine Frage, die charmant klang, aber einen wunden Punkt trifft: „Was tun Sie dagegen, sich in ein Unternehmen zu verlieben, dessen Aktien Sie halten?“Mehrere Manager antworteten sinngemäß: Die Auswahl sei faktenbasiert, deshalb bestehe diese Gefahr nicht. Besonders interessant war jedoch die ehrliche Ergänzung eines Fondsmanagers: Die emotionale Falle liegt weniger beim Kauf – sondern beim Verkauf.
Denn die schwierige Entscheidung ist häufig nicht „Warum habe ich gekauft?“, sondern:Wann ist eine negative Nachricht nur kurzfristiger Lärm – und wann bricht sie die Investment-These?
Wer ein Unternehmen intensiv analysiert, hat meist viele Argumente für die Position im Kopf. Genau das kann dazu führen, dass man negative Signale zu lange relativiert – und damit zu lange hält. Solche Mechanismen sind in der Verhaltensökonomik gut beschrieben: Anleger neigen dazu, Verlierer zu lange zu halten und Gewinner zu früh zu verkaufen (Disposition Effect), verstärkt durch Verlustaversion.
Regeln statt Bauchgefühl: Warum Verlustgrenzen helfen können
Ein Ansatz, um emotionale Fehler beim Investieren zu reduzieren, ist die Portfoliosteuerung nicht primär über Renditeziele, sondern über maximale Verluste, Risikobudgets und das verbleibende Risikopotenzial. Der Vorteil: Entscheidungen werden stärker über vorher definierte Regeln getroffen – nicht über Hoffnung, Sympathie oder spontane Rechtfertigungen.
Dann lautet die Frage bei schlechten Nachrichten nicht mehr:„Mag ich das Unternehmen noch?“Sondern: „Passt die Position noch in das Risikobudget – ja oder nein?“
Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Verlustgrenzen sind kein Autopilot. Zu enge Regeln können zu häufigem Rein/Raus führen oder kurzfristige Volatilität fälschlich als These-Bruch interpretieren. In der Praxis bewährt sich daher die Kombination aus Risikoregeln (Budget/Maximalverlust) und Review-Regeln („Was wäre ein echter These-Bruch – und was nur Volatilität?“)
Fazit
Emotionale Fehler beim Investieren lassen sich nicht vollständig vermeiden – aber oft deutlich reduzieren, wenn Regeln vor dem Stress feststehen. Gerade beim Verkaufen zahlt sich ein klarer Prozess aus: Risikobudget + definierte These-Bruch-Kriterien schlagen Bauchgefühl.
































