Wirtschaft

„Wir erwarten in 2020 höhere Allokationen in Risiko-Assets“

Monega KAG-Geschäftsführer Christian Finke über Kapitalmarkt-Entwicklungen 2020 und Segmente, in denen Anleger noch auskömmliche Renditen finden können

Belastung der Währungsabsicherungskosten Dollar/Euro bleibt weiterhin deutlich zu spüren

Mit der diesjährigen Entwicklung an den Kapitalmärkten dürfte die Mehrzahl der Anleger sehr zufrieden sein. Dabei standen die Vorzeichen nach der heftigen Kurskorrektur Ende 2018 sowie angesichts der sich abschwächenden Konjunktur alles andere als positiv. Für 2020 wird zwar eine leichte Erholung prognostiziert, allerdings fällt Deutschland als Wachstumsmotor vorerst aus.

Nullzinsen und politische Risiken bestehen weiterhin – kein leichtes Unterfangen also für Anleger, sich 2020 an den Kapitalmärkten zu positionieren. Interessante Anlagesegmente können hier globale Aktien, dänische kündbare Pfandbriefe, aber auch Unternehmensanleihen sein.

Einschätzung für Aktien positiv

Christian Finke sieht die internationalen Aktienmärkte 2020 grundsätzlich weiterhin positiv, erwartet aber keine boomenden Märkte. Bei der konjunkturellen Entwicklung wird  von einer Bodenbildung ausgegangen, die die Frühindikatoren derzeit signalisieren, sowie von einer weiteren geldpolitischen Unterstützung der Notenbanken.

Bei vielen institutionellen Anlegern wird wir eine Verschiebung der Asset Allocation in Richtung risikobehafteter Papiere, also Aktien und alternative Investments, liquide wie illiquide, beobachtet. Dies wird sich 2020 fortsetzen und im liquiden Anlagebereich vor allem die Aktienmärkte stützen.

Auch private Anleger werden angesichts der drohenden Negativverzinsungen bei Tagesgeld- und Geldmarktanlagen sowie der zunehmenden Notwendigkeit, für das Alter vorzusorgen, mit einem Teil ihres Geldes ins Risiko, also in Aktien, gehen.

Sparpläne in Aktien sowie aktienbasierte Versicherungsprodukte sollten davon profitieren. Für ein Engagement in Aktien spricht zudem ihre derzeitige Bewertung insbesondere gegenüber risikoarmen Anlagen wie AAA-Staatsanleihen oder klassischen Pfandbriefen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der letzten Jahre sowie die für 2019 prognostizierten Gewinne zeigen, dass Aktien zwar nicht mehr besonders günstig, aber eben auch nicht zu teuer sind.

Unternehmensanleihen attraktiver als Staatsanleihen

Bei den europäischen Staatsanleihen, also Bundeswertpapieren, niederländischen, finnischen oder französischen Staatspapieren, sind die Renditen im Wesentlichen negativ – hier kann man schwerlich „bullish“ sein. Anders sieht es auf einigen Spread-Märkten aus. Das konservativste Spread-Produkt sind aus unserer Sicht dänische kündbare Pfandbriefe.

Die Delle vom August ist mittlerweile überwunden, für die Zukunft sehen wir hier wieder gute Anlagemöglichkeiten mit Renditen — je nach Duration — von bis zu 1,2 Prozent p.a. Auch europäische Unternehmensanleihen mit Investment Grade sowie Hochzinsanleihen werden positiver als Staatsanleihen gesehen, da die EZB seit November wieder als Käufer von Nicht-Finanzanleihen mit guter Bonität auftritt, was bei der Auflage des letzten Anleiheaufkaufprogramms zu einer Spread-Rallye geführt hat.

Die Ausfallraten sollten in diesen Bereichen wegen der extrem niedrigen Zinsen auch weiterhin moderat bleiben. Bei Emerging Market-Anleihen mit Investment Grade-Status und in USD notierend sollte man sich die Konditionen im Einzelfall genau anschauen. Hier belasten die Währungsabsicherungskosten Dollar/Euro immer noch deutlich, obwohl diese Kosten zuletzt etwas zurückgegangen sind.

Keine Ölpreissteigerungen – Gold bewegt sich seitwärts

Bei Rohöl wird die Entwicklung spannend werden. Die Weltwirtschaft fragt weniger Öl nach, die OPEC steht also vor der Frage, ob sie die Förderung einschränken soll, um die Preise zu stabilisieren. Auf der jüngsten OPEC-Sitzung hat sich wieder bestätigt, dass die Interessen der einzelnen Förderländer kaum unter einen Hut zu bringen sind.

Währenddessen treiben die USA ihr Öl-Fracking weiter voran. Größter Rohölproduzent der Welt sind die USA bereits, 2020 könnten sie auch erstmals Netto-Exporteur werden. Eine deutliche Ölpreissteigerung ist vor diesem Hintergrund kaum vorstellbar. Beim Goldpreis werde von einer Seitwärtsbewegung ausgegangen. Die Notenbanken haben im abgelaufenen Jahr ihre Bestände eher aufgebaut, die Schmuckhersteller und die Industrie haben weniger nachgefragt.

Von Privatanlegern wird die Nachfrage vermutlich bestehen bleiben, deshalb sind keine großen Einbrüche beim Goldpreis, aber auch keine großen Sprünge nach oben, zu erwarten. Als „Versicherungsprämie“ für unsichere Zeiten hat ein kleiner Goldanteil im Depot aber weiterhin seine Berechtigung, zumal die Opportunitätskosten, also das Gegenrechnen der Erträge auf risikolose Staatsanleihen, entfallen sind.

Globale Aktien langfristig sinnvoll – dänische kündbare Anleihen und nachhaltige Investments als Anlagealternative

Auch für 2020 bleibt Fink ich bei seinem leidenschaftlichen Plädoyer für Aktiensparpläne oder aktienbasierte Versicherungsprodukte für die Altersvorsorge. Dabei sollten Anleger sich vor allem auf internationale Anlagen konzentrieren und nicht, wie oft zu beobachten, bei Investitionen im Heimatmarkt Deutschland stehen bleiben.

Als stark industriell geprägte Exportnation leidet Deutschland mehr als andere Länder unter den anhaltenden Handelskonflikten und der schwachen Weltkonjunktur. Daher sind Anleger mit global gestreuten Aktienanlagen vorerst besser bedient.

Auf der Rentenseite werden dänische kündbare Pfandbriefe als eine attraktive und gleichermaßen risikoarme Anlagealternative gesehen. Wer Anlagen mit sozialem Engagement und verantwortungsbewusstem Investieren verbinden möchte, sollte sich nach nachhaltigen Aktien- und Mischfonds oder nach Fonds umsehen, die — wie zum Beispiel die Mikrofinanzinvestments – eine starke soziale Wirkung haben.

(Monega KAG)

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