Wirtschaft

Langsameres Wachstum und deutliche Volatilität – hält die Erholung dennoch an?

Marktupdate: Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, Lieferkettenprobleme nehmen zu und am Horizont tauchen geopolitische Risiken auf – was bedeutet dies für die kommenden Wintermonate?

Lalmch / Pixabay

Louise Dudley, Global Equities Portfolio Manager:

„Die Aktienmärkte waren in der vergangenen Woche von erheblicher Volatilität geprägt. Grund hierfür ist eine Risikoreduzierung, die im Vorfeld der Veröffentlichung von Unternehmensgewinnen und angesichts der Verhandlungen über die Schuldenobergrenze stattfand. Die Risikobereitschaft ist nach wie vor fragil – viele Faktoren beunruhigen die Märkte, darunter die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, die Inflation und geopolitische Risiken. Insbesondere die Lieferkettenprobleme sowie die Inflation bedeuten, dass die Unternehmen mit Gegenwind konfrontiert sind – sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Ertragsseite.

Allgemein lässt sich sagen: Value- und zyklische Bereiche des Marktes sind nach wie vor unterbewertet, während Growth-Titel nach wie vor überkauft sind. Im September war zu beobachten, dass viele Value-Titel in allen Regionen positive Renditen erzielten; wir erwarten, dass sich dies im Oktober fortsetzen wird. Ein weiterer Bereich, in dem wir in letzter Zeit eine gewisse Schwäche festgestellt haben, sind die Rentabilitätskennzahlen: Insbesondere diejenigen Unternehmen, die im letzten Jahr höhere Margen verzeichneten, erleben nun eine Umkehr, da die Inflation ihre Gewinne schmälert.

Mit Blick auf das nächste Jahr richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auch auf die Weiterentwicklung der umweltfreundlichen Politik in den USA und in Europa. Dies nicht zuletzt im Hinblick auf kurzfristige Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz und der technologischen Innovation innerhalb der Energieversorgungskette, welche die langfristige Reduzierung der Emissionen fördern können. Im Unterschied hierzu stehen die Energiekrisen in Asien und Europa, die die Gas- und Ölpreise in die Höhe treiben und das Vertrauen in die zukünftige Rentabilität der Schwerindustrie schwächen.

Sollten die US-Arbeitsmarktzahlen besser ausfallen als erwartet, dürften sie eine gewisse Bestätigung des wirtschaftlichen Aufschwungs mit sich bringen. Während dieser sich zwar verlangsamt, verläuft er immer noch positiv und wird den Aktienmarkt bis zum Jahresende weiter ankurbeln.“

Silvia Dall’Angelo, Senior Economist:

„Die September-Daten des weltweiten Einkaufsmanagerindizes sorgten für eine gewisse Beruhigung in Bezug auf die Tragfähigkeit der Erholung, denn sie verzeichneten nach einem starken Einbruch im Juni/August einen leichten Anstieg. Die Verbesserungen konzentrierten sich auf den Dienstleistungssektor – was darauf hindeutet, dass die Dynamik der Wiedereröffnungen wahrscheinlich wieder zugenommen hat, da die Welle der Delta-Variante weitgehend eingedämmt wurde.
Im verarbeitenden Gewerbe gab es Anzeichen für eine Stabilisierung, wenngleich die Angebotsengpässe weiterhin zu spüren waren. Die künftige Entwicklung der Angebotsengpässe wird gleichermaßen entscheidend sein für die weitere Entwicklung der Erholung sowie der Inflation.

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Pandemie auf ein endemisches Gleichgewicht zubewegt, sollte sich die Nachfrage stabilisieren und die Angebotsbeschränkungen nachlassen. Der Aufschwung dürfte sich daher im nächsten Jahr langsamer und weniger volatil als 2021 fortsetzen – und die Inflation dürfte nach dem Winter allmählich zurückgehen.
Dieses Basisszenario ist jedoch mit erheblichen Risiken behaftet. Langwierige Angebotsengpässe und eine erhöhte teuerungsgetriebene Inflation in den Wintermonaten könnten den Aufschwung zum Erliegen bringen und den Weg zu Stagflationsszenarien ebnen. Es ist auch möglich, dass die Inflationsdynamik auf die Erwartungen und den Arbeitsmarkt übergreift und sich somit verfestigt, was eine straffere Geldpolitik erforderlich machen würde. Darüber hinaus: Politische Risiken (z. B. der chinesische Umgang mit der Krise im Immobiliensektor, das US-Infrastrukturgesetz) stellen eine erhebliche Unsicherheit dar und trüben die Aussichten.“

(Instinctif Partners)

print

Tags: , , ,

ESG Impact Investing

ESG Impact Investing

Nachhaltige Investmentfonds zu UN-Entwicklungszielen.

Die Ausgaben im Überblick

ETF-News

ETF-News

Aktuelle News zu börsengehandelten Indexfonds.

zu den News

Guided Content

Guided Content ist ein crossmediales Konzept, welches dem Leser das Vergleichen von Finanzprodukten veranschaulicht und ein fundiertes Hintergrundwissen liefert.

Die Ausgaben im Überblick

ASCORE Auszeichnung

Es gibt viele gute Tarife – für die Auszeichnung „Tarif des Monats“ gehört mehr dazu. Lesen Sie hier, was die ausgezeichneten Tarife zu bieten haben.

Tarife des Monats im Überblick

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mein Geld Newsletter

Melden Sie sich für unseren 14-tägigen Newsletter an.

zur Newsletteranmeldung

25 Jahre Mein Geld
Icon

Mein Geld TV

Das aktuelle Video

Mein Geld TV Immobilien RT Teil 1
-
Thema Sachwertanlagen – Mit 3,9% erreichte die Inflation im August den höchsten Stand seit 30 Jahren

Das bedeutet pro Jahr einen Kaufkraftverlust von rund 100 Milliarden Euro. Im Frankfurter Kreis stellt Mein Geld Chefredakteurin Frau Hägewald unseren eingeladenen Experten die Frage, warum könnten Sachwertanlagen die richtige Antwort auf diese Inflationskurve sein können?

zum Video | alle Videos
Icon

Mein Geld Magazin

Die aktuelle Ausgabe

Mein Geld 04 | 2021

Die Zeitschrift Mein Geld - Anlegermagazin liefert in fünf Ausgaben im Jahr Hintergrundinformationen und Nachrichten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Finanzen.

zur Ausgabe | alle Ausgaben