| Aktueller ETF-Marktkommentar von Claus Hecher, Head of ETF Sales DACH and Nordics bei BNP Paribas Asset Management, zu den Zu- und Abflüssen am Markt für UCITS-ETFs im Monat August |
Der UCITS-ETF-Markt setzt seine Aufwärtsbewegung mit unverminderter Kraft fort. Im August verzeichnete er Nettozuflüsse von 41,8 Milliarden Euro und hob die kumulierte Jahresbilanz damit erstmals über die symbolträchtige Marke von 300 Milliarden Euro – auf nunmehr 312,7 Mrd. EUR. Parallel dazu stieg das verwaltete Vermögen zum Monatsende auf rund 3,1 Mrd. EUR. Bemerkenswert ist dabei vor allem das Tempo: Wofür der Markt in früheren Jahren ein komplettes Kalenderjahr benötigte, ist 2026 bereits nach acht Monaten überschritten. Damit unterstreicht der August einmal mehr, in welche Größenordnung sich das ETF-Segment inzwischen bewegt.
Aktien: Das Kapital sucht die WeltKaum ein Bereich prägt das Marktbild so stark wie die Aktien-ETFs. Auf sie entfielen im August mit 34,8 Mrd. EUR satte 83 Prozent aller Zuflüsse. Die Anleger dachten dabei vor allem global: Weltweit anlegende Strategien zogen mit 18,1 Mrd. EUR erneut den Großteil des frischen Kapitals an und summieren sich seit Jahresbeginn auf beachtliche 126,5 Mrd. EUR. US-Titel bestätigten mit 9,3 Mrd. EUR ihre starke Nachfrage. Auch die Entwicklung mit Blick auf die europäischen Regionen ist positiv. Nach den Durststrecken des Frühjahrs kehrten mit 4,1 Mrd. EUR wieder spürbar Mittel in europäische Aktien-ETFs zurück, sodass die im Vormonat begonnene Trendwende an Substanz gewinnt. Ebenso gefragt blieben Schwellenländer, denen 2,4 Mrd. EUR zuflossen, sowie japanische Titel mit 0,5 Mrd. EUR. China bildete einmal mehr die Ausnahme: Zwar herrschte mit lediglich 34 Mio. EUR nahezu Stillstand, doch im Jahresverlauf bleibt die Region mit −2,3 Mrd. EUR die einzige mit einem roten Vorzeichen. Anleihen: Sicherheit und kurze Laufzeiten gefragtDer Anleihebereich behauptete sich mit Zuflüssen von 7 Mrd. EUR und einem Marktanteil von rund 17 Prozent solide. Die Vorlieben der Anleger waren dabei klar umrissen: Staatsanleihen führten das Feld mit 2,4 Mrd. EUR an, gefolgt von ultrakurz laufenden Papieren mit 2,2 Mrd. EUR und Unternehmensanleihen mit 1,2 Mrd. EUR. Dieses Muster spiegelt das Bedürfnis nach Sicherheit und Flexibilität gleichermaßen wider. Regional teilten sich US-Anleihen mit 2,5 Mrd. EUR und europäische Rentenprodukte mit 2,1 Mrd. EUR die Spitzenplätze, ergänzt um globale Strategien mit 1,1 Mrd. EUR. Sektoren: Energie und Rohstoffe vorn, Defensives im RückwärtsgangAuf Branchenebene setzten sich zyklische und rohstoffnahe Werte an die Spitze. In den USA glänzte der Energiesektor mit einem Monatsgewinn von 7,0 Prozent, dicht gefolgt von IT mit 6,3 Prozent, Materials mit 5,6 Prozent und einem auffällig starken Gesundheitssektor mit 4,6 Prozent. In Europa gaben Materials mit 5,9 Prozent und IT mit 4,3 Prozent den Ton an. Am unteren Ende der Skala fanden sich beiderseits des Atlantiks vor allem defensive und zinssensitive Bereiche. In den USA gerieten Versorger mit −5 Prozent und Industriewerte mit −2,5 Prozent unter Druck, in Europa mussten Immobilien mit −4,9 Prozent und Basiskonsumgüter mit −3,5 Prozent deutliche Verluste hinnehmen. AusblickHinter der Rekordzahl verbergen sich Verschiebungen, die den weiteren Jahresverlauf prägen dürften. Die reine US-Fixierung verliert an Zugkraft. Globale Strategien ziehen mit 126,5 Mrd. EUR inzwischen mehr als doppelt so viel Kapital an wie reine US-Produkte – ein klarer Trend hin zur breiten Streuung. Zugleich wandelt sich Europa, getragen von starken Finanz- und Rohstoffwerten, vom Sorgenkind zum aktiv gesuchten Baustein einer breiteren regionalen Neuausrichtung. Bleiben die Zuflüsse auf diesem Niveau, dürfte 2026 als eines der stärksten und zugleich diversifiziertesten Jahre in die Geschichte des europäischen ETF-Marktes eingehen. |































