Wirtschaft

Jahresendrally wahrscheinlicher als markanter Kurseinbruch

USA und Asien solide, Europa auf dem Weg in die Rezession. Der Handelskonflikt belastet globales Wachstum mit 1 bis 1,5 Prozent

Expansivere Geldpolitik stärkt relative Attraktivität von Aktien

Die Aussichten für Anleger bleiben durchwachsen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen trüben sich vielerorts ein. Doch gibt es weiterhin Länder, die sich behaupten können. Rückenwind kommt zudem von den Notenbanken.

Dr. Axel Cron, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management (Deutschland), sieht daher für das Schlussquartal 2019 vor allem für Aktien Kurspotenzial. „Die globale Konjunktur hat sich nach einer Abschwächung im ersten Quartal stabilisiert. Regional ist die wirtschaftliche Entwicklung jedoch höchst unterschiedlich. Ein starker Stützpfeiler sind nach wie vor die USA, die nach unseren Berechnungen knapp ihr Potenzialwachstum erreichen und somit eine deutlich stärkere Dynamik als andere große Industrieländer aufweisen“, so Cron.

Hohe Sparquote in den USA

Völlig unberührt von den wirtschaftlichen und geopolitischen Problemen in der Welt zeigen sich indes die privaten Haushalte und die Verbraucherstimmung. Die Sparquote in den USA liegt mittlerweile bei ungewöhnlich hohen acht Prozent. Die Revision der Einkommensstatistik für das zweite Quartal zeigt, dass die Löhne stärker gestiegen sind, als bisher angenommen.
Unternehmen verdienen weniger.

Im Vergleich zu den privaten Haushalten sind die Unternehmensgewinne stärker rückläufig, als es bei der guten Gesamtkonjunktur zu erwarten wäre. Grund zur Sorge gibt es aber erst, wenn die abwartende Haltung der Unternehmen auf den Konsum durchschlägt. Der Konsum jedoch zeigt bislang keine Schwäche.

Im Kapitalgütersektor hingegen sind die Warnzeichen nicht mehr zu übersehen. Der Bereich stagniert, was sicherlich auch auf Unsicherheiten durch den Handelsstreit mit China zurückzuführen ist. Insgesamt belasten die Auswirkungen des Handelskonflikts das globale Wachstum mit rund 1 bis 1,5 Prozent.

Frankreich zeigt Deutschland die Rücklichter

Besonders tiefe Spuren hinterlässt der Konflikt um Zölle in Europa – vor allem in Deutschland, wo die Industrie bereits in der Rezession ist. Als offene, exportorientierte Volkswirtschaft hängt das Land besonders stark am globalen Handel. Die Gefahr, dass der Vertrauensverlust in der Industrie auf den Konsumsektor überspringt, ist daher hierzulande viel größer als in den USA.

Frankreich hingegen ist ein Positivbeispiel in der Eurozone, da das Land weniger abhängig vom Welthandel ist. Die angebotsseitigen Reformen, vor allem am Arbeitsmarkt, wirken sich aus, und die Fiskalpolitik hat kurzfristig ebenfalls positiven Einfluss.

Zweigeteilte Entwicklung auch in Schwellenländern

Eine ähnlich zweigeteilte Entwicklung wie in den entwickelten Märkten ist innerhalb der Gruppe der Schwellenländer zu beobachten. Auf der einen Seite stehen Lateinamerika sowie Zentral- und Osteuropa, wo im Durchschnitt mit rund zwei Prozent Wachstum zu rechnen ist, was sich für die Länder anfühlt wie eine Rezession.

Auf der anderen Seite halten sich China und die asiatischen Länder sehr gut. Die Region Asien ohne Japan dürfte ein Wachstum von etwas über vier Prozent erreichen. In China sollten die Lockerung der Finanzierungsbedingungen, geringere Reserveanforderungen an Banken und ein schwächerer Yuan für Aufwind sorgen, der aber in der Realwirtschaft noch nicht richtig zu spüren ist. Hier gibt es meist eine zeitliche Verzögerung. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten dürfte China beim Wachstum eine deutliche Schippe drauflegen.

US-Aktien sind solide, aber teuer. Asiens Aktien scheinen attraktiver

Das divergente Bild bei der Konjunkturlage spiegelt sich an den Aktienmärkten wider. Interessant ist hier ein Vergleich der Kurs-Buchwert-Verhältnisse (KBV): In den USA haben Unternehmen in der Breite ihre Buchwerte über die vergangenen Jahre kontinuierlich gesteigert. Für diese Konsistenz und Solidität muss man mit einem KBV von 3,5 aber auch recht viel bezahlen.

Auch in Asien wurden nachhaltig Werte geschaffen. Diese sind mit dem 1,6-Fachen des Buchwerts jedoch deutlich günstiger zu haben. In anderen Märkten wie Japan oder der Eurozone ist hingegen nicht allzu viel Buchwert in den vergangenen Jahren generiert worden. Eine Trendumkehr ist dort nicht zu erwarten. Mit einem KBV von 1,6 sind die Märkte jedoch preislich attraktiv.

Verbesserung der relativen Bewertung

Grundsätzlich hat sich die relative Bewertung von Aktien gegenüber Anleihen noch einmal verbessert. Ein Grund dafür ist die wieder expansivere Geldpolitik. Die amerikanische Notenbank Fed hat die Zinsen bereits zweimal in diesem Jahr gesenkt. Zwar bezeichnet Fed-Chef Jerome Powell die Zinsschritte nicht als Trendwende, sondern als Anpassungen innerhalb des Erhöhungszyklus. Der Markt geht jedoch fest von weiteren Zinssenkungen aus.

In der Eurozone dürfte sich indes die Null- beziehungsweise Negativzinspolitik noch Jahre fortsetzen und die Renditen an den Anleihemärkten niedrig halten. Deutsche Staatsanleihen beispielsweise rentieren derzeit über alle Laufzeiten im negativen Bereich. Fiskalische Anreize dürften die geldpolitischen Bemühungen in Europa künftig ergänzen.

Diese Entwicklung macht Aktien attraktiv, egal ob sich die Konjunktur weiter abschwächt. Auch wenn das Gewinnwachstum der Unternehmen sinkt, so machen sie doch weiterhin Gewinne und zahlen Dividenden. Eine Blasenbildung an den Aktienmärkten ist daher nicht zu erkennen. Im abschließenden Quartal 2019 ist eine Jahresendrallye wahrscheinlicher als ein markanter Kurseinbruch.

Anleihen sind kein Must-have mehr

Anleihen erwirtschaften hingegen keine Renditen mehr, sondern kosten eher Geld. Und sie diversifizieren das Portfolio nur noch sehr bedingt. Wer nicht zwingend auf Anleihen setzen muss, hat auch keinen ökonomischen Grund es zu tun. Anleger sollten daher über eine Mischung aus Aktien und Cash nachdenken. Interessante Chancen für deutsche Anleger könnten allenfalls weitgehend exotische Segmente wie asiatische Lokalwährungsanleihen bieten.“

(HSBC Global Asset Management)

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