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Die Energiekrise wird zur Währungskrise

Energieabhängige Volkswirtschaften erleiden derzeit einen Doppelschlag: Steigende Ölpreise setzen sie massiv unter Druck. Gleichzeitig werten ihre Währungen ab

„Die Energiekrise entwickelt sich daher zur Währungskrise“, kommentiert Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. Energieunabhängigkeit werde dadurch zu einem strategischen Asset, auf das Anleger achten sollten.

Seit Beginn des Iran-Kriegs zeigt sich ein Muster an den Devisenmärkten: Zu den größten Verlierern zählen Volkswirtschaften mit hoher Energieimport-Abhängigkeit. Währungen wie das ägyptische Pfund, der südkoreanische Won, der thailändische Baht oder der philippinische Peso haben deutlich an Wert verloren.

Die zugrunde liegende Mechanik ist ebenso einfach wie folgenreich: Steigende Ölpreise treiben die Einfuhrrechnung nach oben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt in seinem jüngsten Wirtschaftsausblick, dass insbesondere rohstoffimportierende Schwellen- und Entwicklungsländer erheblich unter Druck geraten.

Das beschert den betroffenen Volkswirtschaften ein ganzes Bündel an Risiken: steigende Außenhandelsdefizite, sinkende Devisenreserven, zunehmender Inflationsdruck sowie wachsender Druck auf die Staatsfinanzen. Verschärft wird die Lage durch staatliche Subventionen für Energiepreise, mit denen Regierungen versuchen, soziale und wirtschaftliche Verwerfungen abzufedern.

Angeheizt wird die Situation nun zusätzlich durch eine neue energiepolitische Ausgangslage: „Während die USA in den 1970er-Jahren selbst unter steigenden Energieimportkosten litten, profitieren sie heute als Nettoexporteur von Energie teilweise von höheren Preisen“, erklärt Fischer. Diese strukturelle Verschiebung stärke tendenziell den US-Dollar.

Das wiederum erhöht den Druck auf energieabhängige Volkswirtschaften zusätzlich, weil sie das Öl in Dollar bezahlen müssen, was den Ölimport verteuert. Für viele Länder entsteht so ein doppelter Belastungseffekt, der laut IWF ihre Wachstumsprognosen 2026 und 2027 senkt.

„Vor diesem Hintergrund gewinnt die Energiewende eine neue strategische Dimension“, erklärt Fischer. Technologien wie Wind- und Solarenergie, Kernkraft, Batteriespeicher oder Elektromobilität sind längst nicht mehr nur Instrumente der Klimapolitik. Sie entwickeln sich zunehmend zu zentralen Faktoren wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit. Es geht nicht mehr um CO2-Einsparung, es geht um Unabhängigkeit.

Für Anleger hat dies laut Fischer weitreichende Folgen: „Energieabhängigkeit wird zunehmend zu einem direkten Risiko für Währungen und Inflation.“ Volkswirtschaften mit hoher Importabhängigkeit könnten strukturell anfälliger für Kapitalabflüsse und Abwertungsdynamiken werden. Gleichzeitig profitieren Länder, die über Energieautarkie, Rohstoffvorkommen oder technologische Führungspositionen im Bereich sauberer Energie verfügen.

Damit zeichne sich eine tektonische Verschiebung an den globalen Kapitalmärkten ab, so Fischer. „Bleiben die höheren Energiepreise längerfristig bestehen, verläuft die entscheidende Trennlinie künftig möglicherweise weniger zwischen Industrie- und Schwellenländern – sondern zunehmend zwischen Energieabhängigkeit und Energie-Souveränität.“

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