Wirtschaft

Wirtschaftliche Perspektiven für eine Welt mit Corona

Ende der Pandemie im globalen Maßstab noch nicht absehbar

geralt / Pixabay


Die aktuellen Prognosen zur weltwirtschaftlichen Entwicklung beruhen auf der Annahme, dass die Corona-Pandemie durch eine erfolgreiche Impfkampagne in absehbarer Zeit überwunden und damit die Rückkehr zu den Verhältnissen vor der Krise möglich sein wird. Doch die Gleichung „Ende der Pandemie = Rückkehr zur Normalität“ wird nicht ohne weiteres aufgehen. Immer deutlicher wird, dass das Corona-Virus nicht einfach verschwinden, sondern fester Bestandteil unseres Lebens bleiben wird. Welche Folgen hat das für die wirtschaftlichen Perspektiven der nächsten Jahre?

Hoffen auf die Herdenimmunität

In einem optimistischen Szenario wird bald eine Herdenimmunität erreicht, die eine weitgehende Normalisierung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens ermöglicht. Da der Impfschutz ohnehin von Zeit zu Zeit erneuert werden muss, können neue Virus-Mutationen dann im besten Fall mit jeweils angepassten Impfstoffen wirksam bekämpft werden. Wiederkehrende Infektionswellen gehören zum Alltag, können aber mit den medizinischen Kapazitäten bewältigt werden, und die Zahl der Toten bewegt sich in einem gesellschaftlich tolerierten Rahmen. Neuerliche Lockdowns sind also nicht erforderlich. In diesem Szenario stünde einem kräftigen längeren wirtschaftlichen Aufschwung aus konjunktureller Sicht kaum etwas im Wege.

Virus-Mutationen als ernste Gefahr

In einem Negativ-Szenario weisen neue Virusmutationen Resistenzen gegenüber bestehenden Impfstoffen auf. Die notwendige Anpassung der Impfstoffe erweist sich als komplex und zeitaufwendig, und es treten deshalb immer wieder zumindest regional große Infektionswellen auf, die nur durch neue Lockdowns eingedämmt werden können. In der Folge wird die wirtschaftliche Erholung gestoppt oder es kommt zu neuerlichen Einbrüchen. Die gesellschaftliche Resilienz gegenüber der Pandemie nimmt ab, die Durchsetzung von Regeln zur Pandemiebekämpfung wird deutlich schwieriger, und gesellschaftliche Spaltungen vertiefen sich. In diesem Szenario müssten die volkswirtschaftlichen Prognosen ganz grundsätzlich revidiert werden.

Vorsicht vor zu hohen Erwartungen

Die meisten aktuellen Prognosen beruhen auf der Annahme, dass sich die Wirtschaft ab dem Herbst zügig dem alten Niveau annähert und dann weiter kräftig wächst. Das könnte so sein, ist aber nicht zwingend das wahrscheinlichste Szenario. Denn damit sich das optimistische Szenario durchsetzt, müsste die Pandemie in einer global vernetzten Welt nicht nur in China, den USA und Europa, sondern praktisch überall überwunden werden. Danach sieht es derzeit nicht aus. Dies zeigt das Beispiel Indiens ebenso wie der insgesamt noch sehr geringe Impffortschritt in den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern. Ein zweiter Punkt ist die Möglichkeit, dass sich das Verhalten der Menschen durch die Erfahrung mit der Pandemie dauerhaft verändern könnte. Wenn etwa die Zurückhaltung gegenüber Fernreisen zunimmt oder das Freizeitverhalten sich aus Furcht vor einer Ansteckung ändert, dürfte dies einzelne Branchen spürbar treffen und je nach deren Gewicht auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung beeinflussen. Drittens schließlich bringt eine tiefe wirtschaftliche Krise normalerweise erhebliche Zweitrundeneffekte mit sich. Paradoxerweise wird das Ausmaß der eingetretenen Pandemieschäden gerade dann sichtbar, wenn mit der Öffnung von Wirtschaftsbereichen eigentlich eine Verbesserung der Lage zu erwarten wäre. Ein Indikator für dieses Phänomen dürfte die Arbeitslosigkeit sein, die speziell in Europa im Herbst und Winter noch einmal steigen könnte, was negative Effekte auf Konsum und Investitionen hätte.

Gerade weil die derzeitigen Prognosen ein sehr optimistisches Szenario unterstellen, sind sie anfällig für Enttäuschungen und notwendige Abwärtsrevisionen.

(FERI Gruppe)

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