Wirtschaft

Märkte schöpfen Kraft – Zentralbanken bleiben aber vorsichtig

Marktupdate – diesmal: Das Wirtschaftswachstum zeigt sich in den USA bislang unbeeindruckt von der Nervosität der Märkte. Und Europa blickt gespannt auf das EZB-Treffen nächste Woche

klimkin / Pixabay

Lewis Grant, Global Equities Senior Portfolio Manager:

Der MSCI World Index verzeichnete im August den siebten Monat in Folge positive Renditen. Die Gewinnsaison übertraf alle Erwartungen und der jüngste ISM-Bericht für das verarbeitende Gewerbe deutet auf eine solide Leistung der Fabriken in den USA hin. Etwaige Sorgen über das Wirtschaftswachstum scheinen unbegründet zu sein.

Aber: Es herrscht Nervosität. Auf enttäuschende Ergebnisse wurde mit starken Verkäufen reagiert, während positive Ergebnisse in der Regel nur leichte Gewinne brachten und Mega-Caps nach wie vor dominieren. Die Schwellenländer hinken hinterher und bleiben volatil.

Historisch gesehen ist der September ein schwacher Monat für Aktien – insbesondere in den USA. Eine gewisse Vorsicht der Anleger ist angesichts hoher Bewertungsmultiplikatoren und eines schwierigen makroökonomischen Umfelds nur verständlich. In der ganzen Welt gilt: Die Delta-Virus-Variante schwächt weiterhin das Vertrauen der Verbraucher. Die Besorgnis über Engpässe und Probleme in der Lieferkette hat nicht nachgelassen. Afghanistan zeigt uns, wie schnell geopolitische Risiken auftauchen können; Hurrikan Ida demonstriert unsere Verwundbarkeit angesichts der immer häufiger auftretenden extremen Wetterereignisse.

Und natürlich enttäuschen die Beschäftigungszahlen in den USA weiterhin. Gerade diese Schwäche könnte die Märkte jedoch kurzfristig nach oben treiben. Die Anleger konzentrieren sich stark auf die Fed. Daher ist es wahrscheinlich, dass wir eine Rückkehr zur „bad news is good news“-Haltung erleben werden. Eine unerwartet starke Abschwächung auf dem US-Arbeitsmarkt dürfte die Aktien in Erwartung weiterer Konjunkturmaßnahmen nach oben treiben.

Silvia Dall’Angelo, Senior Economist:

Die Konferenz in Jackson Hole vergangene Woche rückte die Geldpolitik der US-Notenbank nach einem ruhigen Sommer wieder in den Mittelpunkt, während sich die weltweite wirtschaftliche Erholung einer heiklen und unsicheren Phase nähert. Die Rede des Fed-Vorsitzenden Powell war – insbesondere im Hinblick auf die These der „vorübergehenden“ Inflation – von einem dovishen Ton geprägt.

Powell räumte ein, dass die Fortschritte bei der Inflation und auf dem Arbeitsmarkt wahrscheinlich eine Reduzierung der Ankäufe von Vermögenswerten ab diesem Jahr rechtfertigen würden – was im Einklang mit der jüngsten Mitteilung der Fed zum Tapering steht. Eine Anhebung der Zinssätze liegt jedoch noch in weiter Ferne, da es einige Zeit dauern wird, bis ein Höchststand an Beschäftigung und eine Inflationsrate von 2 % nachhaltig erreicht werden. Generell: Die großen Zentralbanken haben gute Gründe, vorsichtig zu agieren. Die Geldpolitik dürfte angesichts der Anzeichen für einen verlangsamten Aufschwung und der anhaltenden Risiken im Zusammenhang mit der Entwicklung der Pandemie sehr akkommodierend bleiben.

Diesem Trend wird die EZB bei ihrer Sitzung in der nächsten Woche wahrscheinlich folgen – auch wenn die jüngste Lockerung der finanziellen Bedingungen und die unerwartet starken Inflationsdaten einige der hawkischen Mitglieder der EZB aufrütteln könnten.

(Federated Hermes)

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