Wohnen und spezialisierte Wohnformen sind die bevorzugten Immobiliensektoren im neuen Investmentzyklus: Investoren suchen angesichts geopolitischer und makroökonomischer Unsicherheit resiliente Cashflows
Die Allokation in Infrastruktur nimmt weiter zu, vor allem Investments in die Energiewende und digitale Infrastruktur sind gefragt.
Paneuropäische Investmentexpertise und eine große lokale Marktkompetenz gewinnen in einem fragmentierten geopolitischen Umfeld an Bedeutung
Ein neuer Investmentzyklus für Real Assets hat begonnen. Angesichts höherer Finanzierungskosten und geopolitischer Unsicherheit legen institutionelle Investoren ihr Kapital selektiver an: Sie bevorzugen dabei Investments im Wohnbereich und in Infrastruktur. Das sind die Ergebnisse der sechsten globalen Investorenbefragung von PATRIZIA. An der jährlichen Befragung haben mehr als 100 institutionelle Investoren teilgenommen, die ein verwaltetes Vermögen von bis zu einer Billion Euro repräsentieren.*
Das Vertrauen der Investoren kehrt in Segmente zurück, die von einer robusten Nachfrage, langfristigen strukturellen Trends und stabilen Cashflows geprägt werden. Bei Immobilien sind Wohnen und spezialisierte Wohnformen weiterhin die bevorzugten Segmente. Das Interesse an Infrastruktur nimmt weiter zu, insbesondere an Infrastruktur für Energiesicherheit und digitale Infrastruktur.
Fokus liegt weiter auf dem Wohnsegment
Am meisten überzeugt sind Investoren weiterhin vom klassischen Wohnsegment und dessen spezialisierten Ausprägungen wie Studentenwohnen, Seniorenwohnen, Pflegeheime, bezahlbares Wohnen und Co-Living. 77 Prozent der Befragten wollen diese Bereiche in den nächsten fünf Jahren am stärksten ausbauen. Im Wohnbereich sehen 40 Prozent der Investoren klassische Wohnimmobilien als am attraktivsten an, dicht gefolgt von bezahlbarem Wohnen (34 Prozent). Das Interesse der Investoren an einer operativen Wertschöpfung durch ein aktives Asset Management hält an. Refurbishments und ökologische Sanierungen, sogenannte „Brown-to-green“-Investments, werden weiter priorisiert, da Bestandshalter ihre Portfolios modernisieren, die Wertentwicklung der Gebäude verbessern und die Zukunftsfähigkeit der Objekte angesichts sich verändernder Anforderungen an Regulierung und Nutzung erhalten wollen. Der Fokus auf resiliente Sektoren und qualitativ hochwertige Objekte zeigt sich auch in der anhaltenden Nachfrage nach defensiven Investmentstrategien. Rund zwei Drittel der Befragten wollen ihre Allokationen in Core- und Core+-Ansätze ausbauen.
Die Finanzierungssituation bestimmt weiterhin Investmententscheidungen. Sieben von zehn Investoren erwarten, dass die Finanzierungskosten in den nächsten beiden Jahren steigen, wodurch disziplinierte, zielgerichtete Investmentstrategien für Immobilien weiter an Bedeutung gewinnen.
Jochen Reith, Head of Capital Markets DACH bei PATRIZIA, sagt: „Es gibt eine klare Bereitschaft der Investoren, ihre Investmentstrategien zielgerichtet umzusetzen und ihre Investments sorgfältig auf Risiken abzustimmen. Dabei fällt auf: Die Fundamentaldaten sind seit Jahren an vielen europäischen Immobilienmärkten besser als die Marktstimmung. Investoren favorisieren Sektoren mit einer starken, langfristigen Nachfrage und resilienten Cashflows. Aus diesem Grund schätzen sie vor allem die Bereiche Wohnen und spezialisierte Wohnformen. Ein strukturell geringes Angebot, die demografische Entwicklung und der Bedarf an modernen Wohnimmobilien schaffen überzeugende, langfristige Anlagemöglichkeiten.“
Infrastruktur bleibt stark gefragt
Die Umfrage zeigt auch das weiterhin hohe langfristige Vertrauen in Infrastruktur. Investoren sehen hier ein strukturelles Wachstumsfeld mit stabilen Einkommensströmen. Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) – und damit mehr als im vergangenen Jahr – will die Allokation in Infrastruktur in den nächsten fünf Jahren ausbauen. Das unterstreicht die Attraktivität langfristiger Infrastrukturinvestments für institutionelle Investoren. Infrastruktur im Kontext der Energiewende findet dabei das größte Interesse: 41 Prozent planen, ihre Positionen in dem Sektor auszubauen. Digitale Infrastruktur genießt weiter große Aufmerksamkeit, während Soziale Infrastruktur mit 17 Prozent am stärksten im Vergleich zu zwei Prozent im Vorjahr zugelegt hat.
Das Sentiment am Infrastrukturmarkt bleibt positiv: Nahezu drei Viertel der Befragten erwarten, dass Transaktionsaktivitäten in den nächsten beiden Jahren zunehmen werden, gestützt auf eine hohe Nachfrage durch Digitalisierung, Dekarbonisierung und Modernisierung von wesentlicher Infrastruktur. Infrastruktur wird weiterhin als eine der attraktivsten, langfristigen Anlageklassen im Real-Assets-Bereich wahrgenommen. Allerdings sind die Renditeerwartungen der Investoren zurückhaltender, da die Finanzierungssituation schwieriger wird.
Janin Söder, Head of Infrastructure Sales DACH bei PATRIZIA, sagt: „Die Energiewende wird zunehmend auch unter dem Gesichtspunkt von Resilienz und Versorgungssicherheit betrachtet. Investoren richten ihren Fokus über die Energieerzeugung hinaus auf Infrastruktur für Energiesicherheit und dezentrale Systeme sowie auf die digitale Infrastruktur. Da die Nachfrage nach belastbaren, über Europa verteilten Netzwerken wächst, werden lokale Investments immer wichtiger. Wir sind überzeugt, dass diese Marktsituation ein Vorteil für Investmentmanager mit einer klaren lokalen Expertise ist. Denn viele der attraktivsten Investmentmöglichkeiten sind keine großangelegten Projekte, sondern eng mit der lokalen wirtschaftlichen Situation verbunden. Das erfordert ein tiefes Verständnis dafür, wie sich die Infrastruktur regional entwickelt.“
Geopolitische Unsicherheit verstärkt Fokus auf Europa und lokale Expertise
Die geopolitische Unsicherheit bestimmt zunehmend, wie institutionelle Investoren ihr Kapital investieren. Rund 85 Prozent der Befragten sagen, dass die geopolitische Volatilität einen moderaten oder signifikanten Einfluss auf ihr Real-Assets-Portfolio hat. Investoren sind daher nicht nur bei der Anlageklasse, sondern auch hinsichtlich Geografie und Investmentpartner wählerisch. Europas Position als bevorzugtes Anlageziel für langfristige Investments wird dabei weiter gestärkt. Nahezu jeder vierte Investor (24 Prozent) beabsichtigt, Investments in Europa in den nächsten drei Jahren auszubauen, während nur vier Prozent ihre Allokation reduzieren wollen. Hierin spiegelt sich die Nachfrage nach Stabilität, institutioneller Qualität und langfristigen strukturellen Investmentmöglichkeiten wider.
Darüber hinaus werden lokale Marktexpertise und das operative Management der Investments immer wichtigere Entscheidungskriterien bei der Auswahl der Investmentmanager. Investoren achten vor allem auf lokale Teams und starke europäische Marktkenntnisse, beides nennen mehr als 80 Prozent der befragten institutionellen Investoren als wichtiges Auswahlkriterium. Investoren behalten dabei ihren Fokus auf langfristige strukturelle Entwicklungen wie Digitalisierung, Energiewende und Investments im Wohnbereich trotz makroökonomischer und geopolitischer Unsicherheit.
Konrad Finkenzeller, Head of Client Division bei PATRIZIA, erklärt: „Investoren wählen Geografie, Sektor und Investmentpartner heute viel selektiver aus. Statt breiter Marktpositionen suchen Investoren zunehmend eine zielgerichtete Allokation. Dafür wählen sie Investmentmanager, die sich durch eine klare, lokale Marktkompetenz auszeichnen. Europa gewinnt als attraktives Anlageziel institutioneller Investoren weiter an Bedeutung. Die langfristige strukturelle Nachfrage, anhaltende Urbanisierung und ein professionelles, institutionelles Investmentumfeld unterstützen diese Entwicklung.“
*Die sechste PATRIZIA Investorenbefragung wurde zwischen Mai und Juni 2026 durchgeführt.






























