Wirtschaft

Japan: politische Stabilität – dynamische Wirtschaft

Ein Kommentar von Jesper Koll, Leiter WisdomTree Japan, zu den japanischen Wahlen:

Gewinne in Japan steigen weiterhin

 

Regierungen aus anderen Ländern blicken neidisch auf Japan. Das «Team Abe» wurde mit einer starken Zweidrittel-Mehrheit wiedergewählt. Stabilität, Kontinuität und die Nachhaltigkeit einer wachstumsorientierten und wirtschaftsfreundlichen Agenda sollten mit einer steigenden „Japan-Prämie“ an den Finanzmärkten belohnt werden. Die japanischen Aktienmärkte verdienen unseres Erachtens jetzt eine höhere Bewertung gemessen am KGV. Konkret sehen wir nach den Wahlen die folgenden Anknüpfungspunkte für steigende Bewertungen am japanischen Aktienmarkt und für eine weitere Yen-Abwertungen:

Dynamik des Unternehmenssektors und Beschleunigung des Investitionszyklus

Die politische Stabilität wird den Investitionszyklus der japanischen Wirtschaft in Japan weiter beschleunigen. Führende Unternehmen wie Canon und Shiseido haben schon angekündigt, dass sie neue Produktionskapazitäten in Japan aufbauen und den Zyklus für kleine und mittlere Unternehmen beschleunigen werden.

Hier erwarten wir, dass die neue Oppositionspartei unter der Führung von Gouverneur Koike aus Tokio Druck auf das «Team Abe» ausüben wird, um die Programme für die «Sonderwirtschaftszonen» zu beschleunigen, insbesondere in Japans größter Wirtschaftsregion. Während die neue Partei der Hoffnung bei dieser Wahl nicht die größte Oppositionspartei werden konnte, hängt ihre politische Zukunft davon ab, ob das «Team Abe» für eine konkrete und sichtbare Strukturreformagenda sorgt und diese auch umsetzt.

Wir sind der Ansicht, dass die neue Zusammensetzung des japanischen Parlaments die Risiken wirtschaftspolitischer Selbstzufriedenheit verringert hat. Dies gilt umso mehr, als die LDP sich möglicherweise darauf verlassen muss, dass die Partei der Hoffnung die Agenda für die Verfassungsreform unterstützt.

Bank of Japan entkoppelt sich vom Fed-Zyklus

Die Verantwortlichen für Japans Geldpolitik sind bereit, sich vom Zinserhöhungszyklus der Fed abzukoppeln. Egal, wer zum nächsten BoJ-Gouverneur ernannt wird. Er oder sie wird die gegenwärtige Unterstützung der Abenomics durch die Zentralbank mit Sicherheit fortsetzen. Die Wahl hat die Überzeugung des «Team Abe», dass ihre Wirtschaftspolitik der richtigen Weg ist, gefestigt, gerade weil Japan eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen Finanz- und Währungsbehörden pflegt.

Abes Wahlversprechen, die Verbrauchssteuererhöhung 2019 voranzutreiben, deutet auf eine wachsende Verantwortung der BoJ im Hinblick auf eine Rezession hin. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Entkoppelung der geldpolitischen Zyklen zwischen Japan und den USA ist wahrscheinlicher geworden.

Verfassungsreform kein Hindernis für wirtschaftliche Dynamik

Zum ersten Mal in der Geschichte war die Verfassungsreform Teil der offiziellen politischen Agenda der regierenden Parteien, und es besteht kein Zweifel daran, dass das «Team Abe» ihre Zweidrittel-Mehrheit nutzen wird, um jetzt konkrete parlamentarische Verfahren zur Überarbeitung des japanischen Grundgesetzes einzuleiten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Wirtschaftspolitik zum Stillstand kommt. Das Parlament ist kein Nullsummenspiel. Abe weiß genau, dass Verfassungsreformen nur dann gelingen können, wenn das japanische Volk sie unterstützt – ein nationales Referendum muss innerhalb von sechs Monaten nach der Zustimmung des Parlaments einberufen werden.

Daher ist es für Abe unerlässlich, sich weiterhin auf die Schaffung einer wachstumsfördernden und unternehmensfreundlichen Politik zu konzentrieren. Ohne einen breitere Zustimmung unter den Menschen ist jedes Verfassungsreferendum zum Scheitern verurteilt. Das Risiko besteht, wenn überhaupt, darin, dass der Druck zur Verfassungsreform das «Team Abe» dazu verleitet, steuerlich unverantwortlicher zu werden und die BoJ aus unserer Sicht noch mehr unter Druck zu setzen.

Insgesamt ist die politische Dynamik Japans jedoch in der Lage, dem Wirtschaftswachstum im Allgemeinen und dem Gewinnwachstum im Besonderen deutliche positive Überraschungen zu bescheren. Der japanische Aktienmarkt sollte dies berücksichtigen, was zu einer Ausweitung des KGVs führen dürfte. Die Voraussetzungen für eine Japan-Prämie sind gegeben.  (WisdomTree)

PS: KGV des TOPIX liegt aktuell bei 16,3; eine Erweiterung auf 20-21x würde das KGV in den oberen Bereich der letzten zehn Jahre bringen.

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