Wirtschaft

Rezessionsängste statt FOMO an den Kapitalmärkten

Das Börsenjahr 2022 ist für Mischportfolios aus Aktien und Anleihen bislang das schlechteste seit fast 100 Jahren

geralt / Pixabay

Die beiden größten relevanten Indizes MSCI Welt (Aktien) und Bloomberg Global Aggregate (Anleihen) haben seit dem Jahreswechsel jeweils mehr als 20 % und damit etwa 30.000 Milliarden US-Dollar an Buchwert verloren – das entspricht knapp der gesamten US-Staatsverschuldung. Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch sieht die Ursache für die Verwerfungen vor allem in der Geldpolitik und der Kommunikation der US-Notenbank: „Diese lässt sich offenbar wenig von den Ängsten der Kapitalmärkte beeindrucken und verfolgt strikt ihren Kurs weiterer Zinsanhebungen.“

Im Juli hatte der Aktienmarkt noch gehofft, die Wirtschaftsdaten könnten die Fed verleiten, von zu starken Zinsabhebungen Abstand zu nehmen. FOMO (Fear Of Missing Out) sorgte dafür, dass trotz gegebener Unsicherheiten Anleger bei Aktien kräftig zugriffen, in Angst eine schnelle Rallye zu verpassen. „Mittlerweile ist FOMO als ein Treiber für Aktienkäufe verschwunden, vielmehr dominieren Rezessionsängste das tägliche Börsengeschehen“, so der Experte.

„Die FED heute befindet sich in einer Art Traumabewältigung der 80er Jahre – erlebte Inflation und schwere Rezession dürfen sich nicht wiederholen – und setzt mit Frontloading (schnelle starke Zinsanhebungen) auf baldige und nachhaltige Effekte. Dabei ist die Gefahr groß, erst zu spät, dafür aber zu heftig und zu lange auf dem Bremspedal zu stehen“, so Böckelmann. Aufgrund der starken Binnenorientierung der US-Wirtschaft, wäre eine kurze Rezession zu verkraften. Allerdings befürchtet der Experte, dass der US-Dollar als langfristige Folge restriktiver US-amerikanischer Notenbankpolitik zu stark werden und damit die gesamte Welt an die Schwelle einer strukturellen Rezession bringen könnte. „Es ist daher zu hoffen, dass die FED mit ihrer Politik schnelle Erfolge erzielt und den Bogen nicht überspannt“, so Böckelmann.

Und was ist mit Europa?

„Der Job der Europäischen Zentralbank EZB ist ungleich schwerer. Die Inflationsursache liegt auf der kaum beeinflussbaren Angebotsseite, also auch schwerwiegender politischer Fehler im Bereich der Energieversorgung und Infrastrukturplanung“, fasst Böckelmann zusammen. Im Gegensatz zur robusten US-amerikanischen könne eine europäische Wirtschaft einen zu kräftigen Druck auf das Bremspedal nicht überstehen, sie dürfte bereits heute in weiten Teilen in der Rezession stecken. „Die Tatsache, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar seit Jahresbeginn mehr als 15 % an Wert verloren hat, ist nicht nur Ausdruck der Qualität des Dollars in Krisenzeiten. Die negative Wechselkursentwicklung ist auch Spiegel der Wahrnehmung Europas in der Welt“, resümiert Böckelmann.

Jedoch sieht der Fondsmanager auch eine Chance in der aktuell schweren Krise: „Dazu muss man die Aufmerksamkeit von den Symptomen auf die Ursachen lenken – erste Stimmen aus der Politik machen Mut. Auch wenn es der deutsche Steuerzahler nicht hören will, schnelle Lösungen sind nur bei konzertierten europäischen Initiativen möglich. Diese gingen einher mit noch höheren Schulden z. B. in Form von Sondervermögen. Dabei ist auch zu akzeptieren, dass sich ohne einen langfristigen politischen Willen zur Schuldenvergemeinschaftung die Währungsunion in aktueller Konstellation kaum halten lässt“.

(Vermögensmanagement EuroSwitch! GmbH)

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