Wirtschaft

Nachhaltige Investments – Mehr als Ökoaktien

Ein ethisch-nachhaltiger Investmentprozess vermeidet signifikante Risiken. Darüber hinaus kann er lukrative Anlagechancen identifizieren. Es gilt, den Nachhaltigkeits -Begriff neu zu denken.

Ethische Anlageprozesse gibt es in Kontinentaleuropa erst seit gut 20 Jahren. In dieser vergleichsweise kurzen Zeit haben ethische und ökologische Investmentstile eine enorme Weiterentwicklung erfahren.

Roman Limacher, Geschäftsführer Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Roman Limacher,
Geschäftsführer Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG

Anfangs basierten die Selektionsprozesse nachhaltiger Investments ausschließlich auf Ausschlusskriterien. Beispielsweise waren bestimmte Branchen wie die Ölförderung oder Kernkraft gänzlich aus dem Anlageuniversum verbannt. Einige der ersten Ökofonds konzentrierten sich ausschließlich auf Themen wie Photovoltaik oder Wind- und Wasserkraft. Es hat sich allerdings gezeigt, dass dieses Verständnis von Nachhaltigkeit zu eng gedacht ist. Einerseits muss sich ein Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien nicht per se sozial und ökologisch einwandfrei verhalten. Andererseits gibt es auch in nicht typisch „grünen“ Branchen weltweit viele Unternehmen, die dank Nachhaltigkeitsbemühungen die Umwelt und Gesellschaft positiv beeinflussen.

Dennoch haben Ausschlusskriterien bis heute ihre Berechtigung behalten. Typische Merkmale, die zu einer Nicht-Berücksichtigung in einem nachhaltigen Anlageuniversum führen, sind der verschwenderische Einsatz natürlicher Ressourcen, ein unfairer Umgang mit Mitarbeitenden, die Übervorteilung von Kunden, unlauterer Wettbewerb oder auch weitere gesellschaftlich kontroverse Geschäftstätigkeiten wie die Waffenproduktion oder Biopiraterie. Diese Ausschlusskriterien sollen in erster Linie Schaden von der Gesellschaft und der Umwelt abwenden. Viele Investoren möchten schlichtweg mit ihrem Vermögen kein ausbeuterisches Geschäftsgebaren finanzieren. Sie reduzieren jedoch zugleich finanzielle Risiken. Unternehmen wie BP oder Tepco sind an den von ihnen (mit-)verursachten Umweltkatastrophen fast zerbrochen. Oder VW: Bei dem Wolfsburger Autokonzern ist bis heute weder der ideelle noch der materielle Schaden durch den Abgasskandal absehbar.

Neben Straf- und Kompensationszahlungen zählen Reputationsrisiken zu den größten Gefahren, die Unternehmen durch unsoziales und unökologisches Wirtschaften eingehen. So erhält auch die Aussage der Investorenlegende Warren Buffet neue Brisanz: „Es dauert ein Leben lang sich einen guten Ruf zu verdienen, aber nur fünf Minuten ihn zu zerstören“.

Ein sozial und ökologisch sensibles Verhalten kann jedoch nicht nur verschiedene Gefahren für die Allgemeinheit und die Umwelt abmildern, sondern auch finanzielle Risiken signifikant reduzieren. Sie können umgekehrt sogar zur Identifizierung attraktiver Investmentchancen beitragen.

Demografie als Herausforderung

Was Europa, Japan und letztlich die ganze Welt in diesem Jahrhundert in demografischer Hinsicht erleben werden, ist eine regelrechte Zeitenwende. Der historische Drang der Menschheit, zu wachsen, wird nach und nach von einem Schrumpfen abgelöst. Die Entwicklung, dass immer mehr ältere immer weniger jüngeren Menschen gegenüberstehen stellt enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen dar.

Entscheidend ist nun, wie die kaum vermeidbaren Veränderungen gestaltet werden. Unternehmen, die dafür entsprechende Lösungen anbieten, agieren gewissermaßen sozial. Sie bewegen sich gleichzeitig in hochattraktiven Wachstumsmärkten. Es liegt auf der Hand, dass Bereiche wie Medizintechnik, Seniorenresidenzen und Pflegeeinrichtungen oder die Reisebranche von der zunehmenden Alterung der westlichen Gesellschaften profieren werden. Da gleichzeitig immer weniger Erwerbstätige zur Verfügung stehen werden und körperliche Schwerstarbeit erleichtert werden sollte, dürften auch Unternehmen aus den verschiedenen Automatisierungsbereichen zu den Gewinnern der Demografie gehören. Roboterhersteller wie die deutsche Kuka sind nicht unbedingt auf den ersten Blick in einem Ethik-Fonds zu orten – auf den zweiten vielleicht aber sehr wohl.

Solche zukünftigen Wachstumschancen spürt die reine Finanzanalyse kaum auf. Daher macht es auch ökonomisch Sinn, herkömmliche Bewertungen, die maßgeblich auf Finanzkennzahlen beruhen, durch die ethische Perspektive zu ergänzen. Der Investmentprozess lässt sich vor allem dann ganzheitlich gestalten, wenn neben sozialen und ökologischen Ausschlusskriterien entsprechende Positivkriterien Berücksichtigung finden.

Gastkommentar von Roman Limacher, Geschäftsführer Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG

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