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Erste Fed-Sitzung unter Kevin Warsh – keine Leitzinsänderung

Eine kommentierende Analyse von Dr. Björn Ohl, Ökonom der apoBank

© apoBank

Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich in dieser Handelswoche auf die internationale Geldpolitik. Neben den Zinsentscheiden der Bank of Japan und der Bank of England steht besonders die Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch im Mittelpunkt. Das liegt vor allem an Kevin Warsh, der als Nachfolger von Jerome Powell erstmals die Sitzung leiten und im Anschluss die Pressekonferenz führen wird.

Warsh ist für Anleger kein unbeschriebenes Blatt. Er hat sowohl in der privaten Finanzwirtschaft als auch als Geldpolitiker im öffentlichen Dienst berufliche Erfahrung gesammelt. Von 2006 bis 2011 war er bereits Mitglied des Board of Governors der Fed. Dennoch tun sich die Investoren schwer, die weitere geldpolitische Ausrichtung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden einzuschätzen.

Auf der einen Seite präsentiert sich Warsh in der zinspolitischen Diskussion eher als Taube, da er nennenswerte Produktivitätsfortschritte aus der KI-Technologie erwartet und für zukünftige Leitzinssenkungen wirbt. Zudem steht der begründete Verdacht im Raum, dass die Nominierung von Warsh durch US-Präsident Trump mit der Vereinbarung einer tendenziell lockeren Geldpolitik verbunden war. Auf der anderen Seite hat sich Warsh mehrfach für eine Verschlankung der Fed und eine Fokussierung auf ihre zentralen Aufgaben ausgesprochen, verbunden mit der Forderung nach einer Schrumpfung der Bilanz. Dies lässt sich als eher falkenhaftes Signal an die Marktteilnehmer verstehen und erklärt, weshalb unter Anlegern eine erhöhte Verunsicherung bezüglich des zukünftigen geldpolitischen Kurses der Fed herrscht.

Wir gehen davon aus, dass der Leitzins auf der Sitzung am Mittwoch unverändert bei 3,5 % bis 3,75 % bleiben wird. Das deckt sich mit der Mehrheitsmeinung anderer Ökonomen und der aktuellen, marktimpliziten Erwartung. Im weiteren Jahresverlauf spricht unserer Einschätzung nach vieles für einen flachen Leitzinspfad, also für unveränderte Leitzinsen bis Ende des Jahres. Daraus folgt, dass wir nicht mit rasch und stark fallenden Leitzinsen in den ersten Monaten von Warshs Amtszeit rechnen.

Unsere mittelfristige Hausmeinung weicht zudem deutlich vom marktimpliziten Leitzinspfad ab. Am Markt wird eine Straffung der Geldpolitik in den nächsten Monaten erwartet, wobei die erste Leitzinserhöhung im März 2027 vollständig eingepreist ist. Demgegenüber rechnen wir im nächsten Jahr mit fallenden Leitzinsen, wenn sich die zoll- und kriegsbedingten Sondereffekte auf die Inflation allmählich auflösen und die Rückführung des Leitzinses auf das neutrale Niveau stärker in den Vordergrund rückt.

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