Investmentfonds

J.P. Morgan AM: Market Timing und zu viel Cash – die zwei teuersten Anlegerfehler

Während der DAX aktuell täglich neue Allzeithochs erklimmt, sorgen sich viele Anlegerinnen und Anleger, ob die Märkte von zu viel KI-Euphorie in Richtung Blase getrieben werden

So sind die Bewertungen hoch, parallel schwelen geopolitische Risiken und es erscheint verlockend, in der vermeintlichen Sicherheit von Cash zu verharren. Doch der Versuch, den „idealen“ Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu finden, und investierbare Gelder als sicherer Hafen in Cash zu halten, sind nach Ansicht von John Bilton, Global Head of Strategic Research, Multi-Asset Solutions bei J.P. Morgan Asset Management, die zwei wichtigsten – und teuersten – Fehler von Anlegerinnen und Anlegern. Denn wer den Markt timen wolle, müsse sowohl beim Ausstieg als auch beim Wiedereinstieg richtig liegen, im Gegensatz zu einer Buy-and-Hold-Strategie.

Wie wenig sich das Abwarten in Cash-Positionen ebenso wie der Versuch, den perfekten Moment zu erwischen, lohnt, zeigt eine Auswertung von J.P. Morgan Asset Management: Selbst beim denkbar ungünstigsten Einstieg zahlte es sich aus, die Zähne zusammenzubeißen und investiert zu bleiben: Wer seit 1990 jeweils unmittelbar vor einem Marktschock, d.h. einen Monat vor jedem der zwölf Höhepunkte des Volatilitätsindex VIX, in ein 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen investierte, erzielte nach einem Jahr in 75 Prozent der Fälle eine um durchschnittlich 7 Prozent höhere Rendite als Barmittel. Das Portfolio entwickelte sich in 100 Prozent der Fälle nach drei Jahren besser als Barmittel, und zwar um durchschnittlich 22 Prozent.

Wer den Markt timen will, muss gleich doppelt richtig liegen

Wer den Markt timen will, steht vor einer ungünstigen Wahrscheinlichkeitsrechnung. „Market Timing bedeutet, dass man bei mindestens zwei Transaktionen den richtigen Zeitpunkt erwischen muss, um auf lange Sicht das gleiche Ergebnis wie ein durchschnittlicher Anleger zu erzielen“, sagt John Bilton. Eine Buy-and-Hold-Strategie verlange hingegen, es nur einmal richtig zu machen, so Bilton. Erschwert werde das Timing durch den sogenannten Clustering-Effekt: „Die besten Tages des Marktes folgen oft unmittelbar auf die schlechtesten. Tatsächlich könnten die immer kürzeren und heftigeren Korrekturen, die wir seit der globalen Finanzkrise beobachten, diesen Faktor noch verstärken“, führt Bilton weiter aus. Da Anleger selten flexibel genug seien, um schnell aus- und wieder einzusteigen, könnten verpasste Erholungstage tiefgreifende und langfristige Folgen für die Portfoliorenditen haben.

Ein ähnliches Muster sieht Bilton im sogenannten Dispositionseffekt. Darunter ist die Neigung zu verstehen, zu früh aus Gewinnern auszusteigen und Verlierer zu lange zu halten, was die Renditen erheblich beeinträchtigt. Der Schwierigkeit des Market Timings sind sich nach Einschätzung von John Bilton auch professionelle Anleger bewusst. „Allokationsentscheidungen von professionellen Investoren beruhen weniger auf kurzfristigem Market Timing als auf der laufenden Bewertung relativer Risikoprämien“, sagt Bilton.

Zu viel Cash kostet Rendite

Um Marktrisiken aus dem Weg zu gehen setzen viele Anleger nach wie vor zu häufig auf Barmittel. „Branchenumfragen zufolge halten Privatanleger auf lange Sicht rund ein Viertel ihrer investierbaren Vermögenswerte in Cash, das heißt auf Giro- und Sparkonten oder als Tagesgeld. Dabei zeigen langjährige Analysen, dass aus Renditeperspektive eine Allokation von fünf bis zehn Prozent sinnvoll ist“, erklärt Bilton. Wie viel Rendite überschüssige Liquidität kostet, verdeutlicht eine Beispielrechnung von J.P. Morgan Asset Management: In den fünf Jahren seit Beginn der Pandemie hätte eine Barquote von 25 Prozent dazu geführt, dass ein Portfolio auf potenzielle Gewinne von 5,4 Prozent verzichtet hätte. Inflationsbereinigt entspricht das einem realen Verlust von 4,3 Prozent gegenüber einem vollständig investierten Portfolio. „Das Saatgut nicht auszusäen beziehungsweise überschüssige Barmittel nicht zu investieren ist keine aufgeschobene, sondern eine vermiedene Entscheidung“, sagt Bilton.

Zudem sollten Anleger beachten, dass Barmittel mit Blick auf das Marktrisiko zwar ein risikofreier Vermögenswert seien, doch die Inflation untergrabe ihre Kaufkraft. Dass Bargeld in schwierigen Phasen generell Schutz bietet, ist aus Sicht von Bilton ohnehin ein Trugschluss. „Wer ein sinkendes Wachstum befürchtet, für den können Anleihen die bessere Wahl sein. Dieselbe Zinssenkung, die bei Bargeld ein Wiederanlagerisiko bedeutet, wirkt bei Anleihen als Renditetreiber. Wer wiederum die Inflation fürchtet, sollte die Rolle von Sachwerten oder Rohstoffen in diversifizierten Portfolios in Betracht ziehen“, führt Bilton aus.

Hohe Bewertungen sind kein Signal für Marktkorrekturen

Das Zögern, am Kapitalmarkt zu investieren, wird häufig auch mit hohen Bewertungen begründet. Aus Sicht von John Bilton lässt sich auch dieses Argument entkräften: „Auch wenn hohe Bewertungskennzahlen die erwarteten Renditen belasten, liefern sie kein zuverlässiges Signal für den Zeitpunkt einer Marktkorrektur“, sagt Bilton.

Vielmehr zahle sich aus, investiert und diversifiziert zu bleiben. „Über nahezu jeden Zeithorizont und über nahezu jede Region übertreffen ausgewogene Portfolios Cash. Ein einfaches globales Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen konnte Barmittel über einen Ein-Jahres-Horizont in 79 Prozent und über einen Fünf-Jahres-Horizont in 97 Prozent der Fälle übertreffen“, betont John Bilton. Selbst in schwierigen Phasen wie den beiden „verlorenen Jahrzehnten“ Japans konnten sich diversifizierte Portfolios schnell wieder erholen. Letztlich erzielte das 60/40-Portfolio während des gesamten 20-Jahres-Zeitraums um 75 Basispunkte höhere annualisierte Renditen als Barmittel. „Natürlich ist es nicht überraschend, dass ein Vermögensverwalter für Investments plädiert. Aber die Analysen belegen tatsächlich eindrucksvoll, dass selbst eine konservative Allokation Barmittel während zahlreicher Zeithorizonte übertrifft und die beste Antwort auf Verluste historisch nicht das Abwarten, sondern die Diversifizierung war“, fasst John Bilton abschließend zusammen.

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