Wirtschaft

VERBIO setzt auf Internationalisierung und Produktdiversifikation

Auf der heutigen ordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre in Leipzig kommentierte der Vorstand die Kennzahlen zum Geschäftsjahr 2017/2018

geralt / Pixabay

Der Vorstandsvorsitzende Claus Sauter zeigte sich zufrieden mit dem erzielten Ergebnis. Das Geschäftsjahr war maßgeblich von Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen mit weitreichenden Auswirkungen auf die Absatzmärkte in den Bereichen Biodiesel und Biomethan geprägt. Den Aktionären wurde unverändert zum Vorjahr eine Dividendenausschüttung von 0,20 Euro je dividendenberechtigter Aktie vorgeschlagen. Der Vorschlag wurde von den anwesenden stimmberechtigten Aktionären bestätigt.

Zufriedenstellendes Ergebnis auf Prognose-Niveau

Im Geschäftsjahr 2017/2018 erwirtschaftete VERBIO einen Konzernumsatz von 685,9 Mio. Euro (2016/2017: EUR 726,4 Mio.). Der Rückgang um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr lässt sich auf die erschwerten Marktbedingungen für Absatz und Margengenerierung zurückführen – verursacht durch die Aufhebung der Importzölle auf Biodieselimporte aus Argentinien und Indonesien sowie das Inkrafttreten der 38. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) zu Beginn des abgelaufenen Kalenderjahres. Letztere ermöglicht die Anrechenbarkeit der geringeren THG-Einsparung von fossilem Erdgas gegenüber dem Referenzwert für Benzin und Diesel auf die Erfüllung der THG-Quote. Infolgedessen hat sich der Preisabstand zwischen Biomethan und fossilem Erdgas nochmals vergrößert und der Anteil an Biomethan am CNG-Kraftstoff ging weiter zurück. Aus diesem Grund hat VERBIO eine zunehmende Menge Biomethan in andere Anwendungen außerhalb des Kraftstoffsegments vermarktet.

Mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 44,8 Mio. Euro und einem Net-Cash in Höhe von 90,1 Mio. Euro wurde die Ergebnisprognose erreicht. Die Eigenkapitalquote konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr um 2,6 Prozent auf 82,0 Prozent erhöht werden.

Vorstandsvorsitzender Claus Sauter zum Jahresergebnis: „VERBIO trotzt dem schwierigen Marktumfeld. Wir konnten unsere Produktionsauslastung auf höchstem Niveau halten und ein gutes Ergebnis erzielen. Die gesunde Ertragslage unterstreicht einmal mehr unsere wirtschaftliche Stabilität, unsere Wettbewerbsfähigkeit und unsere Technologieführerschaft.“

Mehr Investitionen für Innovation und Wachstum

Im Geschäftsjahr 2017/2018 hat die VERBIO AG mit 26,4 Mio. Euro noch einmal deutlich mehr in Wachstumsprojekte investiert als im Vorjahr (2016/2017: EUR 18,9 Mio.). Dabei standen der weitere Ausbau der Sterolproduktion und die Optimierung der Stroh-Biomethan-Technologie im Fokus.

Das Verfahren zur Sterolproduktion aus dem zur Biodieselherstellung eingesetzten Rapsöl stammt aus der VERBIO-eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung und zeugt von der Innovationskraft des Unternehmens. Aufgrund wachsender Nachfrage wird im aktuellen Geschäftsjahr 2018/2019 die nunmehr dritte Ausbaustufe für die Sterolproduktion realisiert. Dieses Projekt umfasst Baumaßnahmen an den Standorten Bitterfeld und Schwedt. Mit der Inbetriebnahme dieser Kapazitätserweiterung im Sommer 2019 steigt VERBIO zu einem der weltweit größten Sterolproduzenten auf.

Neben der Erweiterung der Sterolproduktion konzentriert sich das Bioenergieunternehmen auf den Ausbau und die Optimierung der Biomethan-Technologie. Die neue Bioraffinerie in Pinnow wurde kürzlich fertiggestellt und wird derzeit hochgefahren. Der Fokus auf die Stroh-Biomethan-Technologie dient der Erschließung neuer Märkte in Asien und den USA. Im November 2018 verkündete VERBIO den Kauf der Zellulose-Ethanol-Anlage von DuPont in Nevada/Iowa, USA. Das Unternehmen wird bestehende Anlagenteile nutzen und um eine Stroh-Biomethan-Produktion nach dem Vorbild der Anlagen in Deutschland ergänzen. Der Bau der Anlage soll Mitte 2019 beginnen. Die Errichtung weiterer Stroh-Biomethan-Anlagen in den stark landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten Kansas und Michigan befindet sich derzeit in Prüfung.

Indien ist ein weiterer wichtiger Zielmarkt für VERBIO. Auch dort soll Mitte 2019 der Bau einer ersten Stroh-Biomethan-Anlage starten ­– perspektivisch werden weitere folgen. Der indische Markt für CNG und Biomethan als Kraftstoff befindet sich in einem starken Wachstum. Zum einen setzt sich die indische Regierung für den Kraftstoff intensiv ein, weil er einen günstigen Weg bietet, um auf Erneuerbare Energien umzustellen. Darüber hinaus begünstigt der wesentliche Preisvorteil von CNG und Biomethan gegenüber Diesel und Benzin die hohe Akzeptanz bei der indischen Bevölkerung.

Hohe Anlagenauslastung in allen Segmenten

Im Segment Biodiesel wurden im Geschäftsjahr 2017/2018 Umsatzerlöse von 456,8 Millionen Euro (2016/2017: EUR 471,6 Mio.) erzielt. Mit 476.211 Tonnen Biodiesel (2017/2018: 473.382 Tonnen) wurde die Rekordproduktion des Vorjahres erneut übertroffen. Die Anlagenauslastung betrug 101 Prozent. Das Segment Biodiesel trägt mit einem EBITDA von 24,4 Mio. Euro (2016/2017: EUR 39,3 Mio.) beziehungsweise einem EBIT von EUR 19,6 Mio. Euro (2016/2017: EUR 34,6 Mio.) zum Unternehmensergebnis bei.

Im Segment Bioethanol/Biomethan wurden im Berichtszeitraum 2017/2018 Umsatzerlöse in Höhe von 219,1 Millionen Euro (2016/2017: EUR 245,2 Mio.) erzielt. Mit 246.300 Tonnen Bioethanol (2016/2017: 248.755 Tonnen) konnte an den Produktionsrekord der Vorjahresperiode nicht angeknüpft werden. Das Segment trägt mit einem EBITDA von 19,9 Mio. Euro (2016/2017: EUR 52,4 Mio.) beziehungsweise einem EBIT von 2,8 Mio. Euro (2016/2017: EUR 36,0 Mio.) zum Konzernergebnis bei.

Die Produktion von Biomethan wurde um 8,8 Prozent auf 608 GWh (2016/2017: 559 GWh) gesteigert. Die Auslastung der Biomethan-Anlagen lag bei 101 Prozent.

Erweiterung des CNG-LKW-Fuhrparks

Im Logistikbereich setzt VERBIO weiter auf CNG und Biomethan für den Güterfernverkehr. Anfang 2018 wurden fünf IVECO Stralis CNG-LKW in den Fuhrpark aufgenommen. „Die Erfahrungen mit dem Betrieb, der Kostenstruktur, der Technik und der Akzeptanz bei den LKW-Fahrern sind äußerst positiv, so dass im Februar drei weitere CNG-LKW, diesmal von der Marke SCANIA, angeschafft werden. Außerdem planen wir im aktuellen Geschäftsjahr, aktiv auf Speditionen zuzugehen, um sie für eine Umstellung ihrer Fahrzeugflotten zu gewinnen“, kündigt Bernd Sauter, Vorstand Einkauf und Logistik, an.

Gesicherte Rohstoffversorgung dank Multifeedstock-Technologie

Trotz schlechten Ernteerträgen 2018 konnte VERBIO die Rohstoffversorgung für das laufende Geschäftsjahr sicherstellen. Einen Marktvorteil bietet hier die Multifeedstock-Technologie der VERBIO-Anlagen, die es ermöglicht, mehrere alternative Rohstoffe für die Produktion zu verwenden. In den kommenden Monaten wird sich VERBIO dem Aufbau geeigneter Organisations- und Beschaffungsstrukturen für die Auslandsprojekte widmen.

Prognose für das Geschäftsjahr 2018/2019 und Ausblick bis 2030

Unter Zugrundelegung des aktuellen Absatz- und Rohstoffpreisniveaus sowie der angestrebten Produktionsauslastung geht der Vorstand davon aus, im Geschäftsjahr 2018/2019 ein EBITDA in der Größenordnung von 80 Mio. Euro zu erzielen sowie das Net-Cash bis zum Ende des Geschäftsjahres auf eine Größenordnung von 90 Mio. Euro zu steigern. Ausschlaggebend für diese Prognose sind unerwartet hohe Margen im Biodiesel im Zeitraum Oktober bis Dezember 2018 und der aktuell gute Auftragsbestand bis zum Ende des Geschäftsjahres 2018/2019.

Die angekündigte Wiedereinführung von Strafzöllen auf Biodiesel-Importe aus Argentinien würde das Marktumfeld im Biodiesel-Segment weiter stabilisieren.

Durch die im aktuellen Geschäftsjahr realisierte Übernahme des Schweizer Forschungsunternehmens XiMo AG festigt die VERBIO AG die Technologieführerschaft im Segment Biodiesel und setzt ihre Strategie zur Diversifikation der Produktpalette außerhalb des Biokraftstoffmarkts fort. Das Geschäftsmodell der XiMo AG ist die Entwicklung von Katalysatoren für eine sehr vielversprechende chemische Reaktion, um aus Biodiesel chemische Grundstoffe für die Produktion von Schmierstoffen, Lösungsmitteln, Kunststoffen und Duftstoffen herzustellen.

In diesem Jahr wird die Erhöhung der THG-Quote ab 01.01.2020 von vier auf sechs Prozent vorbereitet, die europaweit vollumfänglich zu erfüllen ist.

Außerdem wurde auf europäischer Ebene im Sommer 2018 neben der Erneuerbaren-Richtlinie RED II auch die Europäische „Effort Sharing Regulation“ (Lastenverteilungsverordnung) verabschiedet. Darin werden für den Zeitraum 2021 bis 2030 verbindliche Zielvorgaben für die Reduzierung der Emissionen der EU-Mitgliedstaaten in einzelnen Sektoren festgelegt – darunter der Verkehrssektor und die Landwirtschaft. Werden diese Zielvorgaben nicht erreicht, drohen erhebliche Strafzahlungen.

„Der Druck auf die Bundesregierung wächst, die Anstrengungen zum Klimaschutz über die Umsetzung der RED II hinaus, wesentlich zu steigern. Eine weitere einseitige Fokussierung auf Elektromobilität wird nicht ausreichen. VERBIO ist der einzige Hersteller, der alle drei gängigen Biokraftstoffe mit einer maximalen CO2-Effizent und in relevanten Mengen, für Individualverkehr, Güterverkehr und öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung stellen kann. Die Zukunft der Mobilität kann also nicht an uns vorbeiführen“, betont Claus Sauter.

„Der mit der E-Hysterie verbundene ideologische Feldzug der Bundesregierung gegen den Verbrennungsmotor bestärkt uns allerdings auch darin, die Internationalisierungs- und Produktdiversifizierungs-Strategie der VERBIO AG zielgerichtet voranzutreiben“, fasst Claus Sauter das Langfristziel zusammen.

(Verbio)

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